Mistelbach

Erstellt am 21. September 2018, 05:00

von Christoph Szeker

Großer Mangel an Lehrlingen: Praktiker gesucht. Von dramatischen Zuständen ist die Rede und Wartezeiten könnten länger werden.

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Insgesamt 488 Lehrlinge sind im Bezirk derzeit in Betrieben tätig. Lehrstellensuchende sind mit Ende August 62 beim AMS gemeldet, auf welche laut AMS-Statistik 43 offene Stellen entfallen. Kurt Hackl, Vizepräsident der WK NÖ und ÖVP-Landtagsabgeordneter, weiß aber aus Erfahrung, dass in etwa 25 Prozent mehr Stellen frei sind, da nicht alle Unternehmen ihre offenen Stellen melden.

Eines deuten die Zahlen bereits an und Gernot Wiesinger, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses, macht es noch deutlicher: „Ein Inserat für eine Bürokraft erhält im Bezirk in etwa 100 Bewerber, bei einem Inserat für einen KFZ-Techniker ist es einer bis keiner.“ Die derzeitige Situation hält Wiesinger für dramatisch, sie habe sich verschärft.

„Nach meiner Erinnerung hat es noch nie keinen Mangel an Fachkräften gegeben.“Gernot Wiesinger, Geschäftsführer

Einen Ausnahmefall sieht er darin aber nicht: „Nach meiner Erinnerung hat es noch nie keinen Mangel an Fachkräften gegeben.“ Auch um ein reines Mistelbacher Phänomen handelt es sich nicht: „Mistelbach steht nicht schlechter oder besser da, als der NÖ-Durchschnitt“, erklärt Hackl mit Bezug auf den Fachkräftemangel. Er betrifft drei Bereich besonders: Gastronomie, KFZ, Mechatronik.

Mistelbach: Keine Asylwerber in der Lehre

Wie ist in diesem Kontext die umstrittene Entscheidung der Regierung einzustufen, keine Asylwerber mehr in Mangelberufen zuzulassen? Den Bezirk trifft dieses Thema nur am Rande:

„Wir hatten noch keine Bewerbung eines Asylwerbers. Zwei bis drei wollten den Beruf einmal kennenlernen und waren ein paar Tage bei uns“, erzählt Wiesinger. Hackl schätzt, dass in ganz NÖ nur etwa 32 Asylwerber als Lehrlinge tätig sind. Relevanter ist etwa für Marianne Bauer, Geschäftsführerin des AMS Mistelbach, die Frage, warum weniger junge Leute eine Lehre machen. Gründe dafür sieht sie zum Beispiel in der Tatsache, dass von vielen Jugendlichen der Lohn in der Ausbildungszeit als finanzielle Einbuße wahrgenommen wird.

„Viele Jugendliche sind neun Wochen Ferien gewohnt und möchten ihre Lebensqualität nicht zurückstellen“, weiß Bauer darüber hinaus. Zudem müssen sich die Jugendlichen sehr früh entscheiden und wären sich oft noch nicht klar darüber, was sie erreichen möchten.

Daher sei es wichtig, dass die Lehrherren betonen, wie wichtig Praktiker sind. Auch Wiesinger verdeutlicht das anhand eines plakativen Beispiels: „Wenn es so weiter geht, wird das Problem sein, dass der Installateur drei Wochen braucht und das Wasser in der Zeit weiter tropft.“ Dann würde auch die Bevölkerung, welche auf die Handwerker angewiesen ist, das Problem direkt spüren.

„Wir müssen es schaffen, dass Eltern und Kinder schon vor der Matura nach einem Job suchen.“ Gernot Wiesinger

Wiesinger fordert deshalb: „Wir müssen es schaffen, dass Eltern und Kinder schon vor der Matura nach einem Job suchen.“ Da es den Traum- und Wunschberuf nicht gebe, sollte die zentrale Frage bei der Jobsuche sein: „Wo habe ich die größte Chance?“. In der Ausbildungsphase sollen Schüler und Lehrlinge unterstützt werden: Wiesinger möchte etwa die theoretische Ausbildung attraktiver sehen. Schüler haben zum Beispiel oft wenig Lust auf Literatur, dafür sollten die Grundfertigkeiten, wie Soziales und Mathematik, gestärkt werden.

Hier setzt sich Hackl mit der Wirtschaftskammer engagiert ein: Ein Begabungskompass soll Schülern der 7. Schulstufe etwa die Orientierung erleichtern.