Zukünftige Landwirtschaft: „Wasser sparen & bewässern“. Tockenheit, Schädlinge und Klimawandel verändern die Landwirtschaft nachhaltig.

Von Alexandra Krenn. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:34)
Michael
Robert und Sandra Holzer schufen sich mit ihrer Landspeis-Vertriebslinie Selbstbedienungs-Läden mit regionalen Produkten, ein zweites Standbein für ihre Landwirtschaft. Sogar in der Mistelbacher Bahngasse gibt es bereits einen Shop.Pfabigan

„Derzeit ist es in der Landwirtschaft, vor allem im Ackerbau sehr schwierig und man schafft es nur, mit Spezialkulturen größere Erntemengen und finazielle Gewinne zu erwirtschaften“, sagt Mistelbachs Bezirksbauernkammerobmann Hermann Stich.

Das werde auch in Zukunft so bleiben: Landwirtschaftliche Betriebe brauchen ein zweites Standbein, um überleben zu können: Obstanbau, Ab-Hof-Verkauf und Tierhaltung sind hier die häufigsten Zusatzeinkünfte für Landwirte. Derartige Mischbetriebe würden zwar auch in der Zukunft kein Megatrend, aber solange es rentabel sei, werde es diese auch geben, sagt Stich.

Der Preis- und Mengendruck ist ebenfalls ein großes Problem in der Landwirtschaft, da die Preise für das Getreide jährlich sinken, in der konventionellen Landwirtschaft sogar noch stärker, als beim Bio-Getreide. Derzeit kostet eine Tonne Korn nur mehr 180 Euro – und in den kommeden Jahren werde es noch weniger werden, erwartet sich Stich. „Die Bauern sind dem Markt ausgeliefert“, sagt Stich, die Produktion von Qualitätsprodukten sei weder in der Bio-, und schon gar nicht in der konventionellen Landwirtschaft kostendeckend.

Regionale Produkte als Trend in Österreich

„In der biologischen Landwirtschaft gibt es einzelne Sparten, wie dem Anbau von Biozuckerrüben, bei denen eine sehr hohe Nachfrage bestehe und immer noch Pflanzer gesucht würden, weiß Biolandwirt Robert Holzer aus Neubau: „Bei den Ölkulturen, wie Sonnenblumen, wird die Nachfrage ebenfalls nicht erfüllt“, die Preise würden sich hier in einem vernünftigen Bereich bewegen.

Auswirkungen hat auch das geänderte Kaufverhalten der Konsumenten auf die Landwirtschaft: In Deutschland sind viele Bauern auf Biolandwirtschaft umgestiegen, was zu starker Nachfrage bei regionalen Produkten geführt hat. Ein Trend, der auch für Österreich langsam zu verzeichnen ist. Holzer selbst vermarktet seine eigenen Produkte in Selbstbedienungs-Containern unter der Marke „Landspeis“.

Negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat der Klimawandel - und diese seien nicht mehr wegzudiskutieren: In den vergangenen Jahren war es eindeutig zu trocken, heuer gab es zwar genügend Niederschläge, die Depots sind aber noch lange nicht aufgefüllt. Gerade beim Wald merkt man die fehlenden Niederschläge. Sie machen ihn anfällig für den Borkenkäfer. Trockenheit und wärmere Temperaturen lockten den Drahtwurm aus den tieferen Erdschichten an die Oberfläche, wo er die Kartoffelernte massiv schädigt „Der Klimawandel hat einen sehr hohen Einfluss, wir müssen mit trockenen Jahren und Schädlingsbefall rechnen, was vor allem ein Problem für den Frühjahrsanbau ist“, sagt Holzer. Im Obstbau und bald auch beim Wein sind Bewässerungsanlagen bald Standart.

Sein Fazit: „Der Klimawandel ist leider nicht abschaltbar, in Zukunft wird die wasserschonende Bodenbearbeitung intensiviert, außerdem ist der Humusaufbau im Trend, damit nach mehreren Jahren das Wasser länger im Boden bleibt.“

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Bezirk betrug vor zehn Jahren 2.164 Betriebe, heute gibt es etwa 1.590. 80 Prozent sind konventionelle Landwirtschaften.

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