Busbahnhof-Verlegung: „Keine Auswirkungen auf Handel“. Handelsexperte sieht keine Einbußen. Verkehrsverbund überlegt noch, welche Kurse übers Zentrum fahren.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 12. Mai 2020 (15:30)
Der Busbahnhof im Zentrum wird zum Bahnhof übersiedeln, von dort werden auch die Schüler in ihre Heimatorte fahren. Handelsexperten sehen den Kaufkraftverlust für die Innenstadt als gering an.
M. Pfabigan

Voraussichtlich ab Dezember wird der Busbahnhof vom Mistelbacher Hauptplatz zum Bahnhof verlegt - was nicht heißt, dass dann keine Busse mehr den Hauptplatz anfahren.

„Derzeit laufen noch die Ausschreibungen für die Kurse. Aber wir planen, den Hauptplatz mit einem Bus pro Stunde anzufahren“, sagt Georg Huemer vom Verkehrsverbund Ostregion (VOR): Der Schülerverkehr soll aber weitgehend über den Busbahnhof abgewickelt werden. Dem VOR geht es hier darum, die Umsteigequalität von Bus auf Bahn und umgekehrt für alle Kunden zu verbessern.

„Ob Busse, wenn sie in ihre Regionen fahren, auch einen Zwischenstopp am Hauptplatz machen werden, ist noch nicht fix. Da werden wir Fahrgastbefragungen machen. Wird es gewünscht bzw. angenommen, bleibt es. Wenn nicht, dann nicht“, sieht er bei den konkreten Kursführungen der Buslinien Verhandlungsspielraum.

"Kaufkraftbindung bei Schülern relativ gering"

Das bedeutet aber auch, dass deutlich weniger Schüler über den Hauptplatz zur und vor allen von der Schule wieder heim fahren. Manche Zentrumskaufleute fürchten jetzt den Verlust dieser Käuferschicht.

Wie wesentlich sind Schüler für die Belebung der Innenstadt? „Ein Busbahnhof ist etwas, das Frequenz generiert und das man sich grundsätzlich im Zentrum wünscht“, sagt Stefan Lettner, der für die Beraterfirma CIMA Mistelbach im Zuge des Zentrumsumgestaltungsprozesses genau untersucht hat. „Es ist ja nicht so, dass nach der Verlegung überhaupt kein Bus mehr auf den Hauptplatz kommt. Es wird ja nur die Drehscheibe verlegt“, sagt Lettner.

Wie wichtig sind da die Schüler für den Hauptplatz? „Bei den üblichen Ein- und Ausstiegsszenarien von Schülern ist die Kaufkraftbindung relativ gering“, sagt der Handelsforscher: Die Jugendlichen konsumieren hauptsächlich Snacks und Getränke: „Auf den Handelsstandort wird das wohl keine Auswirkungen haben“, sagt Lettner.

Auswirkungen wird die Verlegung allerdings sehr wohl auf einfache Kundenfrequenzzählungen in der Innenstadt haben: Dann nämlich, wenn mit Kameras oder Lichtschranken gezählt wird: „Es gibt Verfahren, da werden sogar größere Hunde gezählt, wenn sie vorbei gehen“, sieht Lettner manche Methoden in der Branche durchaus kritisch. „Es stimmt schon, dass die Schüler bisher die Frequenz am Hauptplatz quantitativ aufgewertet haben.“

Allerdings, so hält Lettner dem entgegen: Mit der Verlegung des Busbahnhofs weg vom Hauptplatz soll dieser zu mehr Aufenthaltsqualität umgestaltet werden. Und da ist das Ziel ja, wieder mehr echte Frequenz im Zentrum zu generieren.