30 Jahre Grenzöffnung: „Ein historisches Ereignis“. Die Ersten bei der Grenzöffnung warteten mit Wein und Sekt auf die ankommenden Gäste.

Von Werner Kraus. Erstellt am 11. Dezember 2019 (05:01)
Sie waren die Ersten, die am 5. Dezember 1989 um 24 Uhr die tschechischen Nachbarn beim Grenzübertritt begrüßten: Martina Pürkl, Christoph Loley und Maximilian Riegelhofer.
Werner Kraus

Am 5. Dezember 1989 um 24 Uhr war es in Drasenhofen so weit: Der freie Verkehr zwischen Österreich und Tschechien wurde nach vielen Jahren des Eisernen Vorhangs und der Abschottung wieder Wirklichkeit.

„Ein historisches Ereignis“, erzählt der damalige Wirtschaftsbund-Obmann Max Riegelhofer. Er war gemeinsam mit Martina Pürkl, Christoph Loley und Werner Kraus zur Begrüßung der Erste an der Grenze und erinnert sich: „Es war wunderschön, als die Lichter herankamen und die ersten Autos immer näher rückten. Wir begrüßten die Gäste mit Wein und Sekt, es war eine große Aufbruchstimmung. Auch für unsere Wirtschaft, die in den kommenden Wochen Kühlschränke und Kühltruhen in großen Mengen verkaufte.“ Nicht nur die Elektriker, auch die Installateure und andere stiegen ins Geschäft ein.

Christoph Loley von der in den Kinderschuhen steckenden Poysdorfer Tourismusstelle war kurz entschlossen mit dabei. Die Stunden davor verbrachte er als Nikolaus bei den Bewohnern der Johannessiedlung im Gasthaus Schreiber. „Als wir zur Grenze hinausfuhren, war es wirklich sehr kalt“, erzählt Loley. „Wir wussten alle, dies ist etwas ganz Besonderes. Erst in den Wochen und Monaten danach merkte ich bei den Besuchen in unserem Tourismusbüro, was das für unsere Nachbarn bedeutet. Sie hatten meist Tränen in den Augen, als sie über die neu gewonnene Freiheit erzählten.“

In dem Tourismusbüro gab es einen tschechisch-deutschen Dolmetscher und Loley begann selbst mit einem Tschechischkurs. „Am 31. Dezember waren wir dann mit dem Poysdorfer Musikverein in Mikulov.

Auch Martina Pürkl, die damals Geschäftsführerin im Weinviertel-Tourismusverein war, sah dies als „eine ganze besondere Stunde“, erinnert sich Loley. „Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich über die große Freude erzähle, als wir gemeinsam aus den Sektflaschen getrunken haben.“

Die Stimmung an der Grenze war damals gemischt. „Für mich war klar: Unsere Nachbarn werden aufholen und uns ist auch vom Menschenschlag her Nikolsburg näher als St. Pölten – wir haben eine gemeinsame Geschichte, die nun wieder zusammenwächst“, betont Martina Pürkl.

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