Streit unter Nachbarn: Woher kam das Wasser?

Der Wasserschaden an einer Mauer führte zwei Nachbarn aus Wolkersdorf in den Streit.

Michael Pfabigan
Michael Pfabigan Erstellt am 25. September 2021 | 05:05
Gericht
Foto: NOEN, Erwin Wodicka

„Ich glaube, dass sie gerne streiten. Mir ist es gleich.“ Richter Andreas Futterknecht hatte zwei seit Jahren vor Gericht streitenden Nachbarn, einen Vergleich nahegelegt, da durch das Zivilrechtsverfahren nur Kosten anfallen würden.

Zudem sei nach den vorliegenden Unterlagen unwahrscheinlich, dass der 56-jährige Nachbar in der Frage recht bekäme. Der lehnte das aber ab, da er sich nicht im Unrecht sieht. Ein Vergleichsangebot des 62-jährigen Nachbarn hatte er ausgeschlagen.

Die Frage, die vergangene Woche am Landesgericht Korneuburg geklärt werden sollte, war, ob der Wolkersdorfer im April 2020 Wasser an die Hausmauer des Nachbarn zugeleitet hatte. Streitwert waren 17.241 Euro Sanierungskosten.

Um das Verfahren entsprechend abzukürzen, bestand der Richter darauf, sich nur auf die Vorfälle im April 2020 zu konzentrieren. Entsprechend wurden gleich einige Zeugen aussortiert, die nur zu früheren Vorfällen aussagen konnten. Kürzer wurde die Verhandlung dann doch nicht, nach einer Mittagsunterbrechung wurde in den großen Schwurgerichtssaal verlegt.

Beklagter legte Fotos des Wasserzählers vor

Knackpunkt des Verfahrens war die Aussage des Sachverständigen: „Genau im Bereich des Schlafzimmers hat eine erhöhte Versickerung stattgefunden. Wenn das Wasser gleichmäßig vom Nachbargrundstück an die Wand gekommen wäre, wäre keine so punktuelle Versickerung geschehen.“

Dass Wasser gezielt an eine Stelle gelangt war, würden auch die Feuchtigkeitsmessungen bzw. der Feuchtigkeitsverlauf im ganzen Haus beweisen.

Der Geschädigte und Kläger behauptet, sein Nachbar habe gezielt Wasser an seine Hausmauer gebracht, der Beklagte bestritt vehement. „Wenn mir der Sachverständige sagt, es gibt nur eine Möglichkeit, wie es passiert sein kann, können alle anderen Varianten nicht stimmen“, stellte der Richter klar.

„Genau im Bereich des Schlafzimmers hat eine erhöhte Versickerung stattgefunden.“
Sachverständiger

Der beklagte Nachbar legte als Beweis, dass das Wasser nicht aus seiner Wasserleitung stammen könnte, Fotos von seinem Wasserzähler vor, um zu zeigen, dass er nur acht Kubikmeter verbraucht habe. Einen Brunnen gebe es zwar am Grundstück, der sei aber seit Jahrzehnten trocken.

Stimmt nicht, sagt der Nachbar, der beobachtet hatte, dass immer dann, wenn Wasser in seinen 1,6 Meter tiefen Wasserleitungsschacht eindrang, am Nachbargrundstück Schläuche verlegt waren bzw. in den Boden eingeleitet waren. Mit Fotos hatte er die Schlauchinstallationen dokumentiert. Allerdings kamen die Schläuche aus Regentonnen. Die würden aber nicht ausreichen, um die Hausmauer derart zu durchfeuchten, meinte der Sachverständige.

Nach fünfstündiger Verhandlung schloss Richter Futterknecht die Verhandlung. Das Urteil wird schriftlich zugestellt.