Hennersdorf

Erstellt am 12. August 2018, 05:19

von Judith Jandrinitsch

Der Samen geht auf der Bobo-Farm auf. Seit 2014 bewirtschaften die Vereins-Mitglieder 8.000 m² Pachtgrund. Nur für den Eigenbedarf – und für den Erhalt alter Sorten.

Salatsamen auf der Hand von Tünde Gastgeb.  |  JJ

Wenn Tünde Gastgeb mit schützendem Strohhut auf dem Kopf und mit Scheibtruhe durch die Bobo-Farm rollt, dann landen sicher saftige Paradeiser oder knackige Kürbisse in ihrem Kistchen, das in dem Schubkarren immer ein fixes Plätzchen hat.

Bobo-Farm Mitbegründerin Tünde Gastgeb im Kürbisfeld. Hier wachsen viele verschiedene Kürbisarten, Klassiker wie Hokkaido-Kürbisse, aber auch Raritäten wie der sonst nur in Südafrika vorkommende Smaragd-Kürbis.  |  JJ

Zu verführerisch lachen die Früchte in dem Garten von Sträuchern und Bäumen, fast so wie im Paradies. Doch halt, hier müssen die Mitglieder der Bobo-Farm im Schweiße ihres Angesichts arbeiten, Unkraut jäten, gießen und schließlich ernten.

"Wer bei uns Mitglied wird, zahlt 50 Euro im Jahr"

Gastgeb, Initiatorin des Projektes Bobo-Farm hat ein Auge darauf, dass jeder „Bobo“ genug auf der Farm zu tun hat. Wobei: Es darf auch gerastet, gelacht und getratscht werden. Denn die Bobo-Farm hat auch eine starke soziale Komponente. „Wer bei uns Mitglied wird, zahlt 50 Euro im Jahr. Das zum überwiegenden Teil aus selbst hergestelltem Saatgut gewonnene Gemüse wird so wie das Obst nur von den Mitgliedern konsumiert und verarbeitet. Wir verzichten auf jegliche Art von Unkrautbekämpfungsmittel, so biologisch und nachhaltig wie wir unser Obst und Gemüse anbauen, das gibt es woanders fast gar nicht.“

Andrea Chromecek mit einem prall gefülltem „Bobo-Kistl.“  |  JJ

Ein Herz haben die „Bobos“ auch für rare Obst- und Gemüsesorten. Vor allem Gastgeb hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gemüsesamen selbst aufzubereiten und auszusäen.

Das Schreckgespenst sind für sie Hybridsamen, also von Saatgutkonzernen produzierte Samen, die allerdings nur einmal Frucht hervorbringen und dann nutzlos werden. „Das ist für mich eine Horrorvorstellung, einige wenige diktieren, welche Sorten vermehrt werden dürfen, die anderen Sorten sind zum Aussterben verdammt. Auch wenn wir auf der Bobo-Farm nur einen kleinen Beitrag dazu leisten können: So weit darf es nicht kommen.“