Gymnasium Wolkersdorf: Start in fordernde Zukunft. Dem neuen Direktor Josef Klug stehen mit Coronakrise und Digitalisierung große Aufgaben ins Haus.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 25. September 2020 (04:25)
Am GymnasiumWolkersdorf findet ein Wechsel in der Direktion statt. Josef Klug startet in ein schwieriges Schuljahr.
Szeker,Semrad

Für Gerhard Schwaigerlehner war es das letzte Jahr als Direktor. Angesichts der Coronakrise wird er sich vermutlich nicht ärgern, dass ihm so manche organisatorische Überraschungsaufgabe erspart bleibt. Sein Nachfolger wird voraussichtlich Josef Klug, welcher wie Schwaigerlehner Mathematik und Geschichte unterrichtet. Er wird das unter seinem Vorgänger ausgearbeitete neue Leitbild (Fokus auf Kommunikation und Ökologie) der Schule zur Blüte bringen.

NÖN: Sie starten als Direktor in einem denkbar schwierigen Schuljahr, welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Josef Klug startet in ein schwieriges Schuljahr.
Szeker,Semrad

Josef Klug: Zuerst möchte ich sagen, dass ich vorläufig provisorisch mit der Schulleitung betraut bin. Zwar war ich schon bislang als Personalvertreter mit einzelnen Aspekten der Schulorganisation befasst, habe aber erst in den letzten Wochen einen Eindruck vom Umfang und der Komplexität des Gesamtsystems bekommen. Als Lehrer ist man mit manchen organisatorischen Bereichen nicht konfrontiert. Dazu kommt, dass die aktuelle Coronakrise in viele Belange der Schulorganisation hineinwirkt und Sicherheitsaspekte mitbedacht werden müssen.

Welche Prozesse, die Ihr Vorgänger auf den Weg gebracht hat, möchten Sie weiterführen?

Klug: Die gute Zusammenarbeit zwischen Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrpersonen hat an unserer Schule Tradition. Das ist auch ein Verdienst meines Vorgängers Gerhard Schwaigerlehner. Er hat sich für eine „Kultur des Ermöglichens“ eingesetzt, wie das ein ehemaliger Kollege recht zutreffend ausgedrückt hat. Auf dieser Basis können wir aufbauen.

Das Gymnasium geht einher mit hohem Leistungsanspruch an die Schüler, zugleich ist Überforderung sicher auch ein Aspekt, mit dem Sie sich befassen. Welches ist das Ziel für die Schüler?

Klug: Bei der Notengebung sind Transparenz und Vergleichbarkeit wichtig. Probleme muss man sich individuell anschauen und ein auf den Schüler abgestimmtes individuelles Förderkonzept erstellen. Letztlich ist die Matura das Ziel. Hier haben wir immer wieder sehr gute Ergebnisse. 2018, als es in vielen anderen Schulen Probleme in Mathematik gab, waren wir in NÖ auf Platz zwei und österreichweit unter den Top zehn. 2019 hatten wir beispielsweise bei der Lateinklausur einen Notendurchschnitt von 1,2.

Von welchen Veränderungen des Unterrichts gehen Sie im Laufe Ihrer Zeit als Direktor aus?

Klug: Die Phase des Lockdowns hat gezeigt, dass Online-Unterrichtskonzepte in Zukunft unverzichtbar sein werden. Darüber hinaus wird in Zukunft verstärkt das fächerübergreifende Denken gefordert sein. Das wollen wir durch unsere beiden neuen Schwerpunkte „Kommunikation und Medien“ sowie „Ökologie und Nachhaltigkeit“ forcieren. Aktuelle Themenfelder sollen hierbei aus der Perspektive unterschiedlicher Fächer behandelt werden.

Die wichtigste Fähigkeit, mit welcher Schüler das Gymnasium verlassen sollen, ist?

Klug: Da nahezu alle unsere Maturantinnen und Maturanten an eine Universität oder Fachhochschule wechseln, ist die Studienberechtigung ein wichtiges Thema.

Ganz allgemein würde ich sagen, dass das Interpretieren, Einordnen und Verarbeiten von Informationen auf der Basis einer breit gefächerten Allgemeinbildung an Bedeutung zunehmen wird. Vielleicht am allerwichtigsten ist es, am Gym ein Wissensgebiet für sich zu entdecken, auf das man sich anschließend spezialisieren möchte.

Wie werden die Schüler am besten auf Krisen (z.B. im Zusammenhang mit der Digitalisierung) vorbereitet? Wie wichtig ist die Offenheit für verschiedenste Situationen?

Klug: Die rasanten technologischen Entwicklungen machen es unvorhersehbar, wie unsere Lebensweise und Arbeitswelt in einigen Jahrzehnten aussehen werden. Als Rezept gegen diese Ungewissheit nennt die bildungswissenschaftliche Literatur oftmals die „vier großen Cs“: Creativity, Critical thinking, Communication und Collaboration.