Zug ließ Kinder stehen. Tür schloss sich, obwohl noch nicht alle im Waggon waren. ÖBB: Tür falsch bedient.

Von Claudia Mimlich. Erstellt am 20. Juni 2019 (06:39)
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Eine Lehrerin mit den Fahrkarten für alle, ein Elternteil und zwei Schüler blieben am Bahnsteig zurück, der Zug fuhr ab: Die Türen hatten sich geschlossen, obwohl noch nicht alle eingestiegen waren. Was sagt die ÖBB? Der Einsteigvorgang war falsch, die Schüler sollen zur Nachschulung kommen.

Die beiden dritten Klassen der Volksschule hatten sich schon lange auf ihren Wienausflug in der Vorwoche gefreut. Dass dann doch alle in der Hauptstadt ankamen, war nur dem Engagement von engagierten Eltern zu verdanken. Denn der Zug ließ einige Kinder und Begleiter einfach am Bahnsteig zurück.

In Begleitung von zwei Lehrerinnen und vier Elternteilen, hatte sich die Gruppe zum Bahnhof begeben. „Beim Einsteigen in den Zug, einige Kinder und zwei Erwachsene standen noch am Bahnsteig, schlossen sich plötzlich die Türen“, berichtet eine der Begleitmütter.

Eine Lehrerin versuchte von innen, den Schließvorgang zu unterbrechen, auch die noch draußen verbliebene Lehrerin drückte den Knopf und die Türe öffnete sich wieder. Der Einsteigprozess konnte fortgesetzt werden. Allerdings nicht sehr lange: die Tür schloss sich wieder, quetschte einem Kind fast die Hand ein und ließ sich diesmal auch durch Knopfdruck nicht mehr öffnen. Der Zug fuhr ab.

Mit Auto nach Wien gebracht

Am Bahnsteig blieben zwei Kinder, die ratlose Lehrerin mit den Fahrkarten für alle Beteiligten und ein Elternteil zurück. Durch die Initiative der Lehrpersonen und Eltern wurden die Zurückgebliebenen mit einem Auto nach Wien gebracht, damit der Ausflug doch für alle stattfinden konnte. Dass der Zug einfach abgefahren war und Teile der Gruppe zurückgelassen hatte, empfanden alle als bodenlose Frechheit.

„Das hätte so nicht passieren dürfen“, bestätigte die ÖBB, die mit dem Vorfall konfrontiert wurde. In einem Schreiben an die Schule bedauert man den Vorfall: Gefahr hätte aber zu keinem Zeitpunkt bestanden, heißt es in dem Schreiben an die Schule. Denn die hochmodernen Türen würden alles erkennen, das größer als 38 Zentimeter sei. Und demnächst soll die Technik sogar Hundeleinen erkennen. Als eventuelle Ursache wurden Vermutungen über etwaige Fehlhandlungen der Begleitpersonen der Kinder angestellt. Anders sei der Vorfall nicht zu erklären, sagt die ÖBB.

ÖBB lud Klasse zur Nachschulung ein

Denn durch einfaches Drücken der Taste hätte sich die Türe sofort wieder geöffnet, die sich wahrscheinlich nur geschlossen hatte, da die Lichtschranke anscheinend nicht lange genug blockiert wurde und deshalb die Türen korrekt nach fünf Sekunden schlossen. Das alles geschehe automatisch, der Triebwagenführer verriegle einzig und allein die Türen vor der Abfahrt, ihn treffe keine Schuld.

Wiedergutmachung? Die ÖBB lud eine Klasse der Schule nach Floridsdorf zur Nachschulung in Sachen richtiges Einsteigen in einen Zug ein. Denn da, so die Ansicht der ÖBB, müsse der Fehler gelegen haben.

Karl Mailer, Begleitperson und stellvertretender Obmann der Pendlerinitiative Ladendorf: „Beim Lesen der Antwort hat es mir die Sprache verschlagen.“ Auf den Vorfall selbst und die Schilderung der Lehrerin wurde eher spärlich eingegangen. Er machte sich die Mühe, daraufhin das System zu beobachten, und stellte fest, dass sich die Türen sehr wohl auch unmittelbar nach dem letzten Fahrgast schließen, ohne dass fünf Sekunden verstrichen wären. „Möglicherweise hat das unfehlbare System seine speziellen Zeiteinheiten, denn ein Versagen der Technik kann laut ÖBB ausgeschlossen werden. Da fährt die Eisenbahn drüber.“