Ostern: Nur mit der Familie "In d'Grean gehen". Die alte Tradition des „In d’Grean gehn“, die vor allem im östlichen Weinviertel und im Pulkautal am Ostermontag gepflegt wird, wurde im Vorjahr von der Österreichischen UNESCO-Kommission als Immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet. Aufgrund der aktuellen Situation kann diese Tradition heuer nur im allerengsten Familienkreis abgehalten werden. Dabei besinnt man sich auf die Wurzeln dieser Tradition.

Von Redaktion Mistelbach. Erstellt am 07. April 2020 (11:41)
Dieses Foto entstand vor den Corona-Beschränkungen. Die Tradition „In d’Grean gehn“ wurde als Immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet und wird heuer nur im engsten Familienkreis gefeiert! Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Alfred Komarek besuchten hier – noch vor der Corona-Pandemie – die Familie Wiesinger in der Kellergasse Bullendorf.
Imre Antal

Als „In d’Grean gehen“ wird der Brauch der Weinhauer und Weinkellerbesitzer bezeichnet, am Ostermontag ihre Keller zu öffnen und Speis und Trank für die Lesehelfer, Freunde und die Familie bereitzustellen. Dabei wird der frische Wein verkostet und das Erwachen der Natur gefeiert. Zuvor wird in gemütlicher Runde zur Kellergasse gewandert. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf: „Gerade in diesen Zeiten gilt es, Abstand zu halten und nur mit den allerengsten Familienmitgliedern – mit denen man unter einem Dach wohnt - zusammen zu sein. Das „in d’Grean gehen“ als Immaterielles Kulturerbe wird heuer somit in kleinstem Kreis begangen, ist aber deshalb nicht weniger wertvoll!“ 

Die Aufnahme in das Österreich-Verzeichnis der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe ist für die Region von großer Bedeutung. Es war dem Kellergassenführer-Verein ein großes Anliegen, den Brauch des ‚In d’Grean gehn‘ zu bewahren. Obmann Maly ruft die Kellergassenführerinnen  und Kellergassenführer auf, 2020 diesen alten Brauch im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu leben, und keinesfalls touristisch zu vermarkten.

Unter dem Begriff „immaterielles Kulturerbe“ werden weltweit seit 2003 vielfältige gelebte Traditionen von der UNESCO dokumentiert und geschützt. Ob Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste, Naturwissen oder Handwerkstechniken – alle Formen des „immateriellen Kulturerbes“ sind immer von menschlichem Wissen und Können sowie einer Vielfalt von Fertigkeiten getragen. Langfristig regional verankertes, überliefertes Wissen werden sichtbar gemacht.

Österreich trat der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des „immateriellen Kulturerbes“ 2009 bei. Seither ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der Erstellung des „Österreichischen Verzeichnisses des Immateriellen Kulturerbes“ betraut. Ein Fachbeirat entscheidet seit dem Jahr 2010 regelmäßig über Neuaufnahmen, aktuell sind nun 124 österreichische Traditionen im Verzeichnis gelistet.