Mistelbach

Erstellt am 14. Juli 2018, 04:42

von Christoph Szeker

„Lehrer sein ist Berufung“. Pensionierungen und Änderungen in der Ausbildung könnten Schulen in Bedrängnis bringen.

Bildungs-managerinBrigitte Ribisch möchte das Image der Lehrer hochhalten.  |  zVg

Jeder zweite Lehrer geht in Niederösterreich bis 2025 in Pension. Auch in Mistelbach könnte ein Mangel an Lehrkräften daher zum Problem werden. Bildungsmanagerin Brigitte Ribisch steht der Situation allerdings gelassen gegenüber: „Wir können dieses und nächstes Jahr noch alle Stellen gut besetzen. Auch in Zukunft glaube ich, dass Mistelbach zu versorgen ist.“

Kleine Unsicherheiten wären sowieso immer mit einzuberechnen, da die Lehrer nicht immer „das machen, wofür sie ausgebildet wurden.“ Zum Beispiel mag sich der ein oder andere für den Turnunterricht entscheiden, wenn er an einer Schule zu den wenigen männlichen Lehrkräften gehört.

„Chemiker und Informatiker gehen in die Industrie, nicht in die Schule.“Thomas Jaretz, Direktor der AHS Laa an der Thaya

Ein regelrechter „Überschuss“ an Lehrkräften ist für das Fach Mathematik zu verzeichnen: „Wir haben zu viele Mathematiklehrer“, konstatiert Ribisch. Thomas Jaretz, Direktor der AHS Laa an der Thaya, ist derzeit ebenfalls beruhigt: „Wir haben für die meisten Gegenstände mehr Bewerber als wir brauchen.“ Allerdings sind einzelne Fächer nicht so leicht zu besetzen. Dazu gehören etwa die Fremdsprachen Latein, sowie Deutsch und Englisch, aber auch Chemie oder Informatik. „Chemiker und Informatiker gehen in die Industrie, nicht in die Schule“, ist sich Direktor Jaretz bewusst.

Kein Problem also? Nicht ganz, denn die Ausbildung der Lehrer wird mit nächstem Jahr für alle gleich sein. Auch NMS-Lehrer werden dann eine fünfjährige Ausbildung mit Masterstudium hinter sich bringen müssen. Diese kann zwar auch berufsbegleitend absolviert werden, ist aber doch Voraussetzung für eine Fixanstellung.

Brigitte Ribisch weiß, dass diese Umstellung eine Übergangszeit von einem Jahr bedeutet. „Wir wissen nicht, wie sich das entwickelt“, gibt sie zu bedenken. Wartelisten gibt es im Bezirk trotz Zuversicht jedenfalls keine.

Aber: Auch offene Stellen existieren keine. Obwohl Ribisch damit rechnet, dass mit nächstem Jahr in der Bildungsregion 2 (Mistelbach, Gänserndorf, Hollabrunn, Korneuburg) 120 Lehrer nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Gründe dafür sind Sabbaticals, Pensionierungen, aber auch Mutterschaften und Schwangerschaften.

Das Image der Lehrer verbessern

Im Angesicht härterer Zeiten ist der Bildungsmanagerin wichtig, dass das „Image der Lehrer hochgehalten wird“. Ribisch fällt dazu ein Spruch ein, den sie gerne betont: „Das Lehrersein ist kein Beruf, sondern eine Berufung.“

Außerdem ist es schwer, die Stärken der Schüler zu finden. Die gleiche Ausbildung für alle ist jedenfalls nicht möglich. Lehrer müssen im Unterricht individuell auf Schüler eingehen. Ribisch: „Das ist sehr fordernd, denn die Beziehung zu den Schülern ist wichtig und das braucht sehr viel Energie.“