Online-Unterricht: Musik spielt‘s im Computer. Der virtuelle Musikschulunterricht sei im Bezirk Mödling eine Alternative – oft mangle es aber an der technischen Ausstattung.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. April 2021 (05:34)
Der Klavier-Klassenabend von Akari Komiya an der Joe Zawinul-Musikschule wird via Videokonferenz abgehalten.  
Nebuda

Martin Weber, Direktor der privaten Musikschule Gießhübl, sieht „die große Herausforderung in der Ungewissheit, wie lange das so geht. Das zweite Problem ist die Variabilität, denn nicht jedes Instrument ist in gleicher Weise durch den Computer zu erfassen“.

Die Motivation sei gut, „alle haben technisch dazu gelernt, da gibt es oft auch Schwierigkeiten im privaten Bereich, die Eltern wollen zwar, können aber oft nicht, besonders wenn sie mehrere Kinder haben. Da sinkt dann auch schon mal die Motivation der Kinder.“

Die Kinder sind irrsinnig dankbar, dass überhaupt Musikunterricht stattfindet.“ Andreas Tieber, Direktor der Joe Zawinul-Musikschule Gumpoldskirchen

Den Lehrern der Musikschulen geht es schlecht, denn nur wenige sind zu 100 Prozent Angestellte, die meisten unterrichten acht bis zehn Stunden pro Woche und verdienen sich sonst ihren Lebensunterhalt als Künstler mit Auftritten. Wiener Neudorfs Musikschuldirektor Robert Rother, auch Mitglied des Blechbläserensembles „Mnozil Brass“, ist frustriert: „Das Fehlen von Auftrittsmöglichkeiten ist definitiv eines von vielen Problemen, das teilt sich zu drei Dritteln gerecht auf Schüler, Eltern und Lehrer auf. Es ist für niemanden toll, auf etwas hinzuarbeiten, das nicht in gewohnter Weise performt werden kann. Diese Interaktion zwischen Publikum und Künstler fehlt komplett, natürlich schlägt sich das auch in der Motivation nieder.“

Positiv sei, dass die Musikschule für die Online-Arbeit „sehr gut aufgestellt ist, beispielsweise haben sich unsere Lehrer in Eigenregie eigene Mikrofone gekauft, um gute Klangqualität sicherzustellen und zielgerichteter eingreifen zu können“, erzählt Rother. Mit dem Lernen unter Corona-Bedingungen tun sich die Jungen nicht schwer, sie sind mit der Elektronik aufgewachsen und haben dazu einen ganz anderen Zugang. Glücklicherweise sind viele unserer Lehrer relativ jung, die neuen Unterrichtsmethoden stellen auch für sie keine allzu große Herausforderung dar. Unsere Schülerzahlen sind konstant.“

Motivation ist das schönste Geschenk

Auch in der Musikschule Brunn am Gebirge–Maria Enzersdorf haben Schüler und Instrumentalpädagogen „die Herausforderungen gut im Griff“, weiß Wolfgang Weißensteiner. „Die Motivation unserer Schüler ist das schönste Geschenk in dieser Situation, die meisten haben einfach weitergemacht und mit Fantasie und Einsatz gemeinsam mit den Lehrenden Wege gefunden, ihre Ausbildung weiterzuführen. Ich halte persönlich gar nichts davon, das Bild einer Lost Generation zu zeichnen. Wer als Kind oder Jugendlicher eine Situation wie die bestehende bewältigt, hat sicher keinen Rückstand, sondern vielmehr Rückgrat.“

Für Andreas Tieber, Direktor der Joe Zawinul-Musikschule in Gumpoldskirchen, hat sich der Musikunterricht während der verschiedenen Phasen der Pandemie „als wichtiger Ankerpunkt für Kinder und Eltern erwiesen: Die Kinder sind irrsinnig dankbar, dass überhaupt Musik-Unterricht stattfindet“. Aktuell werden sowohl der Unterricht als auch die Klassenabende via Zoom abgehalten. In einer Klavierklasse waren 35 junge Musiker und ihre Verwandten mit dabei.

„So konnte auch eine Oma aus Irland bzw. Bekannte aus Japan den Auftritt eines Kindes mitverfolgen“, freut sich Tieber. Der Online-Unterricht sei eine gute Alternative, um nicht ganz aus der Übung zu kommen, allerdings kein Vergleich zum ungestörten Unterricht in persönlicher Präsenz. Ebenfalls erfreulich: „Derzeit sieht es nicht so aus, als ob die Anmeldezahlen rückläufig würden“, bestätigt Tieber.

Harald Stahara, Leiter der Musikschule Breitenfurt, ist „froh, dass wir den Online-Unterricht haben. Es fehlen hinsichtlich der Motivation der persönliche Kontakt, das gemeinsame Musizieren und die Auftrittsmöglichkeit. Rückläufig sind die Zahlen insofern, als es bei manchen Eltern mit der Online-Variante nicht klappt.“

Christian Riegelsperger von der Franz Schubert-Musikschule Hinterbrühl ist guten Mutes: „Natürlich ist Präsenzunterricht besser, aber nach und nach bekommen wir mit der Online-Variante auch mehr Erfahrung.“

Paul Dauda lernt in der Musikschule Laxenburg-Biedermannsdorf Posaune. Er vermisst den Präsenzunterricht, denn so angenehm er das Home-Schooling empfindet, so wenig geeignet hält er dieses für den Musikunterricht. „Im Fall des Falles kann einem niemand zeigen, wenn man sich verspielt oder es nicht gleich versteht, wie man ein Musikstück richtig anlegt. Duette sind ebenfalls nicht möglich, von Auftritten im Ensemble ganz zu schweigen.“