Weinviertler Landwirte: „Es staubt wie im Sommer“. Der warme und trockene Winter stellt Ostbauern und Landwirte vor Probleme, wie Frostschäden oder Schädlingsbefall. Die Wetterdaten belegen den langfristigen Trend.

Von Florian Mark. Erstellt am 09. April 2020 (05:41)
Februar 2020 im Weinviertel: Die Wintersaat ist längst ausgetrieben, es war deutlich zu warm.
Michael Pfabigan

Auch ohne das Recherchieren präziser Messdaten wird jeder aufmerksame Weinviertler bezeugen können: Der Winter 2019/20 war weder besonders kalt noch schnee- oder niederschlagsreich.

Winter würden schneeärmer werden

Der Poysbrunner Hobby-Meteorologe Rudi Wittmann kann den langfristigen Trend aufzeigen. Er analysiert seit über 50 Jahren die klimabedingten Veränderungen in seinem Heimatort und führt aus: „Das durchschnittliche jährliche Temperaturmittel in Poysbrunn liegt bei 8,8 Grad. Seit 2011 lag es jedes einzelne Jahr über dem Durchschnitt, zwischen 9,1 und 10,5 Grad. Darüber hinaus merkt man, dass dieser Temperaturanstieg schneller wird: 2018 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, 2019 das zweitwärmste.“

Dieser Trend sei vor allem an den vermehrt auftretenden heißen Tagen spürbar: Die sogenannten Tropentage, also die, an denen die Temperatur über 30 Grad klettert, werden nach Wittmanns Analyse immer häufiger. Sie traten im letzten Jahrzehnt durchschnittlich 18-mal im Jahr auf, bei durchschnittlich zehn Tagen seit Beginn von Wittmanns Aufzeichnungen. 

Auch die Winter würden wärmer und noch dazu schneeärmer werden: „Seit Beginn der Aufzeichnungen gab es eine durchschnittliche Schneemenge von 69 Zentimetern im Jahr. 2010 bis 2020 waren es nur mehr 42, 2019/20 gar nur mehr 7 Zentimeter Schnee.“

„Hat die Marille früher durchschnittlich erst ab 12. April geblüht, war das Mittel im letzten Jahrzehnt schon 14 Tage früher, am 29. März, und heuer sogar am 14. März“

Diese klimatischen Veränderungen würden sich auch landwirtschaftlich bemerkbar machen. Wittmann illustriert das am Beispiel der Marillenblüte: Normalerweise stehen die Bäume erst Mitte April in der Blüte. Wenn dies früher geschieht, können Frostschäden an Blüten auftreten. „Hat die Marille früher durchschnittlich erst ab 12. April geblüht, war das Mittel im letzten Jahrzehnt schon 14 Tage früher, am 29. März, und heuer sogar am 14. März“, liest Wittmann aus seinen Daten.

Das kann auch Roman Bayer, Bauernbund-Funktionär und Weinbauer aus Falkenstein, bestätigen: „Die Eisheiligen (Anm. Spätfrost) sind erst in rund einem Monat zu erwarten, wenn die meisten Marillen aber schon vorher austreiben, müssen Bauern mit Ernteausfällen von bis zu 80 Prozent rechnen“, gibt Bayer zu bedenken.

Die anhaltende Trockenheit aufgrund der sehr geringen Niederschläge sei die nächste Herausforderung: „Auf den Feldern staubt es teilweise schon wie im Hochsommer, weil es im Winter zu wenig Regen und keinen Schnee gab. Auch die Dauerkulturen brauchen Regen, damit sich ihre Speicher wieder auffüllen“, erklärt Bayer.

Auf die Schädlinge habe das ebenfalls Auswirkungen: „Hier war die warme Witterung eine Katastrophe, weil Ungeziefer wie Läuse, Erdflöhe und Rübenrüssler ohne Probleme überlebt haben und bei unserem Bestand Schaden anrichten“, so Bayer. Der Rübenrüssler, der die Rüben anfrisst, sei für die Bauern seit zwei Jahren ein wiederkehrendes Problem.

Auch in diesem Zusammenhang wird die Landwirtschaft wegen des Klimawandels somit vor ein Problem gestellt. Aber das ist kein Grund für die Weinviertler Landwirte, die Zuversicht zu verlieren: „Es wird trotzdem sicher ein gutes Jahr werden“, prognostiziert Bayer positiv gestimmt.