Schock: 169 Mitarbeiter von Insolvenz betroffen. Schock in der Wirtschaftswelt: Mit 15. Mai wurde das Insovenzverfahren über die Wolkersdorfer Rupert Fertinger GmbH eröffnet.

Von Michael Pfabigan. Update am 15. Mai 2019 (15:33)

Vom Konkurs sind rund 169 Mitarbeiter, davon 48 Angestellte und 121 Arbeiter an den Standorten Wolkersdorf und Neusiedl/Zaya betroffen. Die Rupert Fertinger GmbH gilt als eine der ersten großen Firmen, die sich im damals direkt am Stadtrand liegenden ersten Wirtschaftspark in Wolkersdorf angesiedelt hatten.

Betroffen sind 260 Gläubiger, die Passiva belaufen sich laut Kreditschutzverband KSV 1870 auf rund 20,7 Mio. Euro.

„Als Insolvenzursache wird angeführt, dass sich die Inbetriebnahme des Produktionsstandortes in Polen schwierig gestaltet hat. Der break even point des neuen Werkes wurde verspätet erreicht“, heißt es vom KSV.

Daraufhin waren  zwar umfangreiche Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und ein positives Betriebsergebnis im ersten Quartal 2019 erzielt worden, allerdings waren diese Maßnahmen mit einem erheblichen Liquiditätsaufwand verbunden, sodass die Kapitaldecke vollständig aufgezehrt wurde. 2017 schrieb die Firma laut "Wirtschaftscompass" einen Verlust (EGT) von 1,93 Mio. Euro.

Sanierungsplan wurde bereits eingebracht

Laut AKV Europa hat die insolvente Firma bereits einen Sanierungsplan eingebracht, in dem sie ihren Gläubigern eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, anbietet. Wie aus dem Edikt hervorgeht, wurde die Wiener Rechtsanwältin Katharina Widhalm-Budak zur Masseverwalterin bestellt. Das Unternehmen soll fortgeführt werden

„Ich bin überzeugt, dass diese Sanierung gelingen wird“, sagt Wirtschaftskammer-Vizepräsident und  Kammer-Bezirksobmann  Kurt Hackl in einer ersten Reaktion: „Fertinger ist ein ganz wichtiges Unternehmen in der Region und deshalb macht die schwierige Situation betroffen.“  An der Insolvenz sehe man, wie abhängig weltweit agierende Unternehmen von einer globalen Wirtschaftslage seien. „Von Seiten des Landes wurde Fertinger und deren Mitarbeiter Unterstützung in dieser ernsten Lage zugesagt“, sagt Hackl.

Infos zum Unternehmen:

Die Rupert Fertinger GmbH gehört zu 97 Prozent der Metallwarenerzeugung Rupert Fertinger GmbH, die zur Gänze im Eigentum des Industriellen Veit Schmid-Schmidsfelden steht. Schmid-Schmidsfelden ist stellvertretender Industrie-Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich und war bei den vergangenen Metallerlohnrunden Chefverhandler der Arbeitgeber.

Das Unternehmen war 1944 von Rupert Fertinger in Wien gegründet worden. Schwerpunkt waren damals laut Webseite Warmwasseraufbereitungsgeräte (Durchlauferhitzer) und Installationsmaterialien. 1960 wurde ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude in Wolkersdorf geplant und gebaut. Der Kauf durch Schmid-Schmidsfelden erfolgte 2002. 2012 wurde die Produktion in der neuen Fabrik Wolkersdorf im ecoplus Wirtschaftspark in Wolkersdorf aufgenommen.

Die Fertinger GmbH gilt als eine der Triebfedern der Weinviertler Mechatronik Akademie, in der metallverarbeitende Betriebe der Region gemeinsam ihre Mitarbeiter ausbilden

Das Unternehmen ist Spezialist für die Entwicklung von Komponenten für das Temperatur-Management in Fahrzeugen, für strom- bzw. medienführende Module und für Baugruppen aus metallischen Leichtbaustoffen. Komponenten für die Bade- und Sanitärausstattung befinden sich ebenfalls im Produktportfolio.