Retten statt wegwerfen im Bezirk Mödling. Im Unterricht werden bereits Schwerpunkte gesetzt.

Von Michelle Schüller. Erstellt am 17. Juni 2021 (05:37)
Die Helfer der „Team-Österreich-Tafel“ in Brunn am Gebirge: Walter Hampl, Barbara Lethua, Peter Feichtenberger und Elisabeth Kirchmayer.
privat, privat

Um der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten, muss man den Hebel früh ansetzen. „Wichtig ist schon die bedarfsgerechte Bestellung“, weiß Paul Pöttschacher, Pressesprecher von REWE Österreich mit Sitz in Wiener Neudorf. „Wir arbeiten hierfür mit Prognosetools, welche bis zu einer Wettervorhersage reichen. Beispielsweise wissen wir, dass an heißen Tagen mehr Wassermelonen gekauft werden. Für diese Tage wird dann auch von unserer Seite mehr davon und dafür weniger von anderen Lebensmitteln, die typisch für etwas kältere Tage sind, bestellt.“ Die Devise laute also „nur einkaufen, was auch von unseren Kunden gekauft wird“.

Doch trotz der Prognosetools komme es dazu, dass Produkte übrig bleiben. „Wir kooperieren mit einigen sozial karikativen Einrichtungen wie beispielsweise der Wiener Tafel oder den Soogut-Sozialmärkten.“ Einfach ist das Weitergeben der Produkte jedoch nicht. „Bei manchen Lebensmitteln ist das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht ganz nachvollziehbar. Beispielsweise bei Salz. Hat es das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, dürfen wir es auch nicht mehr weitergeben.“

Auch mit der REWE-Eigenmarke „Wunderlinge“ rettet der REWE-Konzern Obst und Gemüse vor der Mülltonne. „Wir verkaufen unter unserer Eigenmarke Obst und Gemüse, welches nicht den typischen Supermarktnormen entspricht.“

Ursula Oswald, Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der Soogut Sozialmärkte, unterstreicht: „Uns liegt es sehr am Herzen, Menschen zu unterstützen. Dass wir auch Lebensmittel retten, ist dabei eine tolle Komponente.“ In den Soogut Sozialmärkten erhalten die Kunden einen Einkaufspass, mit welchem sie dann im Markt einkaufen können. „Die Pässe werden jährlich neu beantragt, je nachdem, wie sich die finanzielle Lage der Kunden verändert hat.“ Die Mitarbeiter sind großteils ehrenamtlich. „Täglich fahren einer oder mehrere Transporter aus, um die Waren von unseren Partnern abzuholen. Im Markt werden die Produkte dann geprüft und bei Salat beispielsweise die welken Blätter abgezupft. Wir unterliegen wie jedes andere Lebensmittelgeschäft strengen Warenkontrollen und auch Hygienevorschriften.“ Die Qualität der Produkte war, betont Oswald, „immer schon gut. 2019 wurden in den Soogut-Märkten 1.900 Tonnen Lebensmittel gerettet, 2020 waren es 2.300 Tonnen“.

Ein ähnliches Prinzip verfolgt die Aktion „Team-Österreich-Tafel“ mit dem Standort in Brunn am Gebirge. „Wir holen hier Lebensmittel von unseren Kooperationspartnern, welche eigentlich weggeworfen worden wären. Die Produkte werden dann von uns kontrolliert und in Kisten aufgeteilt um sie bei der Aktion jeden Samstag zu verschenken. Die Voraussetzung ist wie bei den Soogut Märkten eine Berechtigungskarte, welche man nach dem Vorweisen des Einkommensnachweises erhält“, erzählt Doris Kaina, Verantwortliche für die „Team-Österreich-Tafel“. Fast immer vorhanden sind Eier, Brot und Milch. „Einmal im Monat erhalten wir auch Hygieneartikel.“

Eigener Schwerpunkt in den Schulen

Den richtigen Umgang mit Lebensmitteln zu lernen, hat in der Vienna Business School Mödling und auch in HLW Biedermannsdorf hohe Priorität. „In meinem Unterricht ist das Thema Schwerpunkt in allen dritten Klassen der HAK. Ich versuche es den Schülern mithilfe von Projekten näher zu bringen“, erklärt VBS-Naturwissenschaftslehrerin Viviane Huber.

HLW Biedermannsdorf-Fachvorstand Dieter Kranzl.
HLW, HLW

Auch Küchenmeister, Fachbuchautor und Fachvorstand Dieter Kranzl legt mit seinen Kollegen „großen Wert auf das Thema Nachhaltigkeit. Wir beschäftigen uns in Ernährungslehre damit. Verschwendung ist bei uns in den Praxisstunden kein Thema. Was doch übrig bleibt, nehmen die Schüler mit nach Hause.“

Wichtig für „Restl-Gerichte“ ist, weiß Kranzl, „das umfangreiche Wissen um Garmethoden und deren Anwendungen.“