Schulschluss: Auch das Positive mitnehmen. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern im Bezirk Mödling, wie es ihnen ergangen ist.

Von Michelle Schüller. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:45)
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Daniela Berl, Elternvereinsobfrau der Volksschule Laxenburg, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Zeit zurück. „Homeschooling funktionierte großteils gut, doch die Kinder wurden dabei vor einige Probleme gestellt.“ Berl bezieht sich dabei auf den digitalen Ablauf des Schulalltags, Eltern mussten oft helfen, eine Doppelbelastung für viele Erwerbstätige: „Es war eine intensive Phase, den Balanceakt zu schaffen.“ Berl ortet Verbesserungsbedarf: „Es gab zu viele Kanäle, über die Infos an Schüler und Eltern weitergegeben wurden.“

Geht es nach Denis Bickel, Lehrerin in der Ganztagesvolksschule Münchendorf, ist „das Homeschooling im Großen und Ganzen gut gelaufen; es war allerdings nur mit großem zeitlichen Mehraufwand möglich“. Auch der Wiedereinstieg nach dem Lockdown sei „für alle schwierig gewesen. Viele Kinder waren an die Abläufe in der Schule nicht mehr gewohnt“. Dennoch ist Bickel überzeugt: „Wenn alle zusammenarbeiten, im Kollegium, die Eltern, die Lehrer, kann man auch aus solchen Situationen das Beste herausholen.“

Leo (7) aus der Volksschule Gaaden fand es, „cool, die Aufgaben zu Hause zu erledigen“. Die Freude über den Schulstart ging Hand in Hand mit einer Frage: „Warum habe ich an zwei Tagen Schule und dann drei Tage wieder nicht?“. Im Großen und Ganzen hat Leo aber alles geschafft: „Die Eingewöhnung ging schnell, der Schulalltag hatte mich bald wieder.“

Leo aus Gaaden fan d Homeschooling durchaus „cool“.
privat

Martin Pfeffer, Direktor der Höheren Lehranstalt Mödling (Mode, Produktpräsentation & Präsentation) war es stets wichtig, „auch unter diesen beispiellosen Bedingungen qualitativ hochwertigen Schulbetrieb gewährleisten zu können“. Pfeffer ist auch sicher, dass die Erfahrung für die Schüler langfristig gesehen positiv sein werden. „Die Schülerinnen und Schüler haben nach der Phase des Distance Learnings häufig berichtet, dass sie im Hinblick auf Zeitmanagement und Selbstorganisation viel gelernt hätten.“

Plan für möglichen weiteren Lockdown

Brigitte Schmid, Direktorin der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) Biedermannsdorf, gibt zu, dass „anfangs einige Lehrer übermotiviert waren. Sie haben teilweise zu viele Aufgaben übermittelt, was den Überblick, welches Medium in welchem Fach verwendet werden sollte, schwierig gemacht hat.“ Das Resultat eines Onlinefragebogens sorgte für Klarheit: „Wir haben uns für eine einheitliche Plattform entschieden, womit alle recht gut zurechtgekommen sind.“ Was einen möglichen erneuten Lockdown im Herbst betrifft, habe man in der HLW „schon einen Plan entwickelt“, betont Schmid: „Gleich zu Beginn des Schuljahres werden alle Schüler und Lehrer nochmals auf die ausgewählte Kommunikationsplattform geschult, damit ein noch reibungsloserer Ablauf sichergestellt ist.“

Über eine sehr gute Organisation während des Homeschoolings freut sich die Elternvereinsobfrau der Vienna Business School Mödling, Alice Spak. Zudem habe das „außergewöhnliche Semester gezeigt, wer selbstständig ist und wer Defizite aufweist. Ich denke aber, dass die Schüler nun verlernt haben, mit dem üblichen Leistungsdruck, wie er etwa bei einer Mathematikschularbeit vorhanden ist, umzugehen. Sie haben zwar alle zu Hause gelernt und ihre Aufgaben erfüllt, jedoch ohne ein richtiges Ziel vor Augen zu haben.“ Im Falle einer erneuten Schulschließung im Herbst wünscht sich die Elternvereinsobfrau „mehr Leistungskontrollen. Die Lehrer sollten gezielter überprüft werden, ob die Schüler das Gelernte auch wirklich verstanden haben.“

Michael Pocta, Schulsprecher des Gymnasiums Bachgasse, Mödling.
privat

Die Lockdown-Bilanz von Michael Pocta, Schulsprecher des Gymnasiums Bachgasse Mödling fällt so aus: „Viele Lehrer haben das richtige Maß an Aufgaben für uns gefunden, andere wiederum haben uns sehr überfordert“. Eines konnte Pocta sehr deutlich beobachten: „Ich bin viel selbstständiger und organisierter geworden. Ich habe angefangen, einen Terminkalender zu benutzen“, erzählt der Schüler. „Wir wissen jetzt, wo unsere Stärken und Schwächen liegen, ohne, dass wir von einem Lehrer darauf hingewiesen werden müssen.“

Gedanken an eine weitere Schulschließung will Pocta nicht verschwenden: „Da ich ab Herbst im Maturajahr bin, wäre ich über einen erneuten Lockdown nicht glücklich. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, den Stoff des Maturajahrs komplett durchzubringen.“

Umfrage beendet

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