Bahnhof Münchendorf: Der Zug fährt wieder ab. NÖN wollte von Bahnfahrern wissen, wie zufrieden sie mit dem neuen Bahnhof sind.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 04. September 2019 (04:45)
Judith Jandrinitsch
Martin Hein ist Zugfahr-Fan und kennt sich bestens mit Fahrplänen aus . „Das ist alles zu lernen“, sagt er.

Ein junger Mann und seine Begleiterin sind die ersten Bahnkunden, die die NÖN auf dem Bahnsteig antrifft. Wohin die Reise gehe? „Nach Wiener Neustadt“, erzählen die beiden. „Jede Stunde fährt ein Zug“, erklärt Elian und macht damit klar, dass ein dichterer Zugintervall nicht Schaden könnte.

Mogha nimmt es gelassen. „Das ist bei der S-Bahn halt so, dass sie nur jede Stunde einmal fährt.“ Wichtig sei, dass die Züge wieder fahren. Mit dem Bus zum Bahnhof Hennersdorf zu kommen, als Ersatzroute quasi, sei sehr mühsam gewesen.

Judith Jandrinitsch
Elian (l.) und Mogha (r.) fuhren am Montagmorgen nach Wiener Neustadt. Der Zug kam auf die Minute pünktlich.

Schon betritt eine Dame den Bahnsteig. Sie erklärt: „Ich bin froh, dass ich wieder mit dem Zug nach Wien fahren kann.“

Sie wohne in unmittelbarer Bahnhofsnähe, im Sommer sei sie mit dem Auto bis nach Siebenhirten gefahren und dann mit der U-Bahn weiter bis zu ihrem Bestimmungsort. Der Haken daran: „Es war fast unmöglich, rund um die U-Bahn-Haltestelle einen Parkplatz zu finden.“ Kurz darauf eilt Pro Münchendorf Gemeinderat Helmut Schume über den Bahnsteig. Er ist sehr zufrieden, dass er den Schienenersatzverkehr, sprich die Busse zum Hennersdorfer Bahnhof, nicht mehr nutzen muss.

Baustelle im Ort als zusätzliche Hürde

Er berichtet von nicht immer positiven Erfahrungen: „Als die Kreisverkehr-Baustelle eingerichtet wurde, brachte das verkehrstechnisch natürlich Verzögerungen mit sich. Dadurch ist mir der Zug einmal direkt vor der Nase davongefahren, das hat mich schon sehr geärgert. Der Herr Lokführer hätte eigentlich mitbekommen müssen, dass der Bus gerade eingetroffen ist.“

An dieser Stelle mischt sich Martin Hein ins Gespräch ein. Der Inhaber der Österreich-Card und der Senioren-Vorteilscard raunzt nie über sich angeblich ständig verspätende Züge, weiß alle Zugpläne zu lesen und hat auch eine Fahrplan-App auf sein Handy geladen. Er unternimmt Nah- und Fernreisen mit der Bahn und ist vom neuen Münchendorfer Bahnhof sehr angetan.

Was ihn allerdings ärgert: „Leider wird medial immer dann über die Bahn berichtet, wenn irgendetwas nicht passt. Funktioniert alles reibungslos, dann spricht niemand darüber.“

Schon während der Bauphase war Martin Hein in Kontakt mit dem Bahn-Ombudsmann. Er weist mit der Hand über die Bahngleise und sagt: „Ich wohne dort hinten, bin mit dem Rad zum Bahnhof gefahren. Ich habe angeregt, auf der Rückseite des Bahnhofes auch Mistkübeln aufzustellen, da fahren auch Jugendliche mit ihren Rädern herum, die wissen dann nicht, wohin sie ihre leeren Getränkedosen geben sollen.“

Hein setzt auf das persönliche Gespräch, auch diesbezüglich lobt er die ÖBB-Mitarbeiter. „Ich wollte für eine Verwandte zu deren 50er eine Reise per Sparschiene buchen, das geht normalerweise nur über das Internet. Mir wurde aber persönlich in dieser Hinsicht am Wiener Hauptbahnhof weitergeholfen.“