Filmisches Erbe wird in Laxenburg bewahrt. Ein neues Kompetenzzentrum, um Filme für die nächsten Generationen zu sichern, wird neben Filmarchiv gebaut.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 24. Februar 2017 (04:24)
Anna Dobringer, stellvertretende Leiterin des Filmarchives Austria, erklärte während der „Langen Nacht der Museen“ vorigen Oktober, warum eine dauerhafte Sicherung von Filmen nur analog möglich ist, auch wenn dies im digitalen Zeitalter wie ein Anachronismus wirkt. Die Themen von kommerziell genutzten Daten kam dabei genauso zur Sprache wie die Kurzlebigkeit digitaler Speichermedien.
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LAXENBURG Die Nachricht, dass Laxenburg der Standort des neuen „Film Preservation Centers“ werden soll, kam für Bürgermeister Robert Dienst, ÖVP, überraschend. „Ich habe die Standortentscheidung aus den Medien vernommen. Vorher hat mit mir niemand Kontakt aufgenommen, weder in meiner Funktion als Bürgermeister noch als Geschäftsführer der Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft. Aber es freut mich, dass Laxenburg aufgrund seiner Infrastruktur für so ein Projekt ausgewählt wurde“, hält Dienst fest.

Als Standort des Film Preservation Centers wurde das Gelände auserkoren, auf dem sich in Laxenburg außerhalb des Ortszentrums bereits Speichergebäude und der weltweit einzigartige aus Holz errichtete Nitrofilmspeicher des „Österreichischen Filmarchivs“ befinden.

Den Grund pachtet das Filmarchiv übrigens von der Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft. Die Projektentscheidung zugunsten Laxenburgs fiel aufgrund einer Studie, die das Kulturministerium in Auftrag gegeben hat.

Kultur, Kommunikation und analoges Speichern

„Internationale Player und Experten meinen, dass die Errichtung des Centers in Laxenburg der beste und kürzeste Weg ist, um Synergieeffekte zu erreichen“, sagt Kerstin Hosa, Sprecherin von Bundesminister Thomas Drozda, SPÖ, und verweist auf das bestehende Filmarchiv. Die österreichische Filmindustrie hat ein klares Bekenntnis zur analogen Speicherung und zum analogen Kopieren von Filmen gegeben.

Das Film Preservation Center soll jedoch über eine reine Kopier- und Aufbewahrungsstätte weit hinaus gehen und zu einem Kultur- und Kommunikationszentrum für Künstler und Filmschaffende werden. Als direkten Ansprechpartner für das Kulturministerium nennt Hosa die Kulturabteilung des Landes Niederösterreich. Dies sei auch der Grund, warum die Gemeinde bis jetzt nicht kontaktiert wurde. Mit dem Film Preservation Center will man Doppelgleisigkeiten vermeiden, Filmarchiv und Filmmuseum die Möglichkeit geben, ihre Kompetenzen zu bündeln.

Ernst Kieninger, Leiter des Filmarchives, bleibt skeptisch, dass durch die Errichtung neuer Organisationsstrukturen tatsächlich Doppelgleisigkeiten in Zukunft vermieden werden. „Das Wichtigste ist, dass ein analoges Filmkopierwerk in das Filmarchiv integriert wird. Es gibt bereits Strukturen in Laxenburg, ich hoffe, dass darauf zurückgegriffen wird“, erklärt Kieninger. Insgesamt ist mit Investitionsmitteln (Bau und Errichtung) in der Höhe von rund 1,5 Million Euro zu rechnen. Der laufende Betrieb wird mit 1,1 Million Euro ab 2018 veranschlagt.