Beißkorb empört die Tierfreunde. Beißkorbpflicht für Hunde an belebten Plätzen kommt nicht bei allen gut an. NÖN eruiert Pro & Contra.

Von Daniela Purer. Erstellt am 13. November 2019 (04:03)
Vor den Toren des Tierschutzhauses in Vösendorf landen regelmäßig Hunde, die ihren Besitzern lästig oder zu mühsam geworden sind. Madelaine Petrovic: „Das zeigt alleine schon, dass der Mensch das Problem ist und nicht der Hund.“
Wiener Tierschutzverein

Für Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörten sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen. Laut Auskunft der Bezirkshauptmannschaft Mödling gab es im heurigen Jahr bisher 47 Anzeigen wegen Übertretung des Hundehaltegesetzes.

Erste Instanz in Tierschutzfragen ist im Bezirk Mödling die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereines mit Sitz in Vösendorf, Madeleine Petrovic.

Gabriele Bone-Geyer ist Mitglied der DogWatcher und verbringt gerne Zeit mit ihrem vierbeinigen Liebling Desi auf der Meiereiwiese in Mödling. 
privat

Im Tierschutzhaus Vösendorf sind derzeit 194 Hunde untergebracht, davon sind 40 sogenannte Listenhunde. Präsidentin Madeleine Petrovic sagt über das NÖ Hundegesetz im NÖN-Gespräch: „Diese verschiedenen Hundehaltungsgesetze der Bundesländer sind à la longue nicht zielführend, wir vermissen einen einheitlichen bundesweiten Mindeststandard. Wir sind grundsätzlich dafür, dass die Haltung von Hunden geregelt wird und Hundehalter vor allem auf schutzbedürftige Menschen wie Kinder oder älterer Personen Rücksicht zu nehmen haben. Alles über einen Kamm zu scheren ist jedoch unvernünftig. Das heißt: Rücksichtnahme bedeutet, dass man an besonders belebten Orten ganz besonders drauf achten muss, dass Tiere so geführt werden, dass auch ängstliche Menschen keine Sorge haben müssen.“

"Man braucht nicht zu diskutieren"

Dem schließt sich auch Karl Holzer, Vorsitzender des österreichischen Vereins für deutsche Schäferhunde, SVÖ, in Mödling an: „Man braucht nicht zu diskutieren, dass Listenhunde auf bestimmten Plätzen Leine und Beißkorb brauchen. Bei kleinen Hunden ist es eher lästig als sinnvoll.“

Ihn stört die Hundehetze, diese ist laut Karl Holzer dem fehlenden gesunden Hausverstand geschuldet: „Schuld ist nicht der Hund, sondern der Hundeführer, wenn etwas passiert.“

Madeleine Petrovic fordert daher: „Wir verlangen im Gegenzug, dass auch die Interessen der Hunde und Hundehalter adäquat berücksichtigt werden. So muss es ausreichend große und gut ausgestattete Freilaufzonen für Hunde geben. Weiters sollte der richtige Umgang mit Tieren für Kinder bereits in Kindergärten und in weiterer Folge auch im Schulunterricht Standard sein. Und letztlich müssen die Behörden dazu ermächtigt sein, das Gesetz mit Augenmaß vollziehen zu können. So ist beispielsweise bei Hundewelpen, kranken oder alten Hunden das Tragen eines Maulkorbes abzulehnen.“

Johannes Hammerl ist als Kursleiter beim österreichischen Gebrauchshundesportverband (ÖGV) tätig und hat im Jahr 2015 die Firma DogWatcher gegründet. Im gesamten Mödlinger Stadtgebiet sind die DogWatcher als Streetworker unterwegs mit dem Auftrag: Informieren und Aufklären statt Strafen. Hammerl: „Die Aufregung wegen des neuen Gesetzes war in den sozialen Medien groß. Aber es wird sich tatsächlich nicht viel ändern. Das einzig Relevante ist nun, dass man an Plätzen, wo es zu Menschenansammlungen kommt, Leine und Beißkorb benützen muss.“

Der diesjährige Hiatavater, Gerhard Vizdal aus Perchtoldsdorf ist selbst Besitzer eines Hundes, der sich bei ihm im Lokal frei bewegen darf: „Maulkorb und Leine vor dem Lokal ist für mich in Ordnung. Aber ich werde meinem Hund sicher keinen Beißkorb in meinem eigenen Lokal aufsetzen!“

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