Bauherr zeigt parkende Nachbarn an . Unternehmer Friedlmayer ließ Bagger im Bezirk Mistelbach auffahren und parkende Anrainer anzeigen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:10)
Ohne Baugenehmigung ließ Bauunternehmer Leopold Friedlmayer die Bagger und Lkw in Rosenbergen auffahren. Nach Druck der Gemeinde musste er die Arbeiten wieder einstellen. Aufgeben will er nicht.
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„Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass sie hier nicht parken dürfen“, kommt die nicht wirklich freundliche Stimme aus dem Kastenwagen einer Gerasdorfer Pizzeria, als der NÖN-Redakteur in der Straße Rosenbergen, einer ruhigen Wohnstraße am Ortsrand Unterolberndorfs, am Straßenrand anhält, um sich ein Bild von der Lage zu machen: „Ich will nicht, dass Sie eine Anzeige bekommen.“ Auf die Frage, ob er das sei, der seit einer Woche auf der Straße parkende Anrainer bei der Polizei wegen illegalen Parkens anzeigt, gibt es keine Antwort.

Die Bewohner der Rosenbergen sind in Aufruhr: „Das ist Terror“, findet einer von ihnen. Was ist geschehen? Der Gerasdorfer Bauunternehmer Leopold Friedlmayer hatte sich zwei Grundstücke in der ruhigen Straße am Ortsrand gekauft und plant, dort zwei Doppelwohnhäuser zu bauen. Bei der Gemeinde wurden gerade mal ein paar Pläne deponiert, von einer Baugenehmigung ist er aber noch weit entfernt.

„Ich baue nur, weil es mir Spaß macht, das ist ein Hobby für mich. Nur manchmal gibt’s Nachbarn, die glauben, ich bin bösartig!“Leopold Friedlmayer, Bauunternehmer

Trotzdem rückten am vergangenen Montag Bagger und Lastwägen an, um mit Arbeiten am Grundstück Rosenbergen 49 zu beginnen. Anrainer, die das spitzgekriegt hatten, versuchten, das dadurch zu verhindern, dass sie ihre Autos entlang des Grundstücks parkten, damit die Baufahrzeuge nicht zufahren konnten. Friedlmayer holte die Polizei. Diese überzeugte die Anrainer, dass sie nicht parken dürften, da, rechtlich gesehen, zwei Fahrstreifen freibleiben müssten. Die Anrainer parkten um.

Und seither revanchieren sich Friedlmayer bzw. sein Partner, der Pizzeriabesitzer aus Gerasdorf, mit Anzeigen, sollten sie nochmals auf der Straße parken. „Mittlerweile haben wir uns Alternativen auf freien Grundstücken geschaffen, aber so kann es nicht weitergehen“, sagt ein Anrainer. Denn der Pizzeriabesitzer patrouilliert mindestens einmal täglich durch die Straße, manche fühlen sich von ihm sogar verbal bedroht. „Wir bemühen uns, bei der Bezirkshauptmannschaft möglichst rasch einen Termin für eine Verkehrsverhandlung zu bekommen, damit wir die Parkplatzsituation lösen können“, steht Bürgermeister Markus Koller hinter seinen Bürgern.

Das wahre Problem ist für die Anrainer und den Bürgermeister allerdings die Vorgangsweise des Bauwerbers: „Wie kann der ohne Bauverhandlung anfangen zu bauen?“, ärgert sich eine Anrainerin: „Der glaubt anscheinend, er muss sich nicht an die Gesetze halten!“

Doppelhaus geplant

Leopold Friedlmayer, der mit seinen Bauprojekten vor allem in Gerasdorf schon für viel Aufsehen gesorgt hatte, will auf zwei Grundstücken in den Rosenbergen je ein Doppelhaus mit je 278 Quadratmetern Wohnfläche auf fünf Etagen errichten. Die Anrainer fürchten, dass das so aber nicht gebaut wird und das Projekt dann in ein Mehrparteienhaus umgebaut wird. „Bei einem der beiden Häuser fehlt noch die Vermessung des Grundstücks, für das zweite haben wir schon Pläne bekommen und waren mit Sachverständigem und Anrainern auf Lokalaugenschein“, sagt Koller: „Fakt ist, dass das Projekt noch nicht beurteilungsfähig ist.“

Das Ortsgutachten sei zwar positiv ausgefallen, „Es ist aber nicht 100 Prozent so, wie ich mir das vorstelle“, gesteht der Bürgermeister. Hinsichtlich der Bauklasse gebe es hingegen keine Probleme.

„Anscheinend wollte Friedlmayer Druck machen“, glaubt Koller. Auf die Androhung, auf Baueinstellung bei der Bezirkshauptmannschaft anzuzeigen, habe Friedlmayer nur lapidar gemeint: „Das ist nur eine Verwaltungsstrafe.“ Koller hatte gekontert, er werde täglich eine Dokumentation der Bauarbeiten machen und das jeden Tag anzeigen.

Die Baufirma, deren Maschinen am Rosenbergen arbeiteten, informierte Koller, dass sie auf einer Baustelle ohne Baugenehmigung arbeiteten, worauf sie wieder abgezogen wurden. Man hatte sich darauf beschränkt, einen alten Keller am Grundstück abzureißen.

„Wie kann der ohne Bauverhandlung anfangen zu bauen? Der glaubt anscheinend, er muss sich nicht an die Gesetze halten!“Verärgerte Anrainerin

Friedlmayer versteht die Aufregung der Anrainer nicht: „Wir wollen nicht mit den Nachbarn streiten, sondern nur in Ruhe und Frieden, selbstverständlich nachbarschaftsverträglich, unser Bauvorhaben schnellstmöglich durchziehen“, sagt er. Geplante Bauzeit: maximal 1,5 Jahre. „Ich baue nur, weil es mir Spaß macht, das ist ein Hobby für mich“, sagt er im NÖN-Gespräch: „Nur manchmal gibt’s Nachbarn, die glauben, ich bin bösartig.“

Warum hat er ohne Baugenehmigung mit dem Arbeiten begonnen? „Das war möglicherweise nicht gesetzeskonform und eine Verwaltungsübertretung“, gesteht er ein: „Aber die Nachbarn machen Verwaltungsübertretungen seit 20 Jahren, indem sie ihre Autos auf der Straße parken.“ Er habe das nur aufzeigen wollen.

Was ist, wenn sich Gemeinde und Anrainer gegen die Baupläne sperren? „Rosenbergen ist eine lange Straße. Da parken sicher viele Leute illegal“, stellt er seinen Kritikern in Aussicht.