Baumeister vor Gericht: Geld ja, Haus nein. Baumeister aus Laxenburg zog seinen Kunden viel Geld aus der Tasche, noch lange bevor der Traum vom Eigenheim vollendet war. Nach wenigen Ziegelreihen war meist Schluss mit dem von ihm gesetzten Bauaktivitäten.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 14. April 2021 (13:19)
Symbolbild
APA (Archiv)

Ein Baumeister, 37, steht derzeit in Wiener Neustadt vor Gericht, weil er von 2017 bis 2019 mehreren Kunden die Errichtung von Häusern und anderen Immobilien versprochen hat, dafür viel Geld kassierte aber nicht gebaut haben soll. Der Schaden beträgt sage und schreibe 1.110.422 Euro.

Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann vor Beginn der Arbeiten hohe Anzahlungen von den Kunden gefordert, für alle Leistungen auf den Baustellen vorab Rechnungen gestellt und damit schon „vor Rohbaufertigstellung das gesamte Haus“ abkassiert. „Als kein Geld mehr zu bekommen war, wurden die Baustellen für ihn uninteressant“,  betonte der Staatsanwalt.

Außerdem soll der Mann auch mehrere Privatdarlehen nicht zurückgezahlt haben und nach dem Konkurs seiner Firma seine Kunden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu einer anderen Baufirma mitgenommen haben, wo er Prokurist war. Aber auch dort wurden die Häuser nicht fertig gestellt. Daneben hat er auch in der neu gegründeten Baufirma seiner Gattin gearbeitet.

Der Angeklagte erklärte sich für „nicht schuldig“ und gab an, nach einer Lehre als Tiefbauer die Prüfungen für den Bauleiter und Baumeister absolviert zu haben, bevor er sich selbständig machte. Dass er schon vor der Firmen-Gründung mehrfach mit Mahnungen und Exekutionen zu tun hatte, erklärte er für „nicht wichtig“ und führte aus, ca. elf Wohnbauprojekte dank seiner Firma verwirklicht zu haben. Die Richterin meinte daraufhin: „Wo es bei sieben zu Problemen kam.“

Am zweiten Prozesstag waren die Zeugen am Wort. Zuerst gab ein ehemaliger Mitarbeiter an, dass sein Chef „überall etwas angefangen, aber nirgends etwas fertig gemacht“ habe. „Es wurde bei allen Baustellen nur ein bisschen gearbeitet, damit sich niemand aufregt.“ Er selbst habe die Firma mit einer Hangsicherung für sein Haus beauftragt, dafür 80.000 Euro angezahlt und „es ist nie etwas passiert, außer, dass eine Stufe im Hang weggerissen wurde“. In einem Zivilverfahren seien ihm 40.000 Euro zugesprochen worden, „für mehr Gerichtskosten hatte ich kein Geld“.

Tragisch der Fall einer Familie, wo sich Mutter und Tochter gemeinsam ein Haus bauen wollten. Laut der 26jährigen war ein Zweifamilienhaus „belagsfertig“ ausgemacht, wofür je 50.000 Euro bar angezahlt wurden. Als das Fundament fertig war und ein Teil der ersten Ziegelreihe aufgebaut, habe der Angeklagte zwei Rechnungen über 53.000 Euro gestellt.

„Unsere Bank hat nicht überwiesen, weil es keinen Baufortschritt gab, der dem entsprochen hätte.“ Danach habe der Baumeister 13.000 und 14.000 Euro von ihnen verlangt, man habe ihm zweimal 10.000 überwiesen. Kurz darauf hätte der Mann wieder die zwei Rechnungen mit 53.000 Euro vorgelegt, mit der Begründung, wenn sie nicht bezahlt würden, könne er nicht weiterbauen.

Die Bank sagte wieder Nein und so sei er auf die Idee gekommen, eine private Zwischenfinanzierung über einen Wechsel einzufädeln. Mutter und Tochter seien beim Steuerberater des Angeklagten gewesen und hätten dort unterschrieben. Danach seien zwar zwei Paletten Ziegel geliefert worden, aber nie verbaut. „Nach einem Monat wollte der Geldgeber sein Geld retour, nach zwei weiteren Monaten hat er die Sparbücher meiner Mutter pfänden lassen", sagte die Tochter vor Gericht.

Den Wechsel-Restbetrag von fast 40.000 Euro müssen die beiden Frauen jetzt in Raten abbezahlen. Das Haus wurde mittlerweile von einer andern Firma fertig gebaut, den beiden Opfern bleibt aber ein finanzieller Schaden von 200.000 Euro. War die Tochter vor Gericht noch recht gefasst, erlitt die Mutter, 53, einen Weinkrampf und sagte, dass ihre ganze Existenz vernichtet sei. Ein Urteil im Prozess steht noch aus.