Silberschatz am Friedhof Mistelbach gefunden. Bei Grabungsarbeiten wurde ein Tongefäß mit 5.000 Silbermünzen aus der Zeit um 1200 entdeckt. Stadt überlässt den Fund dem MAMUZ zur Sanierung

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 23. Oktober 2019 (06:00)

Bei Grabungsarbeiten für die Gehwegsanierung am Mistelbacher Friedhof Anfang Juli stieß ein Stadtmitarbeiter in geringer Tiefe auf ein unscheinbares Tongefäß. Als er einen Blick hinein warf, entdeckte er unzählige kleine spätmittelalterliche Silbermünzen.

Experten des MAMUZ Schloss Asparn schätzten die kleinen Silberplättchen auf eine Prägung zwischen 1190 und 1210. „Die großen Münzfunde in der Region stammen aus deutlich späterer Zeit“, weiß Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ und Landesarchäologe. Beim Mistelbacher Silberschatzfund handelt es sich um rund 5.000 dünne Silberplättchen unterschiedlichster Prägung. Was den Fund dreifach bedeutend macht, ist einerseits die Menge der Münzen, andererseits die Datierung: „Bei uns in Ostösterreich setzt das Münzwesen erst um 1170 ein“, sagt Pieler. Und: Es ist die Vielfalt an Münzen im Hort, die besonders ist: „Es sind Kremser Pfennige, Fischauer Pfennige, Wiener Pfennige und einige bayrische Prägungen dabei“, sagt der Archäologe.

"Der Fund gehört der Stadtgemeinde"

Interessant ist der Fund auch für Numismatiker (Münzwissenschaftler): Denn da diese unterschiedlichen Münzen aufgrund des gemeinsamen Fundes zeitlich eindeutig einordenbar sind, erhoffen sich die Numismatiker Erkenntnisse aus unterschiedlichen Stempelvarianten - damit können eventuell auch andere Münzfunde örtlich eingeordnet werden.

Die jüngste Münze im Hort ist 1220 geprägt worden, deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass das Tongefäß kurz danach vergraben worden ist. Warum? „Es gibt sicher keinen Zusammenhang mit einem Grab, da dieser Teil des Friedhofes erst seit der Neuzeit als solcher verwendet wird“, sagt Pieler. Zusammenhänge könnte es aber mit der nahen ehemaligen Burganlage Mistelbachs am Kirchenberg geben. „Vielleicht war es ein Depot, das man nach dem Vergraben wieder heben wollte“, sagt Pieler, schränkt aber ein, dass man da erst ganz am Anfang der Erforschung des Fundes stehe.

„Der Fund gehört der Stadtgemeinde“, sagt Kulturstadtrat Klaus Frank (ÖVP), da er noch dazu von einem Stadtmitarbeiter auf Gemeindegrund gefunden wurde. Aber was damit machen? Die Sanierung des Schatzes würde 10.000 Euro kosten und zwei Jahre dauern.

Der Mistelbacher Gemeinderat entschied sich für eine pragmatische Lösung: Der Schatz wird dem Land NÖ bzw. dem Museum MAMUZ überlassen, das sich um die Restaurierung kümmert. 100 restaurierte Münzen bekommt Mistelbach vom Schatz, die werden dann dem Heimatmuseumsarchiv übergeben, das das lokale geschichtliche Gedächtnis der Stadt darstellt. Der Rest des Fundes wird der Stadt als Leihgabe übergeben, die ihn dann in lokalen Banken etc. ausstellen kann.