Mistelbach

Erstellt am 13. Juni 2018, 05:01

von Michael Pfabigan

Pferde sind wochenlang im Gatsch gestanden: Quälerei?. Pferdeoase muss sich wegen des Verdachtes der Tierquälerei vor dem Landesgericht verantworten.

Artgerechte Pferdehaltung in der Pferdeoase? Der Staatsanwalt wirft der Betreiberin Tierquälerei vor.Spirit  |  Animal Spirit

Geht es nach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, dann mussten vier Pferde am Pferdehof Pferdeoase höllische Schmerzen erleiden und wegen unsachgemäßer Haltung eingeschläfert werden. Die Pferdehofbesitzerin bestreitet das. Ob die Oase eine pferdegerechte Haltung bietet? „Pferde sind Herdentiere. Was ist da eine artgerechte Haltung?“, antwortet sie auf eine entsprechende Frage des Richters.

Am 8. Juni musste sich die Ebendorferin wegen des Verdachts der Tierquälerei vor dem Landesgericht Korneuburg verantworten. Sie bekannte sich nicht schuldig, eine Diversion kam für sie nicht infrage.

„Man konnte manche Verletzungen nicht entdecken, weil die Tiere nie geputzt wurden!“Mistelbachs Amtstierärztin im Zeugenstand

Die Fakten: Der vergangene Winter war ziemlich feucht, was dazu führte, dass die Pferde auf der Gatschkoppel der „Pferdeoase“ über längere Zeit im Morast standen und keine Möglichkeit zu einem trockenen Unterstand hatten. „Dieser Winter war einer der schlimmsten, was die Regenmengen betrifft“, sagt die Pferdeoase-Besitzerin.

Der Morast, der mit flüssigen und festen Ausscheidungen versetzt war, wie es in der Anklageschrift heißt, führte bei einigen Pferden zu chronischen Krankheiten, die nur unzureichend behandelt worden seien. Mitte Februar mussten dann vier Tiere eingeschläfert werden, weil ihr Zustand so schlecht war.

„Pferde legen sich nicht auf feuchten Boden …“

Wie schlecht war der Zustand? Ein Tierpathologe besah die Kadaver, als sie bei der Tierverwertung in Tulln eingeliefert wurden: Beginnende Hufrehe, tief greifende Veränderungen an der Huflederhaut - „das hätte dem Besitzer auffallen müssen“, urteilt er. Die Erkrankungen hätten zudem schon mehrere Monate bestanden.

Ein anderes Pferd hatte rund um eine Fessel nekrotische Haut, so als ob über längere Zeit das Gewebe hier eingeschnürt worden sei. Vielleicht ein Heuballenband, das sich rund um die Fessel gewickelt hatte? „Man konnte manche Verletzungen nicht entdecken, weil die Tiere nie geputzt wurden“, sagt die Mistelbacher Amtsärztin. Aus ihrer Sicht seien die Tiere nur unzureichend medizinisch versorgt worden.

Verfahren vertagt

Allgemein hegte sie Zweifel an der richtigen Tierhaltung: „Pferde legen sich nicht auf feuchten Boden. Als ich dort war, hab ich vier Tiere liegen gesehen. So was hätte auffallen müssen.“

Zwar habe ihr erster Besuch Mitte Jänner zu deutlichen Verbesserungen auf der Gatschkoppel geführt, 14 Tage später sei das aber auch schon wieder vorbei gewesen. Auf den Einwand der Besitzerin, dass jetzt alles passe, wies die Amtstierärztin darauf hin, dass jetzt ja ein anderes Wetter sei: „Aber der nächste Winter kommt bestimmt.“

Die Tierärztin des Reitstalls bekam nur erkrankte Tiere zu Gesicht, jenes Pferd mit der nekrotischen Haut am Fuß habe sie nie gesehen: Ihr seien die Pferde nur im Stall gezeigt worden, auf der Gatschkoppel habe sie kaum zu tun gehabt.

Der Staatsanwalt beantragte ein Gutachten, wie weit die Haltung der Pferde auf der Pferdeoase fachgerecht ist bzw. Tierquälerei gegeben ist. Die Verteidigung beantragte neue Zeugen. Das Verfahren wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.