Richterin: „Da bleibt mir die Luft weg“

Erstellt am 20. Juni 2022 | 04:44
Lesezeit: 3 Min
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Einem 37-Jährigen wurden 160 Übergriffe gegen seine Partnerin vorgeworfen.
Foto: zVg
Einem 37-Jährigen aus Laa werden von 2015 bis heuer rund 160 Übergriffe auf seine Partnerin vorgeworfen.

„Was glauben Sie, wo Sie sind“, holte sich ein 37-Jähriger recht schnell einen Rüffel von Richterin Anna Wiesflecker am Landesgericht Korneuburg ab. Die zwei kannten einander schon von einer früheren Verhandlung, was die Prozessführung für die Richterin nicht leichter machte. Immer wieder unterbrach er sie, fiel ihr ins Wort oder kommentierte das Gesagte, wie bei der Anklageverlesung von Staatsanwältin Martina Weiser.

Darin wirft diese dem 37-Jährigen vor, seine mittlerweile Ex-Partnerin (31) über mehr als sechs Jahre hinweg in der Beziehung geschlagen zu haben, also fortgesetzt Gewalt ausgeübt zu haben. Von 2015 bis inklusive Anfang dieses Jahres sei es immer wieder zu Übergriffen des Mannes gekommen, etwa zweimal im Monat. Überschlagsmäßig ergab das für den Mann eine Summe von 160 Taten, was er absurd fand und mit dem Satz „Streiterei gibt’s in jeder Beziehung“ kommentierte.

Watsche gegeben, „dann war‘s vorbei“

Er habe sie nicht geschlagen, „aber auf‘prackt am Boden“ sagte er zu einem Vorwurf. Von einem blauen Auge, einer Kieferquetschung und weiteren Prellungen der Frau wollte er ebenso wenig etwas wissen. Nur eine Gewalttätigkeit im November 2021 beim Geburtstagsfest der Frau in Laa gab er zu. Sie habe einen „Eifersuchtsanfall“ gehabt, da hätte er ihr eine Watsche gegeben – „Dann war’s vorbei.“ Da musste auch die Richterin schlucken. „Wie Sie so nebenbei die Watsche erwähnen, da bleibt mir die Luft weg.“

Ein Versuch des Mannes, sich zu entlasten, ging nach hinten los. Beim letzten Vorfall heuer am 20. Jänner spielte er Wiesflecker eine Sprachnachricht der 31-Jährigen vor, die beweisen sollte, dass er nicht mit einer Bierdose auf sie geschossen habe. Vielmehr bestätigte das Gesagte den Schuss mit der Dose. Was aber ebenfalls rauszuhören war, dass diese sie verfehlte. Da war er im Mai 2021 treffsicherer, als er schon einmal „wie mit einem Fußball voll ins Gesicht traf“, wie die 31-Jährige bestätigte.

Aufgrund eines straffen Zeitplans der Richterin musste sie die Verhandlung vertagen. Ausständig sind zwei Zeugen der Staatsanwaltschaft, ein ungeklärter Vorfall mit dem Jugendamt Mistelbach und die lange Liste an Zeugen, die der 37-Jährige vermutlich vorlegen wird. Dann hat der Mann eine kurze Anreise, da er am 1. Juli seine Haft für die frühere Verurteilung antreten muss.