Harald Hrdlicka: „Der Humor darf nie ausgehen“. Hofrat Harald Hrdlicka (65) geht in seine letzte Schulwoche. Er war seit 1. Oktober 2010 Direktor der HTL Mödling.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 26. Juni 2019 (05:16)
Dworak
Nach insgesamt 50 Jahren als Schüler, Lehrer und Direktor verlässt Harald Hrdlicka die HTL Mödling.

NÖN: Haben Sie jemals bereut, sich als Direktor der HTL Mödling beworben zu haben?

Harald Hrdlicka: Nein, keinen Moment. Auch wenn diese Funktion eigentlich nie zu meiner Lebensplanung gehört hat. Wie überhaupt mein beruflicher Weg von Zufällen geprägt war. Nach dem Studium war ich als Tiefbauer in einem Planungsbüro tätig. Dann hat sich die Möglichkeit ergeben, in der HTL, in der ich 1969 als Schüler begonnen habe, zu unterrichten. Direktor Alfred Gratzl hat mich dann gefragt, ob ich nicht Tiefbau-Abteilungsvorstand werden möchte. Das war 1996, 2001 habe ich schließlich Hoch- und Tiefbau zu einer Abteilung zusammengefasst.

Und die Entscheidung, sich um die Nachfolge von Helmut Kranlich zu bemühen – Peter Cernov war drei Jahre nur interimistisch Schulleiter – war eine geplante?

Hrdlicka: Nicht wirklich. Ich habe mir vorgestellt, quasi in einem Direktions-Team mitzuwirken. Wie beim Giro d’Italia. Nicht als Chef, sondern als Wasserträger. Als die Wahl dann schlussendlich und überraschend auf mich gefallen ist, hab ich natürlich mit Stolz zugesagt. Das Abenteuer gehört zu einem Prinzip meines Lebens, ich war nie ängstlich.

Worauf blicken Sie in den neun Jahren Ihrer Amtszeit stolz zurück?

Hrdlicka: Ich hatte wieder enormes Glück, dass der Neubau des Restaurants und der Küche schon auf Schiene war. Ebenso eine glückliche Fügung war, dass das gesamte Areal mit Bundesmitteln barrierefrei gemacht werden konnte. Man kann sich vorstellen, dass wir uns sonst nie den Einbau von Aufzügen oder die Errichtung von etwa zwei Kilometern Nirosta-Geländer hätten leisten können. Was mir allerdings gelungen ist, war, der Schule eine neue Corporate Identity zu geben, das HTL-Rot wieder zu beleben und ein Leitsystem für alle 33 Gebäude zu realisieren. Jeder Besucher muss ohne fremder Hilfe in die Abteilung finden, in die er möchte. Es ist ebenso in mühsamer Arbeit gelungen, alle Räume im Sinne eines funktionierenden Alarmierungssystemes zu nummerieren. Mit unserem System haben wir eine Vorreiterrolle für komplexe Schulen in Österreich eingenommen.

Gilt die Vorreiterrolle nicht auch für die Zentralmatura?

Hrdlicka: Ja, die hat bei uns schon drei Jahre vor dem endgültigen Start Einzug gehalten. Und zwar in eigens dafür geschaffenen Räumen. Man muss sich vorstellen, dass bei uns 430 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig maturieren.

Welche Rolle nimmt der Direktor bei 3.400 Schülern und 400 Lehrern ein?

Hrdlicka: Bei uns wurden und werden Schülerinnen und Schüler aus rund 40 Herkunftsländern und acht unterschiedlichen Religionen unterrichtet. Da ist es wichtig, dass alles möglichst reibungslos, mit gegenseitigem Verständnis und Rücksichtnahme abläuft. Es war mir zum Beispiel ein Anliegen, einen Andachtsraum für alle, die beten wollen, zu schaffen. Aus der Erfahrung gesprochen: 30 Prozent meines Direktor-Daseins habe ich fürs Konfliktmanagement aufgewendet. In alle Richtungen: zwischen Schülern, Lehrern und Schülern, Bediensteten und Lehrern. Für mich war immer klar: Der Humor darf in dieser Funktion nie ausgehen.

Was wird Ihnen ab nächster Woche nicht abgehen?

Hrdlicka: Das tägliche Pendeln zwischen Wiesen im Burgenland, Mödling und sehr oft auch St. Pölten. Mein Auto hat mich in allen den neun Jahren treu begleitet. Von dem heißt es jetzt nach 300.000 Kilometern auch, Abschied nehmen.

Was hätten Sie noch gerne umsetzt? Hrdlicka: Wir stehen vor der Herausforderung, das Schüler- und Studentenheim, Haus C, neu zu errichten. Aber das ist die Sache meiner Nachfolgerin oder meines Nachfolgers.

Der wie heißt?

Hrdlicka: Das wird die Bildungsdirektion in den nächsten Tagen bekannt geben. Es wird aber eine hausinterne Lösung werden.

Was geben Sie ihrem Nachfolger mit?

Hrdlicka: Man muss klare Zielvorgaben und Vorstellungen haben, Zuhören können, Verständnis aufbringen, Liebe zum Menschen zeigen und über Humor verfügen.

Worüber freuen Sie sich in Ihrem neuen Lebensabschnitt?

Hrdlicka: Endlich Urlaub zu Zeiten machen, wann ich will und nicht muss.