Wenn der Fan zur Last wird: Umgangston am Fußballplatz. Verband nimmt sich Problematik „übermotivierter“ Eltern an.

Von Alexander Wastl und Markus Rubanovits. Erstellt am 13. März 2019 (04:34)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusster werden.

Dem pflichtet Wiener Neudorfs Nachwuchsleiter Wolfgang Brillmann bei: „Dabei geht es aber nicht nur um die Eltern, sondern auch um die Funktionäre. Den Kindern sollen ihre Freiheiten bleiben.“

Das scheint bitter nötig, denn dass es in diesem Bereich Probleme gibt, darüber ist man sich unter den Beteiligten einig.

Philipp Pürzl, Neo-Regionsleiter des Landesausbildungszentrums (LAZ) Industrieviertel berichtet: „Problematisch ist der Wettbewerbsgedanke in jungen Jahren. Leider wird zu oft von Eltern künstlich Druck aufgebaut und von außen negativ eingewirkt.“ Allerdings seien für Pürzl nicht nur die Eltern zu ehrgeizig, auch die Trainer wollen oft des Guten zuviel für ihre Schützlinge: „Schlussendlich wird nach jeder Aktion zum Trainer geschaut, ob es ‚eh gepasst‘ hat. Man muss Kindern die Entscheidungsfreiheit lassen, sowie ihnen Fehler zugestehen. Nur so kann Kreativität und Freude entwickelt werden.“

Auch bei den Vereinen ist man sich im Klaren, dass gewisse Entwicklungen in diesem Bereich – gerade was intervenierende Elternteile betrifft – problematisch sind. In Wiener Neudorf sorgte erst im Herbst letzten Jahres ein Vorfall für Aufsehen, als ein Schiedsrichter sich von einem Spielervater bedroht fühlte und das Spiel abbrach. Der SV Wr. Neudorf musste dafür eine Geldstrafe von 500 Euro berappen – Sanktionen gegen den Spielervater gab es laut Verein keine.

„Kinderfußball ist kein Erwachsenenfußball“

Igor Knezevic kennt die Problematik aus mehreren Perspektiven: Der 44-Jährige ist Spielervater (Sohn Oliver spielt im Admira-Nachwuchs), leitete als Schiedsrichter etliche Nachwuchsspiele und ist Trainer der U11 des ASK Bad Vöslau: „Die Eltern erzeugen zu viel Druck, sehen in den Kindern lauter Messis. Da sind Vereine und Funktionäre gefordert. Bei uns wird es nicht geduldet, wenn irgendwer den Schiedsrichter zu heftig kritisiert. Eltern dürfen anfeuern, man darf emotional sein. Einmal ist keinmal, aber wenn jemand öfter schlecht auffällt, muss er einen neuen Verein suchen. Man schadet damit auch dem Verein.“

Ein gesellschaftliches Problem sieht Südost-Hauptgruppenobmann und Vösendorf-Obmann Harald Zeller: „Es ist ja nicht nur im Fußball ein Problem, sondern generell.“ Wie dagegen vorgegangen werden könnte? „Meiner Meinung nach sollte man bereits in jungen Jahren gegen Gewalt im Fußball vorgehen und die Kinder dahingehend sensibilisieren“, meint Zeller.

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