Pfötchenhilfe gibt Ort auf: Letzte Katze übersiedelt. Nachdem vier Streunerkatzen spurlos verschwunden sind, fängt man „Benjamin“ ein. Bürgermeister ersucht Katzenfänger um Rückgabe der Tiere.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 30. Oktober 2020 (04:43)
Streunerkatze Benjamin, hier ein Bild von der Wildkamera bei der Fütterungsstelle. Er ist der Letzte der vom Verein betreuten Katzen, wird jetzt eingefangen und an einem sicheren Ort ausgesetzt. Das Thema Hautzendorf ist für die Pfötchenhilfe erledigt.
Pfötchenhilfe Weinviertel

Die Aufregung rund um die Versetzung eines Futterhäuschens in Hautzendorf schlägt derartige Wellen, dass sich Bürgermeister Markus Koller (ÖVP) mit einem wahren Shitstorm von Tierschützern konfrontiert sieht. Sogar aus Deutschland trudelten mehr oder weniger böse Mails im Gemeindeamt und auch bei der Mistelbacher NÖN ein.

„Ich halte das aus“, sagt Koller. Ins rechte Licht rücken will er aber die Rolle der Anrainerin, die den Fall ins Rollen gebracht hat: Die in den Mails angegriffene Familie hatte 2014 das Haus bei der jetzigen Futterstelle gekauft und war eingezogen, die bisherige betagte Besitzerin blieb weiter im Haus wohnen. Sie hatte Katzen und fütterte wohl auch einige Streunerkatzen mit. Als sie 2017 in eine neue Wohnung zog, überließ sie das Haus der Käuferfamilie und die Katzen ihrem Schicksal. Die Pfötchenhilfe übernahm dann die Versorgung der seit dem Auszug der alten Dame unversorgten Katzen, die sich im Garten des Hauses so wohlfühlten, dass sie dort auch koteten.

„Wer auch immer die abgängigen Katzen gefangen hat, soll sie wieder zurückbringen. Mit dieser Aktion hilft er niemandem und sorgt nur für Panik unter Katzenfreunden und Zwist im Ort!“Markus Koller, Bürgermeister

Heuer wollte die Hausbesitzerfamilie die hygienischen Zustände in ihrem Garten nicht mehr hinnehmen, nachdem ihr fünfjähriger Sohn mehrmals in Katzenkacke gegriffen hatte und sie bat um die Versetzung des Fütterhäuschens, was auch von der Gemeinde und gegen den Unwillen des Vereines Pfötchenhilfe gemacht wurde: „Ich bin keine Katzenfresserin“, sagt die angegriffene Hausbesitzerin zur NÖN.

Am 23. Oktober machte Koller eine Begehung der neuen Katzenfütterstelle mit dem örtlichen Tierarzt: „Der neue Standort, 50 Meter entfernt vom alten, ist zumutbar“, sagt er, die Verlegung sei okay.

Zwischenzeitlich hatte der Verein Pfötchenhilfe Alarm geschlagen, dass mittlerweile vier ihrer Schützlinge verschwunden seien: „Es ist nur noch ein Streunerkater, der Benjamin, von uns dort, den wir hoffentlich bald einfangen und wegbringen können“, sagt Renate Wimmer, Obfrau der Pfötchenhilfe: „Den bringen wir zu einer Streunerkatzenfutterstelle, wo er nach Eingewöhnung wieder gefahrarmen Freigang haben wird. Wir lassen niemals Katzen unversorgt zurück“, stellt Wimmer klar. Und ja: Man habe beim Versuch, diesen Kater zu fangen eine Hauskatze eingefangen und sie, nachdem der Besitzer seine „Schnurli“ zweifelsfrei identifiziert hatte, ihm anstandslos ausgefolgt.

Während Koller noch auf ein Gespräch mit der Pfötchenhilfe hofft, wird sich der Verein aus Hautzendorf zurückziehen: „Damit ist diese Gemeinde für uns ein weißer Fleck auf der Landkarte, wir werden dort nicht mehr tätig werden, wenn solche Vorgehensweisen vom ihm toleriert werden. Es gibt nichts mehr zu reden, fünf Katzen sind fünf zu viel“, sagt Vereinsobfrau Wimmer.

„Ich schätze die Arbeit der Pfötchenhilfe“, sagt der Bürgermeister und ruft zur Sachlichkeit auf: Und wer auch immer die abgängigen Katzen gefangen hat, der soll sie wieder zurückbringen. Mit dieser Aktion hilft er niemandem und sorgt nur für Panik unter Katzenfreunden und Zwist im Ort“, findet der Gemeindechef.