Weinviertel: Festivals müssen zittern. Der Vorverkauf ist eingebrochen, die Intendanten werden nach Ostern entscheiden.

Von Dieter Rathauscher und Michael Pfabigan. Erstellt am 08. April 2020 (05:58)
Die Felsenbühne Staatz
Werner Auer/Felsenbühne Staatz

Große Festivals wurden angesichts der Coronakrise bereits abgesagt, wie sieht es mit den großen Sommer-Kulturevents im Weinviertel aus?

„Für eine Entscheidung ist es noch zu früh. Wir warten auf alle Fälle den April ab, um zu sehen, wie sich das entwickelt“, sagt „KlassikFestival im Schloss Kirchstetten“-Chef Stephan Gartner. Dort soll die Oper „Il signor Bruschino“ von Rossini gespielt werden. Premiere wäre am 1. August.

Der Vorverkauf sei stark zurückgegangen, „auch die Kunden warten ab“, sagt Gartner. Im Fall einer Absage werde es einen Plan B geben: „Wir sind natürlich bemüht, eine gute Lösung zu finden für alle, die schon Karten gebucht haben.“

„Ich kann zum derzeitigen Zeitpunkt noch nichts Verbindliches sagen. Die Entscheidung über die Veranstaltungen im Sommer ist nicht von uns als Bühne abhängig!“Werner Auer, Intendant Felsenbühne Staatz

Im Filmhof Weinviertel in Asparn soll heuer „Pension Schöller Reloaded“ gespielt werden, Premiere wäre am 23. Juli. „Der Vorverkauf steht seit drei Wochen auf fast Null“, sagt Intendant, Filmhof-Chef und Hauptdarsteller Michael Rosenberg: „Ich glaube, dass es mehr als eng wird. Wir warten die Situation bis nach Ostern ab und werden dann gemeinsam mit dem Land NÖ entscheiden.“

Für den Filmhof sei es auf jeden Fall eine Überlebensfrage, nachdem nicht alle Produktionen der vergangenen Jahre den Geschmack des Publikums gefunden hatten. Rosenberg hatte gehofft, mit der Pension Schöller an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen zu können: „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir müssen uns an alle Restriktionen halten, sonst erleben wir alle diesen Sommer in den eigenen vier Wänden.“

„Ende April fällt die Entscheidung. Der Vorverkauf ist sehr schwach, einige Kunden sind nervös, weil sie Angst haben, im Sommer unter Leute zu gehen“, erzählt Maria Mangott vom Märchensommer NÖ. In Poysbrunn soll ab 10. Juli „Schneewittchen – neu verzwergt“ gespielt werden. „Ein Plan B hängt von den Maßnahmen bis zum Sommer ab“, sagt Mangott.

„Da es bis Juni nicht möglich ist, ‚Kultur im Park‘ abzuhalten, wird auf September verschoben“, sagt Josef Romstorfer vom Kronberger „Kultur im Park“.

In Staatz stünde heuer das Musical „Sister Act“ auf dem Programm der Felsenbühne, Premiere wäre am 24. Juli. „Ehrlicherweise kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nichts Verbindliches sagen, da die Entscheidung über die Veranstaltungen im Sommer nicht von uns als Bühne abhängig ist“, sagt Werner Auer, Intendant der Felsenbühne: „Ich bin in dieser Angelegenheit als Obmann des Theaterfests NÖ in ständigem Kontakt mit der Kulturabteilung des Landes. Wir müssen jetzt einmal den 13. April abwarten, wenn weitere Vorgangsweisen für die Zeit danach verlautbart werden.“

Ende April sollte es eine erste Entscheidung geben. „Nachdem diese ja nicht nur die Felsenbühne betrifft, werden wir hier die bundes- bzw. landesweite Linie abwarten.“ Derzeit ist Staatz mit Sister Act im Zeitplan für den geplanten und lange ausverkauften Premierentermin. „Sollte es anders kommen, werden wir zeitgerecht die weitere Vorgangsweise bekannt geben“, sagt der Intendant: „Alles andere wäre spekulativ, und im ‚Kaffeesud lesen‘ üben sich im Moment viel zu viele.“

Voller Hoffnung ist man bei den Festspielen Stockerau: Laut Intendant Christian Spazek ist der Vorverkauf sehr gut angelaufen, die Komödie „Der Floh im Ohr“ soll am 30. Juli Premiere feiern. „Es wäre eine tolle Aufführung, auf die man sich freuen kann.“ Nicht abschätzen könne man indes, wie das Publikum auf eine Durchführung reagieren würde: „Würde es uns wegen kulturellen Entzugserscheinungen stürmen oder würde noch die Angst vorherrschen?“