Laa: Mehr Ärzte, Stadtkern und weniger Politstreit. Im Gemeinderat von Laa an der Thaya sind 29 Mandate zu vergeben. Wir sprachen mit den sechs Spitzenkandidaten der antretenden Parteien bei der Gemeinderatswahl.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 21. Januar 2020 (16:06)
Kandidieren in Laa: Brigitte Ribisch (ÖVP), Isabella Zins (proLAA), David Reiff (SPÖ), Manfred Steiner (FPÖ), Susanne Belloni (NEOS) und Christian Nikodym (ULLAA). Fotos: Stadt Laa (Ribisch), proLAA (Zins), SPÖ (Reiff), FPÖ (Steiner), Belloni (NEOS), zVg (Nikodym)
Stadt Laa (Ribisch), proLAA (Zins), SPÖ (Reiff), FPÖ (Steiner), Belloni (NEOS), zVg (Nikodym)

Im Gemeinderat von Laa an der Thaya sind 29 Mandate zu vergeben. 13 davon besetzt derzeit die ÖVP. Die Volkspartei stellt mit Brigitte Ribisch auch die Bürgermeisterin. Die Bürgerliste Liste proLAA hält derzeit acht Mandate. Spitzenkandidatin ist Isabella Zins. An der Spitze der SPÖ steht in diesem Wahlkampf David Reiff, auf die Roten entfallen sechs Mandate.

Manfred Steiner will die zwei Mandate der FPÖ verteidigen. Neu in der Runde von Ribischs Herausforderern ist Susanne Belloni, sie will die NEOS in den Gemeinderat bringen. Christian Nikodym ist kein Unbekannter, saß für die SPÖ im Gemeinderat. Ein parteiinterner Streit führte dazu, dass er mit der Unabhängigen Liste Laa (ULLA) antritt.

Wären Sie Bürgermeister: Was würden Sie als erstes in Laa umsetzen?

Brigitte Ribisch, ÖVP
Stadt Laa

Brigitte Ribisch, ÖVP:  Ich bin Bürgermeisterin, bin es gerne und möchte es in Zukunft bleiben. Als Bürgermeisterin gibt es nicht ein wichtigstes Projekt, sondern viele. Es geht nicht darum, einen Punkt herauszugreifen, sondern darum umfassend die Aufgaben zu meistern.

Isabella Zins, proLAA: Die Gesundheitsversorgung rasch sichern, neue Ärzte nach Laa holen und die abgezogene Kassenstelle zurückgewinnen. Wirtschaftstreibende wünschen sich eine Belebung des Stadtkerns. Wir werden ALLE Investoren gleich behandeln.

David Reiff, SPÖ: Der Bürgermeister sollte die Gemeinde nach außen vertreten. Deswegen würde ich als erstes die Spaltung zwischen den verschiedenen Fraktionen beenden, damit gemeinsamen, zukunftsfähigen Entwicklungen nichts mehr im Wege steht.

Manfred Steiner, FPÖ: Zuerst würde ich die Installierung eines Jugendzentrums umsetzen, da dies nicht eine Frage des Geldes ist, sondern eine Frage des Willens. Es kann nicht sein, dass sich die Jugendlichen bei jedem Wetter im Freien treffen müssen.

Susanne Belloni, NEOS: Vermehrt Lösungen für leistbares Wohnen für Junge finden. Durch viele Leerstände gibt es wenig günstige Angebote am Wohnungsmarkt. Dazu wollen wir das Gespräch mit allen Interessensgruppen suchen.

Christian Nikodym, ULLA: Als Bürgermeister würde ich mit allen Fraktionen und mit der Bevölkerung in Arbeitsgruppen Themenschwerpunkte erarbeiten. Wichtig ist mir Transparenz und Akzeptanz, dass auch andere gute Ideen haben können. Es gibt 6.212 Experten in der Stadt.

Warum sollten die Wähler gerade Sie/Ihre Fraktion wählen?

Brigitte Ribisch, ÖVP: Die Wähler haben erkannt, dass es mir und meinem Team um alle Menschen geht und wir in allen Bereichen umfassende Lösungen für große und kleine Anliegen der Laaer haben.

Isabella Zins (proLAA)
proLAA

Isabella Zins, proLAA: Weil Laa frischen Wind und einen neuen wertschätzenden Führungsstil braucht. Wir hören auf die Menschen und planen regelmäßige Bürgergespräche. Wir stehen für Umsetzen statt Ankündigen.

David Reiff, SPÖ: Weil nur mit uns - der SPÖ Laa - eine stabile, verantwortungsvolle, ehrliche Regierungsbildung möglich ist. Dann würde endlich der Streit zwischen ÖVP und ProLAA der Geschichte angehören.

Manfred Steiner, FPÖ: Der Wähler soll die FPÖ wählen, da wir Visionen und Handschlagqualität haben und sich als einzige Fraktion nicht durch Streit gespalten haben.

Susanne Belloni, NEOS: Wir verstehen es sachlich und faktenbasiert für Wirtschaft, Umwelt und Jugendanliegen einzutreten. Zudem stehen wir für Offenheit und Einbeziehung aller Interessensgruppen in Entscheidungen für die Region.

Christian Nikodym (ULLA)
zVg

Christian Nikodym, ULLA: Wir wollen uns ohne Streit und Verunglimpfung der Großgemeinde kooperativ als starke Fraktion im Gemeinderat einbringen, in der Öffentlichkeit präsent sein und das Sprachrohr für und von der Bevölkerung sein.

Welche sind Ihre drei wichtigsten Forderungen?

Brigitte Ribisch, ÖVP: Es geht darum kurzfristige, mittel- und langfristige Aufgaben zu erkennen, Lösungen zu planen und umzusetzen. Ein umfassendes Konzept in allen Bereichen ist nötig, um für alle Menschen eine hohe Lebensqualität zu erhalten und auszubauen. Viele Projekt sind im Laufen, viele werden noch folgen.

Isabella Zins, proLAA: Wir werden vor allem diese drei Initiativen setzen: 1) treffsicheres Konzept für Gesundheitsversorgung & Stadt- bzw. Ortskernbelebung. 2) verbesserte In- und Outdoor-Angebote für Familien und Jugendliche. Mit uns hätte Laa schon heuer einen Eislaufplatz! 3) Mehr Maßnahmen rund um den Klimawandel.

David Reiff (SPÖ)
SPÖ

David Reiff, SPÖ: 1. Arbeit, Wirtschaft, Vereine und Ärzte in unserer Region fördern und forcieren; 2. Wir setzen auf Umwelt, Nachhaltigkeit, Pendlerförderung, Kinder und Baugründe; 3. Infrastruktur, Straßenbau und Gehwege ordentlich sanieren bzw. erneuern, sowie ein eigenständiges Altstoffsammelzentrum.

Manfred Steiner, FPÖ: Das wichtigste Projekt neben dem Ärzteproblem, ist eine Verbesserung für die Pendler. Ein zweigleisiger Ausbau der Ostbahn unausweichlich. Man kann die Pendler für die Benutzung der Autos nicht verdammen, wenn keine Möglichkeiten für eine Vermeidung von CO2 geschaffen werden.

Susanne Belloni, NEOS: Transparenz und Respekt in der Gemeindepolitik, sowie das Wahrnehmen der Interessen aller Bürger, insbesondere der Jugend und Jungfamilien.

Christian Nikodym, ULLA: Weitere Einhaltung des kontrollierten Schuldenabbaus des Modells Laa. Gemeinsam an einem Strang ziehen, um mehr für unsere Großgemeinde zu erreichen. Nichts Unmögliches versprechen und Machbares möglich machen, damit es weiterhin bei uns lebenswert bleibt.

Wie würden Sie den aktuellen Wahlkampf beschreiben? War er fair?

Brigitte Ribisch, ÖVP: Leider werden von den Mitbewerbern oft sehr viele Lügen und leere Versprechungen verbreitet. Bei Menschen, die gewählt werden wollen, weil sie Verantwortung für unsere Gemeinde übernehmen wollen, macht mir das große Sorgen.

Isabella Zins, proLAA: Wir haben sachliche Themen und unser verdoppeltes Kernteam in den Mittelpunkt gerückt. Fairness war oberstes Gebot. Ganz wichtig war uns der direkte Kontakt zu den Bürgern - bei Hausbesuchen und in den Sozialen Medien.

David Reiff, SPÖ: In Wahlwerbezeiten ist es legitim, seine Vorstellungen zu präsentieren. Dies sollte in einer sachlichen Form ablaufen. Persönliche Angriffe haben in einem Wahlkampf nichts verloren. Bis auf ein paar Ausnahmen war der Wahlkampf ok.

Manfred Steiner (FPÖ)
FPÖ

Manfred Steiner, FPÖ: Ein sehr intensiv geführter Wahlkampf. Aber vor allem ein finanziell aufwendig von unseren politischen Mitbewerbern geführter Wahlkampf, der großteils fair verlaufen ist, aber nicht immer.

Susanne Belloni, NEOS: Wir halten die Anzahl Plakate für übertrieben. Dabei kamen vor allem die inhaltlichen Themen zu kurz. Wir hatten allerdings ein gutes Einvernehmen mit allen anderen Parteien.

Christian Nikodym, ULLA: Der Wahlkampf als kleine Namensliste mit kleinem Budget ist anstrengender. Aber die Motivation ist, bei den Menschen vor Ort zu sein, um über Probleme zu diskutieren und Vorschläge mitzunehmen. Es wurde kein Werbematerial beschädigt.

Laa im Jahr 2025: Wo werden Sie bzw. Ihre Fraktion da die Handschrift hinterlassen haben?

Brigitte Ribisch, ÖVP: Wenn die Wähler uns das Vertrauen schenken, werden wir in allen Bereichen mit voller Kraft weiterarbeiten und Verbesserungen in allen Bereichen vorantreiben.

Isabella Zins, proLAA: 2025 werden die Menschen sagen: Wir sind gesellschaftlich wieder zusammengerückt und es ist schön, hier in Laa und den Katastralgemeinden zu leben.

David Reiff, SPÖ: Unsere Handschrift werden wir im Umwelt- und Klimaschutz, sowie bei der Jugend, im Finanzhaushalt und beim Straßenbau hinterlassen.

Manfred Steiner, FPÖ: Ob wir eine Handschrift hinterlassen, hängt davon ab, ob wir in eine Stadtregierung kommen. Sollten wir es schaffen, wird man die Handschrift am Zustand der Straßen merken.

Susanne Belloni (NEOS)
NEOS

Susanne Belloni, NEOS: Wir werden etliche moderne Ideen und sachliche Lösungsvorschläge gebracht haben. Man wird merken, dass die Gemeindepolitik aufgewacht ist.

Christian Nikodym, ULLA: 2025 stehen wir finanziell wieder ausgeglichener da, es wurden etliche Projekte verwirklicht, die Bevölkerung ist stets miteingebunden und es ist eine Periode ohne Streit.