Mistelbach: Erdäpfel verschenken statt verrotten lassen. „Es ist ja eigentlich pervers“, sagt der Ladendorfer Landproduktehändler Manfred Mechtler: „Wir importieren Erdäpfel, von denen wir gar nicht wissen, mit was die alles behandelt wurden aus Ägypten, aber unsere heimischen Erdäpfel müssen wir auf den Müll werfen.“

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 02. Juni 2020 (07:08)
Michael Pfabigan

Mechtler sitzt auf einem Berg Kartoffeln aus eigenem Anbau, die eigentlich für die heimische Gastronomie gedacht waren. Da die aber Mitte März schließen musste, suchte sich Mechtler neue Abnehmer und fand die in tschechischen Pommes-Produzenten.

Nur: Auch diese Kontrakte waren bald hinfällig, weil der tschechische Staat in der Coronakrise beschlossen hat, dass nur tschechische Kartoffeln verarbeitet werden sollen. Die Kontrakte des Weinviertlers sind somit hinfällig.

„Die Kunden in den Supermärkten wollen nur beste Qualität haben – und die ist ohne runzelige Oberfläche.“Manfred Mechtler

Da sich die Verhandlungen zogen, mussten sie eingelagert werden, trotz der Kühlung bekamen manche der Knollen in den heißen Maitagen Runzeln, die Qualität ist aber  bestens, versichert Manfred Mechtler. „Das sind in der Regel die schmackhaftesten Erdäpfel, da ja nur Wasser fehlt und sie dadurch einen intensiveren Geschmack bekommen.“

Warum verkauft er die Erdäpfel also nicht im heimischen Supermarkt? „Weil die Kunden in den Supermärkten nur beste Qualität haben wollen – und die ist ohne runzelige Oberfläche“, sagt der Landproduktehändler.

Und dann kommen dann auch noch die Preisvorstellungen der Supermärkte, zu welchen Summen sie die Kartoffel kaufen wollen: Lässt Mechtler die  Tonnen an Erdäpfel mit nach Kollektivvertrag bezahlten Mitarbeitern auszusortieren und kassiert das, was die Ketten bereit sind zu zahlen, zahlt er noch drauf. „Da ist es billiger, die Knollen auf den Müll zu werfen“, resigniert er.

Damit die Lebensmittel trotzdem zu den Menschen kommen, stellt er  Großkisten von je 1,t Tonnen mit den  Erdäpfel am Mittwoch, 3. Juni bei seiner Lagerhalle im Norden Mistelbach (Triftweg 3) bei  der ehemaligen Amazone-Halle (hinter dem Hofer Markt Nord) bereit, damit sich Menschen, die knapp bei Kasse  sind, dort kostenlos und gegen Voranmeldung mit Erdäpfel versorgen können: „Wir werden die Kisten hinstellen, direkt übergeben dürfen wir ja wegen der Coronamaßnahmen nicht“, sagt Mechtler. Eine Wiederholdung der Aktion ist geplant.

Voranmeldungen unter 0 2575/2249 13