Mistelbach

Erstellt am 10. März 2018, 04:00

von Christoph Szeker

Problem mit alten Geräten im Bezirk Mistelbach. Aber: Feinstaub sinkt, Lkw sind großteils modern, Grenzwerte tiefer angesetzt.

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Könnten sich die deutschen Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge, auch auf die österreichische Transportwirtschaft auswirken?

Für Patricia Luger, verantwortlich für die Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Niederösterreich, ist dieser Zusammenhang klar gegeben, gleichzeitig betont sie aber: „Neun von zehn der österreichischen Lkws sind bereits mit der EURO 5-EEV oder der EURO 6-Norm konform.“ Die Fahrverbote stellen also eine bewältigbare Herausforderung dar, während ein generelles Dieselfahrverbot ein signifikantes Problem für die Frächter wäre - kurzfristig ist aber nicht damit zu rechnen.

In der Praxis ist die Sache dann doch nicht so problemlos: „Unser Fuhrpark wäre durch solche Verbote insofern betroffen, da wir Sonderfahrzeuge verwenden, welche schon älter sind und daher nicht den neuesten Abgasnormen entsprechen“, sagt der Poysdorfer Unternehmer Leopold Poyss.

„Neun von zehn der österreichischen Lkws sind bereits mit der EURO 5-EEV oder der EURO 6-Norm konform.“Patricia Luger, Wirtschaftskammer NÖ

Ähnliche Verbote wie in Deutschland sind in Österreich jedenfalls nicht zu befürchten, da die Grenzwerte in Österreichs Städten schon jetzt niedriger angesetzt sind. Elisabeth Scheicher, Expertin bei NUMBIS (NÖ Luftgüteüberwachung), hebt außerdem hervor, dass die Feinstaubbelastung in Niederösterreich seit Jahren rückläufig ist: „An der Station Mistelbach wird der Grenzwert für den Tagesmittelwert seit 2012 eingehalten, der Grenzwert für den Jahresmittelwert wurde noch nie überschritten.“ Seit dem Einbau von Partikelfiltern in Dieselautos sei Stickstoffdioxid das größere Problem. Aus fachlicher Sicht seien in Niederösterreich daher keine Verbote wie in Deutschland notwendig.

Westermayer: "Automobilindustrie soll saubere Fahrzeuge bauen"

Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Rudolf Westermayer sieht aber Handlungsbedarf in der Industrie: „Die Automobilindustrie soll saubere Fahrzeuge bauen,“ denn damit wäre jedem geholfen. Gut sind niedrige Feinstaubmesswerte in Mistelbach zweifellos für die Arbeitnehmer, denn vor allem die Pendler sind stark auf den Personenverkehr angewiesen, weshalb es laut Westermayer wichtig ist, sie zu schützen.

Die Schnellbahn S2 sollte daher, zumindest auf einzelnen Abschnitten, zweigleisig ausgebaut werden. Westermayer: „Gründe dafür gibt es genug und der Hauptbahnhof in Wien ist auch schon ausgebaut.“ Züge, welche auf der Linie verkehren, sind in Stoßzeiten stark überfüllt, wovon Pendler ein Lied singen können. Eine Forcierung des Bahnverkehrs würde nicht nur Pendlern helfen, sondern könnte nebenbei die Feinstaub-Emissionen reduzieren und damit zum Umweltschutz beitragen. Das begrüßt Scheicher: „Aus umweltpolitischer Sicht ist jede Verlagerung von Gütertransport und Individualverkehr auf die Bahn begrüßenswert.“

Austausch alter Heizkessel & Elektromobilität gefördert

In Anbetracht steigender Bevölkerungszahlen kann schließlich nicht mit einem Verkehrsrückgang gerechnet werden: Zusätzliche Fahrzeuge werden notwendig sein und auch der Bedarf an Heizenergie wird tendenziell steigen.

„Im städtischen Bereich sind vor allem alte Dieselfahrzeuge für Feinstaub-Emissionen verantwortlich, im ländlichen Raum alte Heizungen,“ so Scheicher. Daher gebe es kein „Entweder - Oder“, sondern „nur viele Maßnahmen bei vielen Emittentengruppen“. Saubere Technologien sind daher gefordert: „In Niederösterreich werden der Austausch alter Heizkessel und der Ausbau der Elektromobilität gefördert.“