Das Lebenswerk hat einen Namen. Heinz Nußbaumer, Ex-Präsidentensprecher und Kenner der internationalen Polit-Szene, wurde geehrt.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 06. März 2019 (04:15)
Medienfachverlag Oberauer/APA-Fotoservice/Hautzinger
Heinz Nußbaumer wurde von „ Der Österreichische Journalist“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet, Hugo Portisch gratulierte herzlich.

„Unser Alt-Bundespräsident Rudolf Kirchschläger hätte es ,Friedhöflich keiten’ genannt“, kommentierte Heinz Nußbaumer die Verleihung des „Ehrenpreises für das Lebenswerk“, vergeben durch das Branchenmedium „Der österreichische Journalist“.

Trotz des retrospektiven Charakters solcher Auszeichnungen sieht sich der 75-jährige Hinterbrühler „in einem Alter, das noch Potenzial hat“ und wünscht sich, dass man „mich noch ein bisserl lebenswerkerln lässt“. Seinen jüngeren Berufskollegen wünscht er „die richtige Mischung aus Mut und Demut“.

Ich wünsche mir, dass man mich noch ein bisserl lebenswerkerln lässt“, Heinz Nußbaumer

Der ehemalige Außenpolitiker und Präsidenten-Sprecher (Kurt Waldheim, Thomas Klestil), heute Bestseller-Autor und „Furche“-Herausgeber, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, mit den Mächtigen der Welt ist er auf Du und Du.

Michail Gorbatschow schickte ihm Dankschreiben, der Dalai Lama seinen Leibarzt, für Bruno Kreisky überbrachte er stille Botschaften im Nahen Osten, Muammar Gaddafi gab ihm 100 Kilo Orangen für seine Kinder mit nach Österreich. Er erlebte Krisen, Kriege, Katastrophen und Friedenskonferenzen.

Wer waren die prägenden Persönlichkeiten auf seinem Lebensweg? „Das war vor allem Hugo Portisch, der mich als Journalist in eine Position brachte, an der ich wachsen konnte. Dann war es Kardinal König, dessen Weite, Tiefe und Toleranz mich beeindruckten“, betonte Nußbaumer. „Auch meine Freundschaft mit Heinrich Harrer – sie hat mich zum Dalai Lama geführt. Und schließlich konnte ich an Hermann Gmeiners Seite viele SOS-Kinderdörfer in der ganzen Welt besuchen.“

Nußbaumer beendete seine Tätigkeit als politischer Journalist schließlich, weil er das Gefühl hatte, „den politisch Mächtigen zu nahe und gesundheitlich angeschlagen zu sein. Weltgeschichte findet ohnedies überall statt“, findet Nußbaumer.

Kritische Worte über die Gegenwart

„Jeder von uns trägt mit seinem Reden und Tun dazu bei. Das lehrt uns die Geschichte und das beweist die Gegenwart. Das beginnt schon dabei, wie wir die muslimische Kassierin im Supermarkt behandeln. Da geht die Sonne oft zu schnell über unseren politischen Schrebergärten unter. Wenn ich mir die aktuelle politische Entwicklung bei uns anschaue, frage ich mich, ob das noch mein Österreich ist. Ich bin sicher, wir könnten uns mehr Solidarität und Nächstenliebe leisten.“