Landwirte setzen auf Bio. Wenig Niederschläge und fehlende Nachfolge machen den Bauern im Bezirk Mödling zu schaffen.

Von Daniela Purer. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:40)
Benedikt Weiss
Auch am „regional & kostbar“-Markt am Mödlinger Josef Deutsch-Platz herrscht reges Treiben: Hans Stefan Hintner, Berit Gröbl mit ihren Köstlichkeiten der Rhoncus-Manufaktur, Christoph Kny, Klaus Percig, Gerhard Wannenmacher, Silvia Drechsler und Klaus Hochkogler.

Österreich hat mit 25 Prozent den höchsten Anteil an biologischer Landwirtschaft in ganz Europa. Der EU-Durchschnitt beträgt gerade einmal sieben Prozent. 2018 stieg dieser Wert in Österreich auf Rekordniveau.

Wie es um die Landwirtschaft im Bezirk Mödling bestellt ist, weiß Bezirksbauernkammerobmann Johann Tröber aus Vösendorf: „Flächenmäßig gesehen betreiben die Mödlinger Landwirte eher konventionelle Landwirtschaft. Trotzdem hat Mödling einen überdurchschnittlich hohen Bioanteil von 34 Prozent. Vor allem größere Betriebe haben in den letzten Jahren umgestellt.“

Der Klimawandel mache den Bauern in der Region zu schaffen und sei verantwortlich für Mengen- und Preisdruck. „Ich mache Niederschlagsaufzeichnungen für das Land“, betont Tröber: „Speziell die Regenverteilung ist ungleicher geworden. Das wirkt sich vor allem auf die Menge der Erträge aus. Wir sind gerade bei der Herbstaussaat, wenn es nicht regnet, können wir die Erträge nicht mehr aufholen.“

"Es bedarf künftig einer Umstellung"

Breitenfurts Bürgermeister Josef Schredl ÖVP, ist selbst Biolandwirt und bestätigt: „Wir spüren den Einfluss des Klimawandels natürlich. In der Region gibt es bereits seit mehreren Jahren weniger verwertbare Niederschläge, die der Boden auch aufnehmen kann. Das führt zu weniger Erträgen; es bedarf künftig einer Umstellung.“

Laut Schredl haben Landwirte in Mödling dank „Bio“ und Direktvermarktung die Möglichkeit, dem Preisdruck zu entgehen, aber: „Generell kann sich nicht jeder Bio leisten. Unser Ziel ist es, so biologisch wie möglich zu arbeiten, aber man muss das Gesamtbild im Auge behalten und umgelegt auf die Welternährung braucht es Massenerzeugung. Das wirkt sich dann auf die Preispolitik aus.“

Die Regionalität fördern – das ist auch Werner Ambrosi, Inhaber des Nahversorgers „Naturstube“ in Perchtoldsdorf, wichtig.

Seine Waren bezieht er vor allem von Landwirten aus der Nähe. Typische Kunden bei ihm sind vor allem Personen, die sich mit Lebensmitteln auseinandersetzen. „Wir haben großteils Stammkunden.“

Klima wirkt sich stark auf die Quantität aus

Das immer extremer werdende Klima wirke sich eher auf die Quantität der Produkte aus, ergänzte Tröber: „Durch den trockenen April haben wir auf den schwächeren Böden Ertragseinbußen gehabt. Das war vor allem beim Getreide spürbar.“

Und nicht nur Getreide ist betroffen, wie Schredl weiß: „Wenn ich zu wenig Futter für meine Tiere habe, muss ich entweder Futter zukaufen oder Vieh verkaufen. Beim Futter zukaufen kommt dann die Wirtschaftlichkeit ins Spiel. Wird zu viel Vieh verkauft, überschwemmt das den Markt.“

Fragt man die Landwirte nach der Problematik der Nachfolge, so sind Tröber und Schredl unterschiedlicher Meinung. Laut Tröber sei es „stark spürbar, dass vor allem kleinere Höfe aufgrund fehlender Nachfolge schließen müssen: vor zehn Jahren gab es definitiv mehr Landwirte“. Schredl wiederum beobachtet bei der Jugend einen Wertewandel in Richtung „zurück zur Natur und Regionalität“. 2010 – die Erhebung wird alle 10 Jahre durchgeführt – zählte man im Bezirk Mödling 439 landwirtschaftliche Betriebe. Aktuellen Schätzungen zufolge dürften es jetzt nur noch 330 sein.

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