Erpresserische „Handwerker“: „Hab richtig Angst gehabt“. Rumänen boten sich für Reparaturen am Haus an und forderten große Summen.

Von Redaktion Mistelbach. Erstellt am 16. Juli 2020 (02:59)
Landesgericht Korneuburg
APA (Archiv/Fohringer)

Sechs Rumänen mussten sich vergangene Woche im Landesgericht Korneuburg verantworten. Sie sollen sich 2017 in Mistelbach, im Bezirk, in Vösendorf und anderen Orten in der Region als Handwerker einer großen Firma ausgegeben, minderwertige Arbeit verrichtet und von den Besitzern anschließend große Geldsummen erpresst haben.

„Vor meinem Haus stand ein weißer Kastenwagen“, berichtete ein Zeuge. „Die Männer darin boten mir eine Dachsanierung für 500 Euro an.“ So oder so ähnlich begannen alle Schilderungen der Opfer. „Ich war ein bisschen skeptisch“, berichtete ein anderes Opfer, „aber sie hatten bereits zu arbeiten begonnen, also habe ich eingewilligt.“

Die Hausbesitzer stimmten oft zunächst kleineren Arbeiten zu: Dem Anstrich einer kleinen Fassadenfläche oder einer Dachrinnenreparatur. Doch die Männer fanden meist schnell weitere baufällige Stellen am Grundstück. „Nur Kleinigkeit dazu“, sollen sie auf Preisnachfrage gesagt haben.

Bei der Auszahlung wollten die Handwerker dann plötzlich mehrere zehntausend Euro. Als eine Hausbesitzerin meinte, dass sie gar nicht so viel Geld habe, hätten die Männer sie umzingelt. „Ich bin eine 80-jährige Frau, ich hab‘ richtig a Angst g’habt“, erzählt sie.

Sie wollte deshalb die Polizei rufen. „Wehe Polizei“, soll einer der Männer gesagt und ihr das Telefon aus der Hand geschlagen haben. Bei einer anderen Hausbesitzerin verschwand das Handy zeitweilig und das Festnetzkabel war plötzlich ausgesteckt.

Als eine Hausbesitzerin dann zur Bank fuhr, um Sparbücher aufzulösen, folgten ihr die Männer im Kastenwagen. Sie sollen ihr das Geld anschließend aus der Hand gerissen haben.

Ein anwesender Sachverständiger bestätigte, dass die von den Männern verrichteten Arbeiten teilweise nicht dem Wert des geforderten Betrages entsprach. Ein Dach musste wieder abgetragen und neu saniert werden, da es undicht war – und zwar zu einem Preis von 30.000 Euro. „Es tut uns leid, das war ein großer Fehler“, beteuerten zwei geständige Angeklagte. „Mir tut es leid“, meinte das Opfer, „denn wir haben unser Vermögen verloren.“ Der Frau händigten die Männer noch im Zeugenstand 2.000 Euro aus. Weitere 8.000 sollen folgen.

Absprache zwischen Schöffen und Experten?

Nach einer Unterbrechung kehrte Verteidiger Michael Dohr empört zurück: Die Schöffen und der Sachverständige hätten sich in der Pause über den Fall unterhalten. Ein Schöffe stritt das ab („Einen Schmarrn haben wir!“). Dohr stellte daraufhin einen Antrag auf Befangenheit. Der Sachverständige wies den Vorwurf ebenfalls zurück, sie hätten „nur allgemein geredet“. Die Richterin appellierte, Gespräche zukünftig zu unterlassen und der Verteidiger zog seinen Antrag zurück.

Nach zwei langen Verhandlungstagen wurden schließlich vier der sechs Angeklagten vom Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Astrid Raufer freigesprochen. Sie konnten von den Opfern nicht eindeutig als Täter identifiziert werden. „Die schauen alle gleich aus“, hörte man mehrmals, auch von Verteidiger-Seite. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „Masche“, um Verwirrung zu stiften.

Zwei Angeklagte wurden wegen Erpressung schuldig gesprochen und zu 20 bzw. 18 Monaten bedingter Haft verurteilt. Nicht rechtskräftig.