Kein Kassenarzt ab Herbst? . Kassenstelle braucht dringend einen Nachfolger. Thema erhitzt bei der Stadtpolitik die Gemüter.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 05. August 2020 (03:54)
Kassenarzt gesucht: Andrea Bori verlässt Laa, mit September könnte es damitkeinen Kassenarzt mehr in der Stadtgeben.
Susanne Bauer

Die Nachricht schlug bei den Laaern ein wie eine Bombe: Zsofia Balassa, die eigentlich ab 1. September als Kassenärztin praktizieren wollte, wird nicht nach Laa kommen. Und Andrea Bori, die seit Mitte 2017 als Allgemeinmedizinerin in der Staatsbahnstraße ordiniert hatte, bricht ihre Zelte wie geplant Ende August ab und zieht nach Wien. Kurzum: Ab September steht Laa ohne Kassenarzt da, sollte nicht eine rasche Lösung gefunden werden.

Kaum wurden diese Entwicklungen auf Facebook bekannt, brachen emotionale Debatten los. Wer trägt die Schuld an der Situation? „Das ist einzig und allein die Entscheidung von Dr. Bori. Es ist ein Irrglaube, dass die Stadt einen Arzt zwingen könnte, zu bleiben oder zu kommen. Die Ausschreibung einer Kassenstelle läuft über die Ärztekammer“, betont ÖVP-Bürgermeisterin Brigitte Ribisch im NÖN-Gespräch.

Demnach bliebe ihr jetzt nur, im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle Hebel in Bewegung zu setzen, um einen neuen Arzt für Laa zu finden. „Wir werden alle Kontakte nutzen, und auch Dr. Bori hat mir versichert, dass sie sich umhören wird“, hofft Ribisch auf Bewerber.

Viele Hindernisse bei der Suche, wie beispielsweise die umstrittene Regelung der Hausapotheken, seien aber auf Entscheidungen von Bund und Land zurückzuführen. „Wir sind ja nicht die einzige Gemeinde, die Probleme damit hat“, gibt die Stadtchefin zu denken. Sollte tatsächlich kein Ersatz gefunden werden, wird seitens der Landesklinken Holding ein Arzt bereitgestellt.

Ins selbe Horn stößt auch Gesundheitsstadtrat Christian Nikodym (ULLAA), der hier viele Schwächen im System ortet. „Die Gemeinden müssen ausbaden, was an höherer Stelle beschlossen wurde“, kritisiert er. Er habe erst über Facebook erfahren, dass Balassa und Bori die Kassenstelle nicht besetzen werden.

„Die Bürgermeisterin und ich haben sofort reagiert und das Gespräch mit Dr. Bori gesucht. Wir bemühen uns gemeinsam darum, eine rasche Lösung zu finden, und haben auch an das Land und das Krankenhaus geschrieben“, so Nikodym, der alle Möglichkeiten ausschöpfen will. Er fühlt sich von den Aussagen von proLAA, die zum Thema Ärztemangel auf Facebook gepostet wurden, angegriffen: „Sie kritisieren alles, aber produktive Vorschläge kommen nicht“, findet er.

proLAA-Vorsitzende Isabella Zins sieht das völlig anders: „Ich ärgere mich besonders, weil wir seit Jahren um konstruktive Vorschläge bemüht waren, die von ÖVP und SPÖ - vereint oder getrennt - immer abgelehnt wurden.“ Eine Ärzteförderung habe ebenso wenig Gehör gefunden wie der Vorschlag, dass sich Laa um eine Aufnahme in die Landarztinitiative des Landes bemühen soll.

Für Zins steht fest: Die Stadtpolitik trägt hier eine Mitverantwortung und sollte mitunter auch Geld in die Hand nehmen, um für Ärzte attraktiver zu werden. „Dieser Zustand ist unhaltbar. Viele wissen gar nicht, wie sie ab September zu ihren Dauer-Medikamenten kommen, und nicht jeder kann sich einen Wahlarzt leisten.“

Zins fordert die Stadtleitung daher auf, in einem Notfallplan zu erarbeiten, welche Ärzte in der Umgebung noch Patienten aus Laa nehmen könnten. Außerdem pocht sie auf Förderungen für die Ärzte und Gespräche mit den zuständigen Stellen, um Laa für Mediziner künftig interessanter zu machen.

Nachdem immer mehr Gerüchte über die Gründe für Andrea Boris Rückzug auftauchten, reagierte die Medizinerin via Facebook: „Meine Familie und ich verlassen Laa aus privaten Gründen, wir haben uns in Laa nicht mehr zuhause gefühlt.“ Ihr seien, genauso wie ihrer Nachfolgerin, zu viele Steine in den Weg gelegt worden. Sowohl Stadtchefin Ribisch als auch Gesundheitsstadtrat Nikodym versichern gegenüber der NÖN aber, ein sehr gutes Einvernehmen mit Bori gehabt zu haben.