Erasim (SPÖ): Öffentlichen Verkehr fördern und ausbauen. „Die Klimadiskussion wird oft an der Lebensrealität der Menschen vorbei geführt“, findet SPÖ-Wahlkreis-Spitzenkandidatin und Nationalrätin Melanie Erasim: „Als Politik habe ich die Aufgabe, dass nicht wieder die Klein- und Mittelverdiener den Klimawandel zahlen müssen.“ Konkret spricht sie sich gegen CO2-Steuer und höhere Besteuerung von Fleisch aus. „Mit den Einsparungen, über die wir hier reden, werden wir das Klima nicht retten.“

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 12. September 2019 (12:41)
Michael Pfabigan
Statt CO2-Steuer und Förderung der E-Mobilität will SPÖ-Nationalrätin Melanie Erasim, mit Bild mit Kandidaten Franco Gullo, auf den sinnvollen Ausbau der Bahninfrastruktur und auf Erleichterungen für Pendler durch das 123-Ticket setzen.

Da müsse man bei den großen Verursachern ansetzten: Beim Flugverkehr, bei der Industrie und bei der Schifffahrt: Es sei nicht einzusehen, warum T-Shirts und Lebensmittel quer über die Welt verschifft und dann billig verkauft werden: „Da kostet es mehr, wenn ich einen Brief nach Vorarlberg schicke, als wenn ein T-Shirt um die Welt reist!“, findet Erasim.

Stichwort Verkehr: Es gehe darum, die Lebensrealitäten der Weinviertler zu kennen. Und deshalb sei es wichtig, dass es jemanden gibt, der darauf hinweist, dass manche nicht auf das Auto verzichten können, weil die Infrastruktur am Land ausgehungert wurde.

Eine CO2-Steuer sei da der falsche Weg. Elektromobilität ist für Erasim nicht das Konzept der Zukunft und auch Wasserstoff-Fahrzeugen gibt sie wenig Chance. Was hat Zukunft? „Jetzt, wo die Umfahrung Drasenhofen eröffnet ist, sollten alle Anstrengungen in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs fließen“, sagt die Nationalrätin, die bisher im Verkehrsausschuss des Nationalrates saß: „Was wir brauchen, ist ein Weinviertler Gesamtkonzept für die Schieneninfrastruktur.“

Damit sich die Regionen nicht gegenseitig versuchen auszuspielen. Handlungsbedarf gebe es auf der Nordbahn, der Laaer Nordostbahn und der Nordwestbahn. Zweigleisiger Ausbau sei notwendig, bei der Groß Schweinbarther Linie sei eine Schleife Richtung Leopoldau sinnvoll: „Weil die Wiener Stammstrecke ist ohnehin schon überfüllt. Wenn wir die Pendler auf der Schweinbarther Linie über die U1 umleiten, dann belasten wir diese nicht weiter“, findet Erasim.

Die Kosten für die Schleife beim Bahnhof Obersdorf-Pillichsdorf würden sich vermutlich in Grenzen halten, der notwendige Grund dafür dürfte sogar der ÖBB gehören. Ähnliche Überlegungen, die Schweinbarther Linie Richtung Wolkersdorf zu führen, scheiterten allerdings in der Vergangenheit.

Parallel zum Ausbau der Infrastruktur soll die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel finanziell attraktiv gemacht werden: Mit dem 123-Klimaticket, das die SPÖ einfordert: Pro Bundesland 365 Euro für das Jahresticket. „Ein Pendler aus Laa zahlt derzeit für sein Jahresticket bis zur Wiener Stadtgrenze 1.748 Euro, aus Mistelbach kostet es 1.542 Euro“, rechnet Erasim vor. Die Einsparungen für die Pendler seien mit dem 123-Ticket massiv.

Wie soll das finanziert werden? „Es wird immer so dargestellt, als ob es in dieser Republik kein Geld gebe. Man muss halt umschichten“, sagt Erasim: „Aber es ist gescheiter, hier zu investieren, als auf die Körperschaftsteuer zu verzichten. Und um das Geld, das europaweit am Fiskus vorbei geschummelt wird, können die Leute lange gratis fahren.“
Von den 25.500 im Bezirk Mistelbach wohnhaft beschäftigten, pendeln 14.200 aus dem Bezirk aus, 9.200 davon nach Wien. In den Bezirk pendeln 4.600 ein, knapp 1.000 davon aus Wien.