Wolkersdorf im Weinviertel

Erstellt am 13. Januar 2019, 04:00

von Christoph Szeker

Waldbewirtschaftung: Klimaerwärmung schlägt zu. Auch Eichen mit großen Kronen leiden jetzt, Feuchtgebiete könnten Abhilfe schaffen.

ForstmeisterHubert Schöfberger erklärt im NÖN-Gespräch: Bis in die 60er- und 70er-Jahre gab es öfterlokale Gewitter rund um den Hochleithenwald.  |  Szeker

Von Sommer und Hitze ist derzeit nichts zu sehen, aber Hubert Schöfberger, Forstmeister der Traun’schen Forstverwaltung, spürt die Auswirkungen der heißen Jahreszeit noch immer. „50 Prozent der neu aufgeforsteten Bäume im Hochleithenwald sind letztes Jahr wieder abgestorben“, bedauert Schöfberger im Gespräch mit der NÖN die dramatischen Zustände. Betroffen ist eine bepflanzte Fläche von 20 Hektar, Ursachen für die Schäden sind die große Hitze und Trockenheit des Sommers.

Bekannt ist der Wald vor allem auch für seinen Eichenbestand: Auf jedem Hektar sind in etwa 100 Eichen im reifen Alter zu finden, also solche, die über 100 Jahre alt sind. Sie wurden von Schöfberger und seinem Team besonders gepflegt, denn hochwertiges Eichenholz ist gefragt und kann teuer verkauft werden. Für Eichen in Furnierqualität lassen sich pro Festmeter Spitzenpreise von bis zu 1.000 Euro erzielen. Um den Bäumen ideale Wachstumsbedingungen zu ermöglichen, sind die Forstarbeiten seit 40 Jahren darauf abgestimmt, dass die Eichen möglichst große Kronen ausbilden.

"Erste Hitzewelle oft schon im Mai“"

„Seit zwei bis drei Jahren haben aber auch die großen Baumkronen keine Wirkung mehr. Die Klimaerwärmung schlägt jetzt voll zu“, beschreibt Schöfberger die Entwicklungen der letzten Jahre. Hitzespitzenwerte treten nach seinen Beobachtungen jetzt fünf Mal im Sommer auf, wo es in der Vergangenheit nur ein Mal war. „Die erste Hitzewelle haben wir oft schon im Mai“, so Schöfberger.

Für die Bäume sind Hitze und Trockenheit ein Stressfaktor, sie werden geschwächt und sind dann anfällig für Krankheiten oder Schädlinge. Eichen sind etwa von der Eichenmistel befallen, welche Blattabwurf verursacht. Das führt zu verstärktem Lichteinfall und nährt wiederum die Misteln, die Bäume werden so „ausgesaugt“.

Eine der mächtigen, aber schon etwas maroden Eichen im Hochleithenwald.  |  Szeker

Auch das Nadelgehölz ist von den Wetterbedingungen stark betroffen: „Wir mussten dieses Jahr die Hälfte der Kiefern und Lärchen wegen des Borkenkäfers ausschneiden“, bilanziert Schöfberger. Innerhalb von zwei Wochen mussten die Bäume gefällt werden.

Gibt es Lösungsansätze für die Probleme? Schöfberger blickt dazu in die Vergangenheit zurück. Bis in die 60er und 70er Jahre bestand die Umgebung rund um den Rußbach und den Weidenbach aus Schilfwiesen und Feuchtflächen. Der Vorteil dieser Biotope: „Lokale Gewitter werden von der Feuchtigkeit angezogen“, erklärt Schöfberger. Das sei etwa auch rund um die Donau zu beobachten.

Seit die Gebiete für Ackerflächen trockengelegt sind und man die Flussläufe begradigt hat, ist der Jahresniederschlag laut dem Forstmeister um 70 Millimeter abgesunken.

Einen Rückbau dieser Flächen hielte Forstmeister Schöfberger daher für sinnvoll und notwendig. Realistisch ist er aufgrund des beträchtlichen finanziellen Aufwandes, der damit einhergehen würde, allerdings eher nicht.