Vielfalt für Schwarz-Gelb. Neben der Varroamilbe ist auch eine eintönige Landschaft eine Schwierigkeit für die Insekten. Denn die 700 heimischen Bienenarten benötigen verschiedene Lebensräume.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 21. Februar 2020 (04:13)
Sarah Matura

Der Februar brachte bereits die ersten Tage mit frühlingshaften Temperaturen und die Schneeglöckchen zeigen bereits ihre Blüten. Die Zeit des Erwachens ist für Imker jedoch mit Ungewissheit verbunden: Denn das Bienensterben ist für die Züchter nach wie vor ein Thema. „Mit dem kämpfen wir immer“, sagt Hermann Kogl vom Imkerverband Wolkersdorf.

Die lauen Winter spielen einem Feind der schwarz-gelben Insekten nämlich in die Hände: Die Varroamilbe befällt die Brut der Bienenvölker. Minusgrade im Oktober würden helfen, da dann bei den Bienen der Brutstopp einsetzt und die Milbe sich nicht mehr so gut vermehren kann.
Ein Feind der Bienen ist aber nicht nur die Milbe, für AHS-Lehrer Rudolf Rozanek ist auch übermäßiges Mähen in den Siedlungsgebieten ein solcher. Der Lehrer unterrichtet Biologie und hat im Rahmen des Projektes „Naturführer“ die Flora und Fauna der Region Wolkersdorf in einer Buchserie erfasst. In der Withalmstraße hat Rozanek beispielsweise die Spiralhornbiene beobachtet, welche als Futterquelle die Acker-Winde benötigt. Wo die Pflanze abgemäht wurde, ist auch die Biene verschwunden. Für ihn ist daher wichtig, dass auch in Städten Lebensräume für Tiere erhalten werden.

700 Bienenarten heimisch

Denn neben der Honigbiene sind in Österreich noch etwa 700 andere Bienenarten heimisch und sie alle benötigen einen speziellen Lebensraum. Pelzbienen leben zum Beispiel in alten Gemäuern, andere leben in Totholz-Stücken. „Wir reden immer nur von der Honigbiene“, verdeutlicht Imker Kogl vor diesem Hintergrund. Dabei hat es die Honigbiene, in der vom Menschen geprägten Landschaft noch leichter als so manche andere. Denn sie bewegt sich in einem Radius von etwa drei Kilometern. Die Wildbiene fliegt hingegen nur in einem Radius von 300 Metern.

Das kann zum Problem werden, wenn sich diese Bienen vom Nektar der Blüten eines Ackers ernähren. Sind die Blüten verwelkt, müssen sie neue Nahrung finden, die darf aber nicht fernab liegen. Der Blüh-Rhythmus in der Landwirtschaft ist für die Bienen generell nicht ideal, da auf ein Überangebot an Nektar oftmals ein Mangel folgt. Auch die Grünbrachen im September und Oktober helfen leider wenig, da die Bienen im September statt auszufliegen im Bienenstock für Wärme sorgen sollten. „Die Biene hat quasi einen Kilometerzähler“, erklärt Bienenzüchter Kogl.

„Mit zehn Prozent Ausfall war man früher ein schlechter Imker, heute ist man ein guter.“Hermann Kogl, Imker

Abhilfe könnten Hecken zwischen den Feldern schaffen, da sie Raum für verschiedene Pflanzen und Blüten zu allen Jahreszeiten bieten. „Ackerrandstreifen und Hecken sind überaus wichtig, da sie Biotope miteinander verbinden können und auch als Zufluchtsorte fungieren“, erklärt Lehrer Rozanek. Ein weiterer bedeutender Lebensraum für die Insekten in gelb-schwarz sind Trockenrasengebiete wie am Wartberg in Riedenthal. Rozanek hat dort um die 200 Bienen beobachtet.

Der Stand der Dinge sieht für Imker Kogl jedenfalls wie folgt aus: „Mit zehn Prozent Ausfall war man früher ein schlechter Imker, heute ist man ein guter.“ Was verdeutlichen soll, wie sich die Umstände verschlechtert haben. Positiv ist hingegen, dass Kogl ein gesteigertes Interesse an dem Thema vernehmen kann. Allerdings sei auch wichtig, sich gut zu informieren. Manchmal fehle auch Imkern das Detailwissen über die Arbeit ihrer Kollegen in der Landwirtschaft. Kogl hat daher Vertreter des Lagerhauses eingeladen, um den Bienenzüchtern im Verein die Abläufe in der Landwirtschaft näherzubringen und Missverständnisse auszuräumen. Er würde sich freuen, wenn der Wissensaustausch in beide Richtungen gestärkt wird.