Mödling: Nach „Orange“ Alarmstufe „Rot". Corona-Verschärfungen Gastro-, Hotel- und Lokalszene steht vor schweren Zeiten: Wirtschaftskammer-Vize spricht von Mini-Lockdown.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 23. September 2020 (03:34)
Für Bezirkshauptmann Philipp Enzinger ist „die Situation ernst, aber beherrschbar“.
Willy Kraus

In der Vorwoche haben sich knapp vor Redaktionsschluss die Ereignisse überschlagen: Die Corona-Ampel wurde im Bezirk Mödling auf Orange gestellt. Für alle überraschend, auch für Bezirkshauptmann Philipp Enzinger, der im Vorfeld „auch nicht davon in Kenntnis gesetzt wurde“. Dafür gab’s zwei Tage später einen Termin von Vertretern aller „orangen“ Städte und Bezirke im Bundeskanzleramt. Mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, ÖVP, Vizekanzler Werner Kogler, Grüne, Gesundheitsminister Rudolf Anschober, Grüne, und Innenminister Karl Nehammer, ÖVP.

Dabei wurde bekannt, warum der Bezirk Mödling raufgestuft worden war: „Wir werden quasi als gemeinsamer Ballungsraum mit der Bundeshauptstadt betrachtet“, berichtet Enzinger im NÖN-Gespräch: Dazu komme „das hohe Berufspendleraufkommen – wir sprechen von 50.000 Personen täglich – und das stark ausgeprägte gesellschaftliche Leben im Bezirk Mödling“.

Die Behörden- und Gemeindevertreter hatten auch die Gelegenheit, Forderungen beim Regierungsquartett zu deponieren: schnellere Probenentnahmen und Laboranalysen bei Verdachtsfällen.

Die gute Nachricht. Das Ampel-System, im gegenständlichen Fall „Orange“, sei „vordringlich als Frühwarnsystem für die Bevölkerung zu sehen“, betonte der Bezirkshauptmann. Für ihn ist „die Situation ernst, aber beherrschbar. Jetzt ist wieder das Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger entscheidend“.

Mund-Nasenschutz hat fast überall Saison

Allerdings traten mit Montag weitere Verschärfungen der Schutzmaßnahmen in Kraft. Unter anderem muss jetzt auch auf Märkten im Freien Mund-Nasen-Schutz getragen, ebenso wie das Personal und Gäste (nicht am Sitzplatz) in Lokalen; an einem Tisch sind maximal zehn Personen erlaubt.

Kein Wunder, dass in der Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Mödling die Telefone heißlaufen. „Bezirksstellenleiterin Andrea Lautermüller und ihr Team geben ihr Bestes, um die Mitglieder über die aktuelle Lage zu informieren“, sagte Wirtschaftskammer NÖ-Vizepräsident Erich Moser im NÖN-Gespräch.

Besonders in der Gastroszene werde die Lage immer prekärer: „Die Verschärfungen kommen einem Mini-Lockdown gleich. Ich fürchte, die neuen Maßnahmen werden für viele drastische Auswirkungen haben.“ Als Chef der Hinterbrühler „Höldrichsmühle“ weiß Moser, wovon er spricht.

„Wir haben viele Absagen bekommen. Dabei hätten wir bei diversen Feiern auf ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept zurückgegriffen“. Jetzt befürchtet er, dass eben jene Feiern in die privaten vier Wände verlegt werden. Mit mehr als den zehn Gästen und ohne Sicherheitsmaßnahmen.

Nicht zuletzt sei man in er Wirtschaftskammer auch bemüht, das Thema „Punschstände“ (Konsumation im Stehen ist aktuell verboten) zu besprechen, merkte Moser an.

Fakt ist, dass es für Gastronomie und Hotellerie „jetzt sehr schwer wird. Die Verschärfungen dürfen nicht bis Ende März gehen“.

So gut wie geworfen hat Peter Holakovsky das närrische Handtuch. Der Obmann des Mödlinger Förderungsvereines – zuständig für das Mödlinger Faschingstreiben – hat auch nach der Landessitzung der Gilden keine Hoffnung mehr.

Einzig Hoffnung auf Faschings-Sitzung bleibt

„Umzug gibt es sicher keinen, dafür übernehme ich keine Verantwortung. Auch an einen Herzogball ist nicht zu denken“. Einzig und alleine Faschingssitzungen – „allerdings in der Europa-Halle“ – könnten über die Bühne gehen. „Da weiß man allerdings noch nicht, wie das mit der Bewirtung aussieht.“ Näheres will Holakovsky nach der Bundessitzung wissen.