Großraumflugzeug aus Brunn am Gebirge

Erstellt am 14. August 2022 | 05:34
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Einer von fünf Flugplatzstandorten Österreichs befand sich im Bezirk.

Obwohl die Habsburgermonarchie vor dem Ersten Weltkrieg zu einer der führenden Luftfahrtnationen zählte, war es nach ihrem Untergang um diesen zukunftsträchtigen Zweig hierzulande außerordentlich schlecht bestellt: Der Friedensvertrag beinhaltete die Demontage aller bisherigen Fabriken und Zerstörung fast aller Flugzeuge.

Die sehr strengen Auflagen wurden erst sehr langsam gelockert – erst ab 1924 wurden die heimischen Kräfte in der ersten neuen Flugzeugfabrik der Republik Österreich gebündelt: den „AVIS“-Werken in Brunn am Gebirge.

Die erste dreimotorige Linienmaschine

Bereits im ersten Jahr wurden mehrere neue Flugzeugmodelle auf den Markt gebracht, die international für großes Aufsehen sorgten. Darunter war auch das erste österreichische Großflugzeug – die erste dreimotorige Linienmaschine im deutschen Sprachraum (etwa noch vor den berühmten Junkers in Deutschland) und damit bis heute jenes Flugzeug mit der höchsten Anzahl an Motoren, das je in der Republik Österreich gebaut wurde.

Mitte der 1920er-Jahre waren in internationalen Verzeichnissen fünf Flugplatzstandorte in Österreich erfasst: Wien, Graz, Klagenfurt, Innsbruck – und Brunn am Gebirge.

Darunter ist auf der historischen Postkarte die Unterschrift der österreichischen Segelfluglegende Robert Kronfeld zu sehen, der in der Zwischenkriegszeit große Popularität besaß. 1933 beförderte er die abgebildete Postkarte bei einem spektakulären Post-Segelflug von Wien nach Semmering. Im selben Jahr pilgerten Menschenmassen zu einer großen Vorführung seines Kunstflugkönnens nach Laxenburg. Eine wetterbedingte Notlandung im Schlossteich konnte ihn dabei nur kurz aufhalten.

Obwohl die politisch und wirtschaftlich sehr schwierigen Verhältnisse der Zwischenkriegszeit dem hiesigen Pioniertum letztlich ein Ende bereiteten – ebneten sie den Weg für den sicheren, modernen Luftverkehr, der die Welt wesentlich näher zusammenrücken ließ.