Ladendorf

Erstellt am 11. März 2018, 05:00

von Elisabeth Vyvadil

Alex tauschte Bankgeschäfte gegen Steinzeit-Camp. In den USA lernte Naturpark-Ranger, wie man in der Natur überleben kann. In den Leiserbergen gibt er das Wissen weiter.

„Wieso setzt man sich für elf Monate in die Wildnis?“Alex „Ma’iingan“ Ernst stellte am 3. März im Flockerlhof in Klement seinen Erlebnisbericht „Elf Monate in der Wildnis Wisconsins“ vor, unter anderem konnten Interessierte ausprobieren, Feuer zu machen, und Camp-Gegenstände bestaunen.  |  E. Vyvadil

„Wie kann man nur so dumm sein und so einen Job kündigen?“ fragten einige Alex „Ma’iingan“ Ernst, ehemaliger Bankangestellter, der von heute auf morgen seinen sicheren Arbeitsplatz aufgab: „Das ist nicht das, was ich mir für mein Leben vorstelle. Ich möchte etwas machen, dass mir Spaß macht,“ fand Ernst. Er entdeckte es in einem steinzeitlichen Wildniscamp in den USA, sein Wissen gibt er heute in Kursen in den Leiserbergen weiter.

Bei minus 30 Grad in Zelten

Um herauszufinden, was er beruflich ausüben möchte, ging er fünf Wochen lang den spanischen Jakobsweg. Später machte er eine Ausbildung bei der Natur- und Wildnisschule der Alpen. Zufällig hörte er dort von einer Wildnis-Schule in Wisconsin (USA): „Das ist genau das, was ich suche“, dachte sich Ernst. Einige Zeit später packte er seine Sachen und landete im April 2012 in den USA. In der „Teaching Drum Outdoor School“ lehrt man seit zwanzig Jahren das Wissen der Ojibwe, eines nativen Stamms. Schüler lernen dort wie das Naturvolk vor 5000 Jahren, ähnlich wie in der Steinzeit, zu leben.

Die Teilnehmer waren hauptsächlich auf sich allein gestellt. Im Winter herrschte eine trockene Kälte, die Temperatur erreichte bis minus 30 Grad: Man gewöhnt sich daran, zuerst hauste man in Zelten, später in selbst gebauten Hütten. Zum Feuermachen gab es anfangs Streichhölzer, später musste mit Bogen, Brett und Spindel gearbeitet werden.

Mit Familie als Selbstversorger in Grafensulz

Das Essen: Eine Handvoll Nüsse, Früchte, ein handgroßes Stück Fleisch, ein Stück Fett, Grünzeug. „Hin und wieder bekamen wir sogenannte Roadkills, durch Straßenunfälle getötetes Wild. Wir lernten, das Tier nachhaltig zu verwerten“, erzählt „Ma‘iigan“ Ernst. Zudem erfuhren die Camper, was man noch alles essen kann: Unter anderem Ameisen, Heuschrecken und Frösche, auch Eich- und Streifenhörnchen, Mäuse, Biber und Waschbären gab es. „In der Wildnis, vor allem im Winter, hätten Vegetarier keine Chance zu überleben“, sagt der Grafensulzer. Nach dem Camp wisse man, wie man mit Essen umgeht, was wirklicher Hunger bedeutet: „Für eine kurze Zeit, drei Tage im Winter, gab es nichts zu essen.“

Sein gesammeltes Wissen gibt er in Kursen und Camps für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter. Mit seiner Frau und Tochter lebt er als Selbstversorger in Grafensulz, betreibt dort eine kleine Bio-Landwirtschaft. Seit Januar 2017 ist er „Ranger“ im Naturpark Leiserberge.