Kampf ums Überleben im Hochleithenwald. Viel hat sich in dem Wald bereits verändert, Schadstoffe und Trockenheit setzen ihm weiter zu.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 22. August 2019 (04:34)
C. Szeker
Die Teilnehmer einer Wanderung durch den Hochleithenwald erfuhren von Förster Hubert Schöfberger viel über dessen Arbeitsplatz.

An einer lichten Stelle haben sich im Hochleithenwald einige Teilnehmer einer WUI-Wanderung und Forstmeister Hubert Schöfberger eingefunden. Die Wanderer befinden sich am Weg nach Auersthal zum Heurigen, Schöfberger nutzte die Gelegenheit, um den Interessierten über den Wald zu erzählen. In den Händen hält der Forstmeister einen kleinen Götterbaum, den er soeben ausgerissen hat. Der Baum aus Asien ist eines der Probleme, mit welchen er zu kämpfen hat.

Aus dem Osten importiert, wächst der Götterbaum in einem Jahr bis zu drei Meter. Sein Holz hat die Qualität der Esche, allerdings wird auch der asiatische Baum von einem Pilz befallen. Dieser Pilz ist jedoch Resultat eines menschlichen Eingriffs, denn er wurde in der Lobau absichtlich eingeführt, um dem Götterbaum Herr zu werden.

„Es gibt nur ein Zurück zu dem, was einmal war, sonst werden wir austrocknen.“Hubert Schöfberger, Forstmeister

Somit bleibt der Baum für die Traun’sche Forstverwaltung eine Plage, denn sein Holz kann des Pilzes wegen nicht wirtschaftlich verwertet werden. Die Waldgesellschaft hat sich im rund 3.000 Hektar großen Hochleithenwald damit deutlich verändert, denn ursprünglich war er ein Eichen-Hainbuchen-Mittelwald.

Eine große Ursache für die negativen Entwicklungen sind laut Schöfberger neben dem Klimawandel die Trockenlegungen von Feuchtgebieten in der Umgebung. Der Förster erinnert sich: „Von Niederkreuzstetten bis Großengersdorf gab es Sumpfgebiete.“ Diese haben lokale Gewitter angezogen, was sich nach den Trockenlegungen in den 1970er-Jahren bemerkbar machte. Denn dann fehlten etwa 70 Millimeter Niederschlag im Jahr - der Regen wird im Wald seit 1950 gemessen.

Schadstoffe in der Luft als Problem

Ein Problem sind für die Bäume zudem die Schadstoffe in der Luft: Sie verkleben die Spaltöffnungen in deren Blättern. Regnet es mehr können die Bäume allerdings auch größere Schadstoffmengen verarbeiten. Das Ergebnis der negativen Einflüsse ist jedenfalls eine Geschichte des Verfalls: „Die Ulme ist im Grunde ausgestorben“, sagt Schöfberger. Derzeit sind es die Eichen, welche große Schwierigkeiten haben und die Eschen sind bekannterweise von Pilzen befallen.

Forstmeister Schöfberger und sein Team durchkämmen daher jedes Jahr den ganzen Hochleithenwald und schneiden aus, was zu krank ist. „Was wir da machen, ist eine Zwangsbestattung“, sagt er wehmütig. Eine Gesamtfläche von etwa 40 Hektar wird daher für Versuche herangezogen, um Bäume für die Zukunft ausfindig zu machen. Dazu zählen etwa einige Robinienarten oder Douglasien als Ersatz für die Kiefern.

Um ein weiteres Waldsterben zu verhindern, ist für Schöfberger jedenfalls klar: „Es gibt nur ein Zurück zu dem, was einmal war, sonst werden wir austrocknen.“ Dass ein Rückkauf der ehemaligen Sumpfgebiete, welche mittlerweile Ackerland sind, schwierig ist, ist dem Förster bewusst. Allerdings könne man für eine Renaturierung dieser Gebiete Förderungen nutzen, appelliert Schöfberger.