Asparn: Wissenschaftliche Versuche beim Kirchenbau

Erstellt am 28. September 2021 | 13:20
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Foto: W. Lobisser
Der frühmittelalterliche Kirchenbau im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya nimmt immer mehr Form an. Im Zuge der Bauarbeiten werden archäologische Versuchsreihen durchgeführt, um vergangene Bauweisen besser verstehen zu können.

Jeder archäologische Grabungsbefund lässt unzählige Fragen an die Vergangenheit offen. Bei der diesjährigen Kirchenrekonstruktion im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya wird mithilfe von Methoden und Techniken der experimentellen Archäologie versucht, die Bauweise um 900 n. Chr. besser zu verstehen.

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Der frühmittelalterliche Kirchenbau im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya nimmt immer mehr Form an
Foto: W. Lobisser

Archäologe und Baumeister Wolfgang Lobisser testete verschiedene Gemische von Lehm- und Kalkverputzen auf ihre Beschaffenheit sowie auf ihre Vor- und Nachteile. Damit konnte der Arbeitsaufwand, der Trocknungsprozess und die Stabilität der Baustoffe direkt in der Praxis untersucht werden. „Mit unseren Experimenten wollen wir den langsamen Übergang von der Lehm- zur Kalkmauertechnik in der Bauentwicklung des Mittelalters nachvollziehbar und verständlich machen,“ erklärt Wolfgang Lobisser.

Denn zu Beginn des 10. Jahrhunderts n. Chr. lassen sich erstmals seit der römischen Zeit wieder fallweise Gebäude in Kalkmörteltechnik bei archäologischen Funden beobachten. Die praktischen Versuche wurden beim Aufziehen der Wände der Rotunde und der Apsis durchgeführt.

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Der frühmittelalterliche Kirchenbau im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya nimmt immer mehr Form an
Foto: MAMUZ

Das archäologische Freigelände im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya wird heuer mit dem Bau einer frühmittelalterlichen Kirche um ein Architekturmodell reicher. Als Vorbild dafür dient der archäologische Befund einer rund tausendeinhundert Jahre alten Kirche aus Pohansko in Mähren, die im Zeitraum von 2008 und 2012 freigelegt wurde.

Dem archäologischen Befund zufolge wurde die Kirche im Laufe des 9. Jahrhunderts n. Chr. errichtet und war bis ins 10. Jahrhundert als solche in Verwendung. Der Bau wird bis Ende Oktober fertiggestellt, für interessierte Besucher*innen stehen Wolfgang Lobisser und sein Team während der Museumsöffnungszeiten jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Der Kirchenbau bildet den Auftakt für eine Ensemble von frühmittelalterlichen Behausungen im Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya, das bislang vor allem Gebäuderekonstruktionen von der Steinzeit bis in die Eisenzeit zeigte.

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Der frühmittelalterliche Kirchenbau im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya nimmt immer mehr Form an
Foto: W. Lobisser

„Die Kirche des 9. Jahrhunderts steht stellvertretend für die politischen und religiösen Umwälzungen des Frühmittelalters, die das moderne Europa maßgeblich geformt haben. Es freut mich, dass nun im Freigelände, ebenso wie in der Dauerausstellung, die Kulturgeschichte Mitteleuropas von der Steinzeit bis zum Mittelalter für Museumsgäste erlebbar ist,“ so Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ.

MAMUZ: Entdecken, Staunen, Ausprobieren! Das MAMUZ Schloss Asparn/Zaya lässt 40.000 Jahre Menschheitsgeschichte zu einem Erlebnis werden. Mit spannenden Ausstellungen, dem archäologischen Freigelände und abwechslungsreichen Vermittlungsprogrammen wird Urgeschichte, Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie gleichermaßen für Geschichtsinteressierte und Familien spannend aufbereitet.