Neuer Busbahnhof: Alt-Stadtchef jetzt gegen Verlegung. Alt-Stadtchef Balon (ÖVP) und FPÖ gegen Projekt. Gemeinderat beschloss Wartehäuschen, Pylonen & Infoscreens.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:36)
So werden die neuen Wartehäuschen beim neuen Busbahnhof aussehen: DerGemeinderat kaufte sieben Stück an. Sie werden so aufgestellt, dass die abgeschrägte Seite vom Bahnhofsgebäude weg zeigt.
Martina Pürkl

Er könne es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, für das jetzt vorliegende Konzept für den neuen Busbahnhof zu stimmen, sagte Alt-Bürgermeister Christian Balon (ÖVP) in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

In der ging es eigentlich nur noch um die Gestaltung der neuen Anlage. Balon stimmte gemeinsam mit FPÖ-Gemeinderätin Elke Liebminger, einer erklärten Gegnerin der Verlegung des zentralen Busumsteigeknotens vom Hauptplatz zum Bahnhof, gegen Buswartehäuschen, Straßenbeleuchtung und Co.

Investition in Buswartehäuschen

„Ich habe bei der Bürgerinfo zum Projekt den Bürgern versprochen, dass das Projekt zwischen Imbissstand und Bahnhof nicht kommt. Hinausgehen oder sich der Stimme zu enthalten wäre feige“, begründete Balon seinen Schritt. Dass die Bushaltestelle zwischen Imbissstand und Bahnhofsmagazin beiderseits des Bahnhofes gebaut werden soll, war schon in der März-Sitzung beschlossen worden, jetzt ging es um die Gestaltung des neuen Busbahnhofes: „Dieser ist der Eintrittsort in die Stadt. Menschen, die mit Bus oder Bahn nach Mistelbach kommen, sollen sich auf Anhieb entsprechend wohlfühlen“, sagte Vizebürgermeister Manfred Reiskopf: „Deshalb haben wir überall zwar nicht das Teuerste, aber auch nicht das Billigste genommen.“

Auffälligste Investition werden die neuen Buswartehäuschen sein: Im Ausschuss hatte man sich für die größere Variante mit 6,20 mal 1,60 Metern entschieden, Sitzbank, Mistkübel und Info-Screen sind integriert. Kostenpunkt: 99.000 Euro für alle sieben. Jene vier Stück, die westlich des Bahnhofes stehen werden, bekommen eine Dachbegrünung mit trockenheitsresistenten Pflanzen, die drei unter den Linden nicht. Zur Vorbereitung der Bushaltestelle werden Straße und Gehsteig neu gemacht. Der Gehsteig wird nicht asphaltiert, sondern mit einem dem Mistelbacher Pflaster ähnlichen Pflaster versehen. Das Pflastern kostet 55.000 Euro mehr als die Asphaltvariante. Im Bereich des Bahnhofsgebäudes wird ein Trinkwasserbrunnen errichtet.

Dynamischer Fahrplananzeiger geplant

Damit die Fahrgäste wissen, wo sie hinmüssen, wird es zwei dynamische Fahrplananzeiger - also Bildschirme mit den entsprechenden Infos - geben. Einen davon wird der VOR fix zahlen, über die Übernahme des Zweiten wird verhandelt. Bei den Bushaltestellen wird es Stelen geben, auf denen die Fahrpläne und das grundsätzliche Destinationsziel der dort abfahrenden Busse aufgelistet sind. Auch die finanziert der VOR, die Stadt entschied sich zum Ankauf zweier zusätzlicher Stelen, auf denen eine Lageinfo zu finden sein wird, wo welche Busse abfahren. Sie werden jeweils am Beginn und am Ende des Busbahnhofes aufgestellt.

Überwacht werden soll der Bau von einem Baubeirat. Sitz darin haben pro Fraktion ein Mitglied, Reiskopf als zuständiger Vorsitzender, Bürgermeister Erich Stubenvoll, Finanzstadtrat Leo Holy und Ortsvorsteher Herbert Eidelpes. Sie sind ermächtigt, eine Baukostenüberschreitung von bis zu zehn Prozent zu genehmigen. Geplante Baukosten sind übrigens 896.000 Euro plus 65.000 Euro für etwaige Kanalreparaturen. Für etwaige Landesförderungen gibt es zwar Zusagen aber noch keine Beschlüsse in der Landesregierung.

„Der Trinkwasserbrunnen ist das Einzige, das ich positiv finde“, sagte FPÖ-Gemeinderätin und Projektgegnerin Elke Liebminger. Die Bushäuschen findet sie überteuert: „Die gibt´s ab 500 Euro aufwärts.“ Und dass die Baukosten eingehalten werden können, glaubt sie nicht: „Da sind wir bei allem, was schon beschlossen ist, jetzt schon bei 1,2 Mio. Euro.“

Einzige offene Frage, die nicht beantwortet werden konnte: wie viele Busse künftig noch den Hauptplatz anfahren werden. „Es ist mit dem VOR ausgemacht, dass nur Schülerbusse und Pendlerbusse, die zur Schnellbahn wollen, nicht über den Hauptplatz geführt werden“, sagte Vizebürgermeister Reiskopf. Ob das aber auch so hält, wird sich erst mit Inkrafttreten des neuen Fahrplans Anfang Dezember zeigen.