Nun vor Gericht: Ehepaar als Dauergäste im Spital. Ein Ehepaar steht derzeit in Wiener Neustadt wegen fortgesetzter Gewaltausübung und Betrugs vor Gericht, weil es seine beiden Kinder „unzähligen Untersuchungen“, wie die Richterin betonte, absolvieren ließ, ohne dass es dafür echte Gründe gab. Mediziner hatten den Stein ins Rollen gebracht.

Von Red. Mödling. Erstellt am 08. Juni 2021 (18:13)
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APA (Symbolbild)

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Eltern aus dem Industrieviertel zum Gesundheitszustand ihrer zwei Kinder, 2013 und 2018 geboren, falsche Angaben gemacht haben, sodass die Kinder eine Vielzahl unnötiger medizinischer Untersuchungen über sich ergehen lassen musste. Die Staatsanwältin erklärte: „Die 8-jährige Tochter musste mehrfach teilweise wochenlange stationäre Krankenhausaufenthalte inklusive Zwangsernährung mittels Sonde erdulden, der 3-jährige Sohn stationäre Krankenhausaufenthalte mit Operationen.“ Die Eltern sollen durch die falschen Angaben von der Pensionsversicherungsanstalt unrechtmäßig Pflegegeld in Höhe von 23.000 Euro bezogen haben.

Die Mutter, 32, erklärte weinend, dass sie immer nur das Beste für ihre Kinder gewollt habe. Nach einer Kaiserschnittgeburt sei sie „so schnell Mutter geworden", dass sie sich schwer getan habe. Vorab hatte ihre Anwältin gemeint, dass "man zwar zum Autofahren einen Führerschein machen muss, aber wenn man mit einem Baby aus dem Spital kommt, wird man ins kalte Wasser geworfen“.

Die Tochter hätte, so die Mutter, nicht richtig zugenommen, öfter erbrochen und deshalb sei sie ins Spital gegangen, denn das lag näher als der Kinderarzt. „Ich war im Stress, habe dauernd gezweifelt, ob ich alles richtig mache“, erzählt die damals Alleinerziehende. Es folgten zahllose Spitalsaufenthalte und fast ein ganzes Kindergartenjahr auf der Kinder-Psychiatrie, weil der 32-Jährigen immer mehr Symptome beim Kind "auffielen". Das Kind wurde allerdings stets als gesund entlassen. Auf die Frage der Richterin, ob sie jemals das Kind als gesund angesehen habe, antwortete die Frau: „Ich habe es anders gesehen“. Sie soll auch bei Kindergarten- und Schuleinschreibung sehr viele medizinische Probleme ihrer Tochter genannt haben, von einer Immunschwäche bis zu einer fehlenden Niere.

Beim Besuch eines Arztes von der PVA listete die Frau unzählige Symptome und mögliche Krankheiten bis hin zu Autismus auf, sodass das Kind in die Pflegestufe 4 eingeordnet wurde. Dem kleinen Bruder erging es ganz ähnlich, auch da versuchte das Ehepaar, Pflegegeld zu bekommen. Bis eine Ärztin begann, nachzuforschen, sich die Mediziner vernetzten und das Jugendamt informierten. Im Dezember 2019 wurden die Kinder dem Ehepaar entzogen. Der Prozess geht am Freitag weiter.