Boarding verweigert: Corona-"Odyssee" für Reintaler. Der Reintaler Richard Führer durfte in Barcelona nicht in deutschen Flieger.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 07. April 2020 (13:25)
Der Reintaler und passionierte Radfahrer Richard Führer musste bangen, ob er die Rückreise aus Gran Canaria schafft. Es gelang ihm nur mit viel Eigenengagement, noch einen Flug zu bekommen. Fotos: zVg
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„Das erste und hoffentlich letzte Mal war ich heilfroh, Spanien zu verlassen!“ Der 69-jährige Reintaler Richard Führer war auf Gran Canaria, als die spanische Regierung wegen der Coronakrise den Alarmzustand ausrief, seine Rückreise verlief turbulent. Denn gebuchte Flüge fielen aus oder es wurde ihm einfach der Mitflug verweigert.

„Als der Estado de Alarma ausgerufen wurde, machte ich mir Überlegungen über einen einigermaßen akzeptablen Exit aus Spanien“, erzählt der passionierte Radfahrer: „Ohne auf die Hilfe der Republik Österreich zu setzen, ergriff ich Eigeninitiative.“ Führer überwintert jedes Jahr auf Gran Canaria, da er einige Monate dort verbringt, bleiben auch seine Räder in seiner Abwesenheit auf der Insel.

Zunächst buchte Führer einen Direktflug nach Wien mit Eurowings, 48 Stunden vor dem Abflug wurde dieser aber storniert: „Österreich hat wohl die Landung aller Maschinen aus Spanien untersagt“, erzählt Führer, der nach einer Alternative suchte. Die fand er in der Fluglinie Vueling: In der Früh sollte er von Las Palmas nach Barcelona fliegen, am Abend weiter nach München: „Wegen der komplizierten Verkehrslage und um den Flug sicher zu erreichen, fuhr ich schon am Abend vor dem Abflug zum Flughafen Las Palmas.“

Totenstille am Touristen-Flughafen

Der bot ein noch nie so gesehenes trauriges Bild“, schildert der Spanienheimkehrer: „Totenstille: Dort, wo sonst hektischer Betrieb herrscht, schien alles wie mit einem Leichentuch bedeckt.“

Die Flüge wurden reihenweise eingestellt.  Fotos: zVg
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Der Flug in die Katalanische Hauptstadt klappte ohne Probleme. Die folgten beim Anschlussflug: „Beim Weiterflug wurde mir, anderen Österreichern und Nichtdeutschen das Boarding verweigert“, schüttelt Führer ungläubig den Kopf: „Sie sagten, wir brauchen eine Genehmigung des deutschen Konsulats. Dass das 30 Minuten vor dem Abflug unmöglich zu organisieren war, war dem Flugpersonal, das, wie sich herausstellte, falsch informiert war, schlichtweg egal.“

Führer war wieder auf der Suche nach einer Alternative: Gemeinsam mit einer Jungärztin aus Bludenz hatte er Glück und fand zwei freie Plätze für einen Flug nach Stuttgart: „Also hektisch zum neuen Flughafenterminal, Tickets organisieren und Check-in“, das Boarding klappte problemlos. Mit 20 anderen Passagieren reisten sie im Airbus A320: „Ein Erste-Klasse-Flug kann nicht angenehmer sein“, erzählt Führer.

Landung in Stuttgart, Einreise und Kontrolle durch die deutsche Polizei - alles ohne Probleme. Jetzt fehlte nur noch die Bahnfahrt mit dem ICE Richtung München und Wien. Allerdings ist der Hauptbahnhof Stuttgart in einem erbärmlichen Zustand: „Kein Warteraum, Süchtige laufen schreiend durch die Hallen, Temperaturen von vier Grad. Da will man keine sechs Stunden auf die Abfahrt seines Zuges warten.“

Also nahmen sich Führer und die Jungärztin für diese Stunden um wohlfeile 104 Euro ein gemeinsames Zimmer in einem Hotel am Bahnhof: „War eine kurze Nacht mit einer 35-jährigen Jungärztin“, schmunzelt Richard Führer: „Aber es war wichtig, in einem warmen, sicheren Zimmer zu ruhen.“

Jetzt ist er in 14-tägiger Heimquarantäne: „Macht nix, das ist ein Honiglecken gegen die fast 60 Stunden ohne Schlaf und voll Stress“, ist Richard Führer froh, wieder daheim zu sein.

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