Anrainerinitiative gegen Straßenbahnreaktivierung. Bürgerinitiative sieht bei der Reaktivierung der Kaltenleutgebener Bahn nur Vorteile für Wien. Anwohner würden wegen Lärm auf Strecke bleiben.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 05. August 2020 (05:31)
Mithilfe von Crowdfunding wurde der Bahnsteig bei Kaltenleutgeben saniert, auf Initiative des Vereins „Kaltenleutgebner Bahn.“
privat

Der NÖN-Bericht über eine mögliche Wiederbelebung der Kaltenleutgebener Bahn, die gerade von der SPÖ im Moment vehement gefordert wird, bringt die betroffenen Anrainer auf den Plan.

So meint Franz Wutzl, Sprecher der Anrainer-Iniative Wassmuthgasse in Perchtoldsdorf: „Die ‚Idee‘ von SPÖ-Stadträtin Ulli Sima (Wien) bezüglich der Verlängerung der Straßenbahn nach Perchtoldsdorf auf der Trasse der ehemaligen Kaltenleutgebner Bahn ist überhaupt nicht neu, sondern war in verschiedenen Formen schon wiederholt da. Immer ergaben Untersuchungen/Studien, dass ein neuer, regelmäßiger Personenverkehr auf dieser Trasse völlig unwirtschaftlich wäre. Trotzdem taucht dieses Thema – meist aus politischen Gründen/Wahlkampf – immer wieder auf.“

Anrainer fürchten Lärmbelästigung

Die Anrainer-Initiative trete seit jeher gegen jeden neuen Personenverkehr auf der erwähnten Trasse auf, weil sie eine massive Lärmbelästigung aufgrund der Streckenführung befürchtet.

Wutzl macht klar, dass es die Anrainer nicht zulassen werden, „dass über uns von Politikern einfach ‚drüber gefahren‘ wird, dagegen werden wir uns mit allen demokratischen Mitteln zur Wehr setzen.“

Andreas Hacker, Regionalmanager des Stadt Umland Management Wien Niederösterreich erinnert daran, dass es bereits 2012/2013 eine Untersuchung zur Reaktivierung der Kaltenleutgebner Bahn für den Personenverkehr gegeben hat. Vor allem das Wohnbauprojekt Waldmühle Rodaun sowie die Anbindung des Schulstandortes der Sta. Christiana ebenfalls in Rodaun habe die Diskussion um die Kaltenleutgebner Bahn damals wieder aufflammen lassen. Gegen das Bahnprojekt habe schon damals gesprochen, „dass im fußläufigen Einzugsbereich relativ wenig Menschen wohnen, der Bus flexibler ist und vor allem auch die Schulstandorte direkt anbindet. Auch damals hat es schon Anrainerproteste gegen die verstärkte Nutzung der Bahntrasse gegeben“, sagt Hacker.

Experten, Vertreter aus Wien, Niederösterreich, dem Bezirk Liesing und den Gemeinden Kaltenleutgeben und Perchtoldsdorf waren sich damals einig, dass die Wiederaufnahme eines Bahnbetriebes aufgrund der hohen Investitionskosten bei vergleichsweise niedrigem Fahrgastpotenzial nicht vertretbar wäre. Die Wiener Linien hingegen arbeiten im Moment an den Grundlagen einer möglichen Betriebsaufnahme, Sprecher Michael Unger erklärt: „Wir evaluieren gerade die Grundlagen. Das heißt, wie könnte man dieses Vorhaben realisieren, welchen Nutzen bringt es, was braucht es für einen Bahnbetrieb hinsichtlich Technik/Infrastruktur, wie ist der Zustand der bestehenden Strecke, was müsste daran modernisiert oder neu gebaut werden. Es geht um Konzepte für einen möglichen Bahnbetrieb. Das dient dann als Grundlage für Verkehrsplaner und in weiterer Folge für die politischen Entscheidungsträger.“

Was vielfach übersehen wird: Die Bahntrasse wird derzeit vom „Verein Kaltenleutgebner Bahn“ dazu genutzt, um Nostalgiefahrten durchzuführen. Die Gruppe rund um Obmann Fabian Köhazy setzt sich schon länger dafür ein, dass die Trasse weiter befahrbar bleibt. Für die Bahnsteigsanierung hat sie sogar ein Crowdfunding-Projekt gestartet.

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