Doku über Lebensgschichte von Rudolph Weiss gedreht. Rudolph Weiss schrieb seine Kriegserinnerungen auf. Aserbaidschan drehte Film darüber.

Von Susanne Bauer. Erstellt am 02. Juli 2020 (04:45)
Rudolph Weiss zeigt sein verfasstes Werk, die Orte seiner Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und Fotos des Filmteams, welches bei ihm für eine Dokumentation drehte.
Susanne Bauer

Im Alter von 15 Jahren wurde Rudolph Weiss nach dem Notabschluss der Handelsschule zum Kurierdienst nach Wien einberufen. Von dort kam er zum Reichsarbeitsdienst und nachdem die Rote Armee bei Budapest die deutsche Front durchbrochen hatte, wurde seine Einheit nach Gallneukirchen in Oberösterreich verlegt.

Am 10.5.1945 wurde er von den Amerikanern gefangen genommen und vier Tage später an die Rote Armee ausgeliefert. Die Gefangenen wurden in Viehwaggons über Ungarn und Rumänien nach Sukhumi (damals Georgien, heute Aserbaidschan) und später nach Salvany an der iranischen Grenze in verschiedene Arbeitslager transportiert. Zweieinhalb Jahre befand sich der junge Rudolph Weiss in Gefangenschaft.

„Wir wurden auch immer wieder untersucht, ob sich in unseren Reihen Mitglieder der ehemaligen SS befinden. Zwei Narben an der Innenseite meiner linken Hand wurden mir dabei fast zum Verhängnis“, erinnert sich der heute 92-Jährige.

Nach der Gefangenschaft normalisierte sich sein Leben: Er heiratete, bekam mit seiner Frau Herta zwei Kinder und arbeitete in der Hofmann-Mühle. Als Verkaufsleiter der Ersten Wiener Walzmühle ging er in Pension und kehrte wieder nach Laa zurück.

Tagebuch während Gefangenschaft geführt

Während seiner Gefangenschaft hatte er begonnen, Tagebuch zu führen. Dieses begann er nun unter dem Titel „Die Odyssee eines 16-Jährigen von Österreich in den Kaukasus und wieder zurück“ zu finalisieren.

Um sein Werk zu ergänzen, setzte er sich immer wieder mit den Botschaften aus Russland, Amerika und auch mit Aserbaidschan in Verbindung, um Fotos oder auch Dokumentationen zu erhalten. „Von den Botschaften der USA und Russland erhielt ich nie eine Antwort, aber zu meinem Erstaunen meldete sich die Botschaft aus Aserbaidschan und fragte, ob sie eine Dokumentation über mich machen dürfen. Natürlich sagte ich sofort zu und eine Woche später war das Filmteam vor Ort. Die Doku sollte mir nach Fertigstellung sofort zugesandt werden. Ausgestrahlt wird sie im aserbaidschanischen Fernsehen. Dazu werden meine Tochter und ich eingeladen“, erzählt Weiss nicht ohne Stolz.

Nun hofft er, dass die Reise bald stattfinden kann, denn seit dem Ausbruch der Coronakrise hat er weder die Dokumentation gesehen noch Infos von der Botschaft über die Reise nach Baku erhalten. Es dürfte erstmalig sein, dass ein Kriegsgefangener vom damaligen Siegerland eingeladen wird, meint auch Stadthistoriker Rudolf Fürnkranz.