Wassertropfen bei Oper: Trotzdem war der Teufel los . Rossinis „Barbier von Sevilla“ zeigte sich auf der kleinen Kirchstettner Bühne als stimmgewaltig, flott und witzig.

Von Ingrid Fröschl-Wendt. Erstellt am 07. August 2018 (11:29)

„Wassertropfen sind das Schicksal der heurigen Kirchstettner Klassik-Produktionen“, meinte Festredner Landtagsabgeordneter Manfred Schulz. Waren es nämlich vor einer Woche die Gewitterwasser, die auf Besucher und Orchester niedergingen, so waren es nun die Schweißtropfen im heißen Maulpertschsaal bei der Opern-Premiere des „Barbier von Sevilla“. Doch das verdross das begeisterte Premieren-Publikum nicht im Mindesten. Vielmehr spendete es trotz der Hitze nicht nur zum Abschluss begeisterten Beifall.

Intendant Stephan Gartner und Obmann Günter Gartner freute das doppelt, feiern sie heuer doch das 20. Klassikfestival. Eine Ausstellung, gestaltet von Aloisia Gartner, gibt einen kleinen fotografischen Rückblick.

Als Begleiter der ersten Stunde, bedankte sich Stephan Gartner beim musikalischen Leiter Hooman Khalatbari und den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die seit 20 Jahren jährlich rund 3500 Stunden für das Festival inklusive Adventmarkt aufwenden und damit über 185.000 Besucher begeisterten.

Kritik: Wie in einer guten Screwball-Comedy

Manchmal spielen uns unsere tradierten Bezeichnungen einen argen Streich. Zum Beispiel Rossini in die Kategorie „E-Musik“, also „ernste Musik“ zu verbannen. Denn dass Rossini, und insbesondere sein „Barbier von Sevilla“ pure und köstliche Unterhaltung sind, das weiß die heurige Opern-Premiere von Kirchstetten zu beweisen. Unter der Stabführung von Hooman Khalatbari und der neuen Regie von Joana Godwin-Seidl bot das spielfreudige Ensemble sowohl einen Abend voller Witz und Humor als auch voll wunderbarer Musik, gekonnt und virtuos vorgetragen.

Wie in einer guten Screwball-Comedy war auf der schmalen Bühne im Maulpertschsaal inmitten der Gäste der Teufel los. Denn nicht nur die flotte Musik Rossinis, von einem winzigen Orchester voller ausgezeichneter Solisten musiziert, sondern auch die Regisseurin trieb die Sänger zu Höchstleistungen an. Dabei erwiesen sich alle als ebenso gute Sänger wie Komiker: So sprengte Thomas Weinhappel mit seiner Präsenz als Barbiere beinahe den Saal.

Juan de Dios Mateos als Conte Almaviva gab einen herrlich fantasievollen Liebhaber, der sich mit allerlei Slapstick Zugang zu seiner Rosina suchte, von Karolina Wieczorek mit viel Wimperngeklapper und Schmollmündchen und einer Bombenstimme gespielt. Daniele Macciantelli als versetzter Vormund Doktor Bartholo, Leszeck Solarski als bösartiger Basilio und die geplagte Haushälterin Berta alias Bijana Kovac sowie Radislav Lalinsky als Fiorello vervollständigten das beeindruckende Ensemble.

Das Spiel mitten im Publikum und die Idee der Regisseurin, die Geschichte in die Zeit der vergnügten Mariandlfilme der 50er-Jahre zu versetzten, schufen die in Kirchstetten schon gewohnte und beliebte Unmittelbarkeit auch heuer wieder mühelos. Mit einer ebenso großen Spielfreude wie die Solisten zeigte sich heuer wieder der Wiener Kammerchor, der mal als Serenadensänger, mal als Polizisten zum Einsatz kam.

Vorstellungen: Der Barbier von Sevilla

Mittwoch, 8., Freitag, 10., Samstag, 11. August, Dienstag, 14. August, Donnerstag, 16. und Samstag, 18. August, jeweils 20 Uhr;

Karten gibt es nur noch beschränkt. 02523/831415

www.schloss-kirchstetten.at