Photovoltaik-Projekt nach viel Kritik verschoben. Der Gemeinderat wird in einer Sondersitzung den Vertrag mit dem Betreiber beschließen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 11. April 2019 (04:00)
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Weiterhin warten heißt es für die Firma 10hoch4: Denn eigentlich hätte der Gemeinderat in seiner Sitzung am 3. April den Vertrag zwischen dem Photovoltaikanlagenerrichter und der Gemeinde beschließen sollen.

Nach Störfeuer der parteilosen Gemeinderätin Christine Kiesenhofer und Unklarheiten bei den Schadenersatzregeln im Vertrag bei Ereignissen „höherer Gewalt“, wurde ein Beschluss auf eine Sondergemeinderatssitzung vertagt, die in den nächsten vierzehn Tagen und nach Klarstellung der Unklarheiten stattfinden soll.

Zuvor hatte Michael Pierer von 10hoch4 versucht, offene Fragen zu beantworten. Ohne großen Erfolg.

Pierer: Anlage rechnet sich nach 13 Jahren

Ursprünglich hatte Kreuzstetten eine kleinere Photovoltaikanlage auf das Dach der sanierten Volksschule mit einem Bürgerbeteiligungsmodell errichten wollen. Abgeschreckt von Kosten um die 100.000 Euro suchte der Gemeinderat nach Alternativen und fand, nach Beratung mit der Landesenergieagentur eNu das Modell von 10hoch4 als passendes Konzept. Der Photovoltaikanlagenerrichter würde auf passenden Gemeindedächern entsprechende Photovoltaikanlagen bauen und betreiben. Die Gemeinde kauft den Strom für die Gebäude unter den Anlagen von 10hoch4 zum heutigen Tarif für die nächsten 20 Jahre. Dann übernimmt die Gemeinde die Photovoltaikanlage und kann den Ertrag selbst vermarkten.

Bürgerbeteiligung gibt es über ein Anteilsmodell, bei dem sich Bürger in die Kreuzstettner PV-Anlagen einkaufen können und Renditen daraus kassieren.

Was hat 10hoch4 davon? Sie verdient aus dem Verkauf des gewonnenen Stroms, laut Pierer rechnet sich die Anlage nach 13 Jahren - das Unternehmen mache also nur sieben Jahre volle Gewinne. „Wir verwenden Paneele, die eine Leistungsgarantie von 30 Jahren haben“, sagt Pierer, die Gemeinde könne also noch mindestens zehn Jahre Strom aus den Anlagen gewinnen. Errichtet sollen PV-Anlagen auf Feuerwehrhäusern und der Volksschule werden, das Dach des Gemeindeamtes ist für Paneele heutiger Technik zu klein.

Kiesenhofer beantragte Projekt-Neustart

Bedenken kamen hauptsächlich seitens der ÖVP, die mehrere Punkte im Vertrag geändert haben will, grundsätzlich solle man aber beim Anbieter 10hoch4 bleiben. „Ich will jetzt nicht noch einmal bei null anfangen“, sagte Vizebürgermeister Johannes Freudhofmaier.

Christine Kiesenhofer beantragte einen kompletten Neustart für das Projekt „Bürgerbeteiligung“. Bürgermeister Adi Viktorik (SPÖ) reichte es nach gut 80-minütiger Diskussion und er verschob die Beschlussfassung auf einen separaten Gemeinderatstermin.

Abseits des Gemeinderates flatterte Kiesenhofer eine Klage wegen Kreditschädigung ins Haus: Sie habe Unwahrheiten gegenüber dem Projekt und dem Unternehmen verbreitet, heißt es. „Wenn mir jemand vorwirft, dass ich lüge, dann wehre ich mich dagegen“, begründete Michael Pierer in der Gemeinderatssitzung. Kiesenhofer hingegen sieht die geäußerte Kritik als ihre Aufgabe als Gemeinderätin.