Kellergassen: Der Weg zum Kulturerbe. Gerold Eßer unterstützt den Antrag mit seinem Buch über die regionalen Kleinode.

Erstellt am 07. Juli 2020 (17:30)

Gerold Eßer ist Wissenschaftler, der ins Weinviertel zog und sich in die Kellergassen verliebt hat. Mit seinem Buch „Kulturlandschaft der Kellergassen“ setzt er einen wichtigen Impuls für den Erhalt der Kulturgüter. Sein Buch wurde letzte Woche in der Kellergstetten präsentiert.

Durch das Programm führte dabei der Obmann der Poysdorfer Kellerakademie Joachim Maly: Er gab zu Beginn einen Überblick über die Bemühungen, die Kellergassen zum Kulturerbe des Weinviertels hervorzuheben. „Bereits 2015 haben Wissenschaftler beim ersten Kellergassenkongress betont, dass die Kellergassen der Leitstern und das Alleinstellungsmerkmal des Weinviertels sind“, erzählt Maly.
2018, im Jahr des kulturellen Erbes, gab es in den Kellergassen Alte Geringen in Ketzelsdorf und in der Loamgstetten in Ameis intensive wissenschaftliche Forschungen über den Bestand der Weinkeller. Lehmbauer, Bauhistoriker, Vermesser und Andere mehr waren in den Kellern unterwegs.

Kellergasse als Kulturgut für Nachwelt erhalten

Abschluss des Kulturerbejahres 2018 war der Kellergassenkongress, „dessen Ergebnisse von Gerold Eßer und den großartigen Vortragenden in dem über 300 Seiten starken Buch zusammengefasst sind“, betont Bürgermeister Thomas Grießl. Er war schon am Anfang von der Idee begeistert, das Kulturgut Kellergasse für die Nachwelt zu erhalten.

„So kamen in den letzten Jahren wertvolle Impulse aus Poysdorf, um Bewusstseinsbildung und Erforschung der schlichten Architektur der Kellergassen voranzutreiben“, erzählt Landeskonservator Hermann Fuchsberger. Die Kellergassen sind allerdings nicht nur im Weinviertel identitätsstiftend: Sie schlagen Brücken zu den Nachbarn in Südmähren, der Westslowakei und Ungarn. „Poysdorf ist übrigens weltweit die Stadt mit den meisten Kellergassen in seinem Ortsgebiet“, hebt Kellerakademie-Obmann Maly hervor. Im Weinviertel fällt sogar auf je zwölf Einwohner ein Weinkeller.

„Poysdorf ist weltweit die Stadt mit den meisten Kellergassen in seinem Ortsgebiet.“Joachim Maly, Obmann Kellerakademie

Auch das Land NÖ wirkt unterstützend für den Schutz der Kellergassen. Es hat sich bereit erklärt, die Aufnahme in die Warteliste der Weltkulturerbe-stätten zu begleiten. Landtagspräsident Karl Wilfing erzählte, dass bereits vor rund 20 Jahren einmal in der grenzüberschreitenden Euregio darüber gesprochen wurde. „Heute ist das Verständnis gewachsen und das Land NÖ gibt eine klare Erklärung ab, diese Bestrebungen in Richtung Weltkulturerbe zu fördern“, sagt Wilfing.

Buchautor Eßer freut sich, dass die Bemühungen von ihm und der Poysdorfer Aktivistengruppe so aktiv unterstützt werden. Auch Universitätsprofessorin Caroline Jäger-Klein, sie ist auch Präsidentin von ICOMOS Austria und berät den internationalen Denkmalbeirat in Sachen Weltkulturerbe, sieht die Entwicklungen um die Kellergassen positiv. Viele der erforderlichen Punkte seien erfüllt: Die Kellergassen sind identitätsstiftend, sind nicht abstrakt, sondern lebendig, sind keine Einzelobjekte, sondern eine Kulturlandschaft, fördern die grenzüberschreitende Zusammenarbeit durch gleiche Interessen und sind auch durch das Besondere der Lehmbauweise erhaltenswert. Erster Schritt ist nun auf die österreichische Tentativliste zu kommen und damit zu den österreichischen Vorschlägen zu gehören. Es geht darum, das Erbe zu erhalten und es in eine gute Zukunft zu führen.